Bistumskarte

Auf Augenhöhe kommunizieren

25 Jahren Asylverfahrensberatung der Caritas

Vieles ist gut, aber es geht noch besser, mit diesem Satz lässt sich das Fachgespräch zum Thema Migration und Integration zusammenfassen, das anlässlich von 25 Jahren Asylverfahrensberatung der Caritas veranstaltet wurde.

Unter dem Titel „Caritas meets Politics“ lud die Caritas im Bistum Magdeburg zu einem Fachgespräch über den Umgang mit Migration und Integration in Sachsen-Anhalt ein. Als Gäste waren der Minister für Sport und Inneres, Holger Stahlknecht, die Staatssekretärin im Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration, Susi Möbbeck, die Vertreterin des Flüchtlingsrates in Sachsen-Anhalt, Christine Bölian sowie Monika Schwenke, Vertreterin des Caritasverbandes für das Bistum Magdeburg geladen.

Nach einem Begrüßungswort von Kaus Skalitz, Diözesan-Caritasdirektor, in dem er einen dankenden Rückblick auf die letzten Jahre wagte, eröffnete der Moderator der Veranstaltung, Stefan Zowislo, Referent für Öffentlichkeitsarbeit der Caritas im Bistum Magdeburg, das Gespräch.

Innenminister Stahlknecht stellte lobend fest, dass in Sachsen-Anhalt alle beteiligten Gruppen an einen Tisch setzen und auf Augenhöhe miteinander kommunizierten. Bei den behandelten Themen sei Kommunikation ganz wichtig, denn „die Tonalität ist entscheidend“. Eine gute Tonalität finden aber auch in der Politik noch lange nicht alle. So seien rassistische Äußerungen leider immer wieder zu hören. Nachholbedarf sieht Stahlknecht in der Bevölkerung, die erkennen müsse, dass Zuwanderung auch Vorteile mit sich bringt, beispielsweise bei der Suche nach Fachkräften. Aus diesem Grund wünscht er sich von den Menschen in Sachsen-Anhalt mehr Weltoffenheit und Toleranz. Dennoch dürfe der Bevölkerung nicht zu viel zugemutet werden. Schließlich handelt es sich bei dem Wort Toleranz auch um den Umgang mit Themen wie Migration und Integration.

In Bezug auf Europa kritisiert er die unterschiedlichen Standards. So sei es selbstverständlich, dass Menschen dorthin wandern, wo sie den besten Standard erwarten.

Christine Bölian spricht in Bezug auf Europa das Dublin-3-Verfahren an. Es sei ein System, das auf „Abschreckung und Bestrafungslogik“ basiere, ganz nach dem Motto: „Wenn du es geschafft hast, schieben wir dich zurück.“ Das politische System habe versagt, denn trotzdem nehmen immer wieder Menschen Weg nach Deutschland auf sich. Aus diesem Grund fordert Bölian eine Politik, die die Menschenrechte achtet und sich an der Realität orientiert. Auch kritisiert sie die Nationalstaatenpolitik der europäischen Länder. Dieses dürfe, da ist sie der gleichen Auffassung wie der Innerminister, nicht die EU in Frage stellen.

Monika Schwenke brachte neben der politischen Debatte ihren christlichen Ansatz ein. So seien die Themen, die jetzt in der Politik diskutiert werden, schon seit jeher ein der Bibel verankert, da es sich hier eindeutig um Themen wie Flucht und Nächstenliebe handele. Dieses zu erleben und zu merken, dass sie die Möglichkeit hat, mit ihrem Tun etwas zu verändern, bekräftigt sie immer wieder in ihrer Arbeit. Von der christlichen Nächstenliebe ausgehend, kam sie dann auch auf das Thema Kirchenasyl zu sprechen. Dieses sei für sie jedoch die schlechteste aller Asylmöglichkeiten, da der Mensch im Kirchenasyl nahezu ohne Rechte sei.

Auch Susi Möbbeck geht ein Stück weg von der politischen Ebene, indem sie das Vertrauen der Asylsuchenden in die Arbeit der Caritas lobt. Dies sei nur dadurch möglich, dass die Caritas unabhängig von der staatlichen Institution arbeitet und es nicht nur um die Bewilligung oder Ablehnung geht. Den Hilfesuchenden würde gezeigt, dass sie nicht alleine in dem „Bürokratische Dschungel“ sind. Auch sie hält das Dublin-3-Verfahren für überholt. Anstelle die Asylsuchenden hin und her zu schieben sollten lieber die Fluchtursachen bekämpft werden. Genau wie Stahlknecht appelliert sie an die Bevölkerung, die ihrer Meinung nach, bei diesen Themen polarisiert. Ängste müssten abgebaut werden, was am besten durch Begegnungen möglich sei. Auch das sei Aufgabe der Caritas. So gibt es von der Caritas geförderte interkulturelle Begegnungszentren, wo genau das möglich sei. (TT)

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