Anna-Morawska-Gesellschaft

Die Anna-Morawska-Gesellschaft ist dem ökumenischen Dialog für deutsch-polnische Verständigung verpflichtet. Sie entstand aus dem im Jahre 1968 im Katholischen Seelsorgeamt Magdeburg von Günter   Särchen gegründeten Polenseminar, das sich die Aufgabe stellte

  • über Geschichte und Kultur des polnischen Volkes zu informieren,
  • das Leben in Gesellschaft und Kirche kennen zu lernen und
  • persönliche Verbindungen zwischen beiden Völkern zu schaffen.

Während der DDR-Zeit entwickelten sich die in Magdeburg dreimal jährlich stattfindenden Polenseminare zu Fixpunkten der beiderseitigen Beziehung. Im Jahr 1985 benannte sich die Initiative nach der 1972 verstorbenen Krakauer Journalistin Anna Morawska. Als frühe Wegbegleiterin der deutsch-polnischen Aussöhnung stand Anna Morawska schon seit den sechziger Jahren in freundschaftlicher Beziehung zu Günter Särchen und zum Magdeburger Polenseminar.

Der Name Anna Morawska steht außerdem auch für die Öffnung der Kirche zur Gesellschaft und für eine grenzüberschreitende Ökumene. Zudem sollte mit der Umbenennung in Anna-Morawska-Seminar auch an das frühe Engagement polnischer Intellektueller für eine deutsch-polnische Verständigung erinnert und die bisherige Zusammenarbeit mit den Klubs der katholischen Intelligenz in Polen gewürdigt werden. Die Teilnehmer der Seminare kamen aus allen Bezirken der DDR. Die Veranstaltungen waren ökumenisch ausgerichtet. Da die DDR-Regierung einen Alleinvertretungsanspruch für alle das Ausland betreffenden Aktivitäten erhob, müssen die Magdeburger Versöhnungs- und Verständigungsbemühungen als DDR-untypisch bezeichnet werden. Sie standen außerhalb jeder ideologischen Vorgabe und waren den Staatsoberen, teilweise aber auch der kirchlichen Obrigkeit, suspekt. Günter  Särchen und die Polenseminare befanden sich daher auch im Visier der Stasi. Über die Vorträge hinaus wurden einem internen Bezieherkreis von etwa tausend Personen im Lauf der Jahre mehr als 50 Arbeitspapiere geliefert, die bis zu hundert Seiten umfassten. Die Schriften enthielten unzensierte Informationen über die polnische Geschichte und Kultur sowie über kirchliches und gesellschaftliches Leben.

Nach der Wende organisierte sich die Anna-Morawska-Gesellschaft als eingetragener Verein, um die bisherige Arbeit unter den geänderten politischen Verhältnissen fortzusetzen. Ihr Ziel ist weiterhin, im ökumenischen Dialog die Versöhnung von Polen und Deutschen zu fördern und auf die Gestaltung deutsch-polnischer Beziehungen im Geiste guter Nachbarschaft hinzuwirken. Um diesen Zielen näher zu kommen, organisiert die Anna-Morawska-Gesellschaft Studien- und Pilgerfahrten, Seminare und persönliche Begegnungen, vor allem mit  katholischen, evangelischen und orthodoxen Christen in Polen. In Rundbriefen informiert sie über aktuelle Entwicklungen in den deutsch-polnischen Beziehungen. | Daten aufrufen

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