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Partnerschaftsaktion Ost ist beispielgebend

Feier zur Gründung des diözesanen Hilfswerks für Menschen in Ost- und Südosteuropa vor 30 Jahren

Als eine beispielgebende Aktion, die der Förderung von Gerechtigkeit, Zusammenhalt und Frieden diene, würdigte der Chef der Staatskanzlei Rainer Robra mit einem Grußwort das Engagement der Partnerschaftsaktion Ost zum 30. Geburtstag. Viele Mitstreiterinnen und Mitstreiter aus den Anfangsjahren waren zu einem Dankgottesdienst in die Kathedrale St. Sebastian nach Magdeburg gekommen.

Bischof em. Leo Nowak erzählte in seiner Predigt von den Anfängen: „Die Initiative Partnerschaftsaktion - Ost des Bistums Magdeburg ist uns wie vom Himmel gefallen. Es war wohl an einem Abend im Januar 1991. Frau Lampa und ich wollten noch schnell eine dringliche Besorgung im Kaufhaus Karstadt machen. Es war kalt. Umso mehr verwunderlich war es, dass vor dem Eingang zum Warenhaus eine Musikgruppe musizierte. Ein Blick auf die Instrumente und beim Hinhören auf die Melodien wurde mir sofort klar, das sind keine Deutschen, sondern Leute aus dem Osten. Irgendetwas stimmt da nicht, war sofort meine Vermutung. Ich suchte nach einem Gesprächspartner. Einer aus der Gruppe konnte etwas deutsch. ,,Wir eingeladen von Firma nach Magdeburg. Firma weg, nicht da. Autobus kaputt. Motor kaputt. Wir kein Geld. Nicht Chlep - nicht Brot. Nicht wissen wo schlafen!"

Spontan wurde mir klar, hier muss unverzüglich geholfen werden. Ich konnte mit Rat Nachtwei, dem damaligen Leiter unseres Seelsorgeamtes telefonieren. Sofort war er bereit zu handeln. Obwohl im Roncalli-Haus wegen der Tagungsteilnehmer kaum Platz war, wurden die Frauen der aus etwa 30 Personen bestehenden Gruppe im alten Roncalli-Haus aufgenommen.  Die  Männer  bekamen in einer naheliegenden Kaserne Unterkunft.“

Viele der Anwesenden erinnern sich noch sehr lebhaft an den folgenden Abend: „Schon am nächsten Abend fand im Saal der Propstei ein Konzert mit russischer Musik und Volkstänzen statt, das ich nicht vergessen werde. Unsere nicht angemeldeten Gäste aus Russland wollten sich unbedingt bedanken. Adressen wurden ausgetauscht und Freundschaften geschlossen, die teilweise bis heute bestehen.“

Schon am nächsten Osterfest fuhr Gerhard Nachtwei zusammen mit Heiner Hesse, Edith Gibson und Norbert Bischof nach Tutajew, dem Heimatort der russischen Musikanten, um vor Ort zu erkunden, wie und womit geholfen werden konnte.  „Das Kind „Partnerschaft Ost des Bistums Magdeburg“ war geboren.“

Auch Bischof Dr. Gerhard Feige, der leider wegen eines anderen Termins nicht bei dem Dankgottesdienst dabei sein konnte, ist dankbar für das Engagement der Partnerschaftsaktion Ost, die schon vor der bundesweiten Hilfswerk für Osteuropa Renovabis im Bistum Magdeburg in Aktion getreten ist. Die große Hilfsbereitschaft, Menschen in Osteuropa zu unterstützen begründet der Bischof Leo so: „Uns war bewusst, dass der Westen uns schon in der DDR-Zeit unterstützt hat. Die deutsche Einheit brachte trotz vieler Schwierigkeiten eine spürbare Verbesserung unserer Verhältnisse. Die Staaten des Ostens hingegen waren da viel schlechter  dran und auf sich allein angewiesen. Jetzt müssen wir helfen so gut wir können. Das war unsere Motivation.“

 Daraus entstanden über die Jahre viele Kontakte zu Litauen, Bulgarien, Ungarn, Polen und der West-Ukraine. „Von 1994-2018 war Frau Monika Köhler Leiterin unserer Aktivitäten in der Partnerschaftsaktion Ost. Ihnen  allen  und  der  jetzigen Leiterin Frau Rasa Hinz und allen Helfern und Sponsoren gebührt Dank und Anerkennung.“

Das Evangelium von der sogenannten Brotvermehrung fasse auch biblisch den Auftrag, anderen Menschen zu helfen in einem ganz kurzen Imperativ zusammen: „„Gebt ihr ihnen zu essen.“ Gott will sein Heil nicht ohne uns bewirken. Wir können das aber nicht, so die Antwort seiner Gefährten. Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische hier. Was ist das für so viele?“

Bis heute seien es immer wieder dieselben Argumente, so Leo. „Wir müssen an uns selbst denken. Wo bleiben wir, wenn so viele Flüchtlinge kommen? Jeder ist sich selbst der Nächste? Meine Freiheit hat Vorfahrt. Ich bin allein für mich selbst verantwortlich. Ich kann sowieso nichts machen. Ich habe mit mir selbst genug zu tun. Wir als Privilegierte und Bevorzugte auf unserer Erde würden schon jammern bevor es weh tut meint einer, der sich selbst in Frage stellt. Wir treten auf der Stelle. Wir ändern nichts und verändern auch nichts, wenn wir nicht daran glauben können oder wollen, dass wenige Brote und Fische, die wir haben viele satt machen können, wenn wir anfangen zu teilen. Darin besteht wohl das große Wundern und Staunen, dass vieles sich löst und wir unseres Lebens selbst froher werden, wenn wir solche Worte nicht nur hören, sondern immer wieder anfangen unser Leben danach auszurichten, wenn es heißt ,gebt ihr ihnen zu essen'. Was wäre aus unseren russischen Besuchern geworden, wenn damals Gerhard Nachtwei nicht beherzt und unkompliziert geholfen hätte?“

Und weiter: „Ich halte es nicht für vermessen, wenn ich die Initiative „Partnerschaft Aktion Ost“ in diesen Zusammenhang stelle. Wir sind als katholische Kirche und Christen in unserem Land wahrhaftig nur eine kleine Truppe. Wo und wann immer wir aber nach diesem Wort Jesu handeln, da können wir uns im wahrsten Sinn des Wortes nur wundern. Da kommt ein Stein ins Rollen, der nicht mehr aufzuhalten ist.“

Die Erfahrung, die Bischof Leo und andere an jenem Winterabend machen durften, da Menschen in Not Schutz und Obdach gewährt wurde, sei zu einem markanten Zeichen geworden. „Nur dann, wenn wir bereit sind zu teilen und denen zu essen geben, die um ihr tägliches Brot fürchten wird sich etwas zum Guten wenden. Diese eigentliche Wende steht immer noch aus. Möge die Partnerschaft Ost ein Ansporn sein und bleiben für den Anruf des Evangeliums, da es heißt: Gebt ihr ihnen zu essen. So handelt unser Gott auch in unserer Zeit. Und wenn du auch nur Weniges tun kannst, tu das und du wirst leben.“

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oder:

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Partnerschaftsaktion Ost
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(sus; Fotos: Sperling)

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