Blick in das Pflug-Zimmer

Vordenker der Ökumene

Schau zu Reformationsjahr über katholischen Bischof Julius Pflug

Er war an den religionspolitischen Entwicklungen seiner Zeit maßgeblich beteiligt, von Protestanten wie Katholiken geschätzt. Die Wiederherstellung der Einheit zwischen den Konfessionen war sein Lebensthema. So führte er beim berühmten Wormser Religionsgespräch von 1557 den Vorsitz. Doch letztlich blieben all seine Vermittlungsversuche, die von einem für die Zeit bemerkenswerten Toleranzgedanken geprägt waren, vergeblich. Und Pflug geriet in Vergessenheit.

Erstmals steht der bedeutende Universalgelehrte, der als Vordenker der Ökumene gilt, nun im Zentrum einer großen kulturhistorischen Ausstellung mit dem Titel „Dialog der Konfessionen - Bischof Julius Pflug und die Reformation“. Sie gilt zugleich als die wichtigste zum Thema Ökumene im Reformationsgedenkjahr. Schirmherren sind der vatikanische „Ökumeneminister“, Kardinal Kurt Koch, und der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes, Martin Junge.

Für europaweites Aufsehen sorgte 1541/42 ein Streit um die Neubesetzung des Naumburger Bischofsstuhls. Das Domkapitel hatte Pflug einstimmig zum Bischof gewählt, doch der protestantische Kurfürst Friedrich von Sachsen setzte stattdessen Nikolaus von Amsdorf ein. Martin Luther ordinierte diesen daraufhin als ersten evangelischen Bischof weltweit. Doch der offenkundige Bruch des Reichs- und Kirchenrechts führte zum Schmalkaldischen Krieg 1546/47, in dem Kaiser Karl V. militärisch und mit Erfolg gegen die evangelischen Reichsfürsten und Städte vorging.

Im Anschluss trat Pflug sein Amt als katholischer Bischof von Naumburg an und bezog seinen Amtssitz auf der Zeitzer Moritzburg, seit 1285 dauerhafte Residenz der Naumburger Bischöfe. Obwohl der Bischof als „streng katholisch“ galt, verzichtete er darauf, die inzwischen weitgehend protestantische Bevölkerung seiner Diözese gewaltsam zu rekatholisieren. Vielmehr setzte Pflug auf konfessionellen Dialog und bemühte sich intensiv um Verständigung. Wo er katholischerseits kirchliche Mängel sah, versuchte er sie zu beseitigen, und war bereit, der anderen Seite Zugeständnisse zu machen. 

Bemerkenswert ist dabei sein Toleranzverständnis, das zwischen „aufrichtiger“ und „notwendiger“ Toleranz unterschied, ohne das beides im Gegensatz zueinander stehen musste. Pflug war dabei ein Pragmatiker, der kritisch und klug abwog, wie sich kirchliche Lehre und Lebensrealität in Einklang bringen ließen und wo Kompromisse sinnvoll erschienen. Die „aufrichtige“ Toleranz etwa zeigte sich dort, wo Pflug der Überzeugung war, dass eine Neuerung sinnvoll und nicht nur ein Zugeständnis war.

So plädierte er bereits 1532 für die Zulassung des sogenannten Laienkelchs, da Christus mit der Einsetzung des Abendmahls kein Gebot vorgegeben und damit freigestellt habe, ob man nur das Brot oder auch den Wein dazu reichen dürfe. Papst Pius IV. gewährte ihm schließlich 1564 die Erlaubnis zur Austeilung des Abendmahls in beiderlei Gestalt. Das Dekret zählt zu den Highlights der Ausstellung.

Auch argumentierte der Bischof äußerst umfassend für die Zulassung der Priesterehe. Unter Berufung auf Paulus hält er die Einhaltung des Zölibats für Priester zwar für besser, doch angesichts der zunehmenden, von ihm scharf verurteilten sittlichen Ausschweifungen des Klerus erschien ihm die Priesterehe als bessere Alternative. Die im Zuge der Reformation fast vollständig verheiratete Pfarrerschaft in seinem Sprengel ließ er weitgehend im Amt. 

Die Ausstellung selbst erstreckt sich über das Schlossareal der Moritzburg, inklusive katholischem Dom und Stiftsbibliothek. Sie gilt mit Pflugs umfassender Privatbibliothek als eine der wertvollsten der Reformationsepoche und zeugt von seinen internationalen Korrespondenzen mit zahllosen Geistesgrößen seiner Zeit. | kna | Karin Wollschläger

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