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Mit Bibel und Spaten

Festakt zum 900. Geburtstag des Prämonstratenserordens und Ausstellungseröffnung

Zur feierlichen Eröffnung der Ausstellung „Mit Bibel und Spaten“ anlässlich des 900. Geburtstags des Prämonstratenserordens begrüßte Magdeburgs Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper die zahlreichen Gäste aus nah und fern im Magdeburger Dom. „Ohne Norbert von Xanten wäre die Geschichte Magdeburgs und des heutigen Landes Sachsen-Anhalts kaum zu denken“, so Trümper. Auch Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff verwies auf den Bistumspatron Norbert als ein wichtiges Standbein des kulturellen Selbstverständnisses des Bundeslandes. „Ich wünsche mir, dass es pädagogisch gelingt, den jungen Menschen mit dieser Ausstellung eine Brücke in die Gegenwart und Zukunft zu schlagen“, so Haseloff. 

Das Kulturhistorische Museum Magdeburg zeigt die Sonderausstellung „Mit Bibel und Spaten“. Die erste Einzelausstellung über den Orden im deutschsprachigen Raum illustriere seine Geschichte sowie sein kulturelles, geistiges und wirtschaftliches Wirken. Der Bogen werde dabei gespannt von der Entstehung im Mittelalter über die Herausforderungen durch Reformation, Säkularisation, die beiden Weltkriege und den Kommunismus bis in die Gegenwart. Ein besonderer Fokus ist dabei auf Norbert von Xanten (1080/85-1134) gerichtet. Der Ordensgründer war die letzten acht Jahre seines Lebens Erzbischof von Magdeburg. Dem Museum zufolge stieß er Entwicklungen an, die von dort nach ganz Europa ausstrahlten. Die Schau in der Elbestadt ist eine von drei offiziellen Partnerausstellungen zum Jubiläum. Die anderen beiden werden in der Park-Abtei Löwen in Belgien und im tschechischen Kloster Strahov in Prag gezeigt. 

Der Titel der Schau spielt darauf an, dass für die Prämonstratenser zum einen das Bibel-Studium eine zentrale Rolle spielt, zum anderen sie mit ihrem wirtschaftlichen Wirken im Mittelalter maßgeblich zum Landesausbau beitrugen. Auch der Magdeburger Bischof Gerhard Feige ging bei der Eröffnung darauf ein, als er den Blick auf ein spezielles Exponat lenkte: eine 1950 geschnitzte Holzstatue Norberts, die auf den Entwurf einer Steinskulptur des Künstlers Gustav Hagelstange zurückgeht, die 1949 in Merseburg an der Fassade der wiederaufgebauten Kirche Sankt Norbert aufgestellt wurde. 

Die eigentliche Besonderheit der beinahe säulenhaften schlanken Figur sei, so Feige, der Spaten, den sie zusammen mit einem Kreuz in Händen hält: „Dieser neue, im Bistum Magdeburg der Deutschen Demokratischen Republik entstandene Darstellungstypus des Heiligen Norbert mit Spaten war in den Nachkriegsjahren identitätsstiftend. Der Spaten symbolisierte das religiöse, spirituelle und tatkräftige Engagement der christlichen Kirche beim Wiederaufbau.“ 

Herausragend sind unter den Exponaten das berühmte Cappenberger Johanneskopf Bronze-Reliquiar aus dem 12. Jahrhundert, der sogenannte Barbarossa-Kopf, sowie eine Silberkanne der Heiligen Elisabeth. Mit einer Vorstudie für eine Altarfigur des Heiligen Norbert wird erstmals ein Werk von Peter Paul Rubens (1577-1640) in Magdeburg ausgestellt. Die Bedeutung der Prämonstratenser für die Buchmalerei verdeutlichen Prachtschriften wie das Ilfelder Evangeliar oder das Brandenburger Evangelistar. Sie sind in der Ausstellung in einem nachempfundenen Skriptorium in Szene gesetzt. 

Im Fokus der bis zum 9. Januar 2022 laufenden Schau steht natürlich Ordensgründer Norbert. Er war ein Adelssprössling mit exzellenten Kontakten, dem eine lukrative Klerikerkarriere bevorstand. Doch dann entschied er sich plötzlich für ein Leben als Einsiedler, wurde Wanderprediger - ein klassischer Aussteiger. Wenig später gründete er die Prämonstratenser als eine Gemeinschaft, die sich am Ideal des bescheidenen Lebens der Urkirche orientierte. Mit seiner Erhebung zum Erzbischof von Magdeburg 1126 fiel ihm freilich in aller Bescheidenheit ein mächtiges Amt zu. 

Fachleute schildern, dass Norbert sich wohl durch Experimentierfreude auszeichnete, aber nicht unbedingt in aller Augen eine Lichtgestalt war. Mehrere Mordversuche von Klerikern an ihm sind belegt. Auch war der Wechsel vom Wanderprediger zum geistlichen Fürsten bei seinen Anhängern durchaus umstritten. Gleichwohl entwickelte sich Magdeburg in der Folge zu einem zentralen Ort des Ordens, von dem aus Norbert Entwicklungen anstieß, die nach ganz Europa ausstrahlten. 

Die junge Gemeinschaft expandierte erfolgreich: Bis zum Ende des Mittelalters konnte sie hunderte Niederlassungen von Irland bis Ungarn, von Norwegen bis Sizilien gründen. Mit der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt sind die Prämonstratenser auch heute verbunden. Der Orden ist seit 1991 wieder in der Stadt tätig, nachdem er Magdeburg nach der Reformation vor rund 500 Jahren verlassen musste. Derzeit entsteht in der Innenstadt ein neues kirchliches Zentrum mit dem Neubau für einen Prämonstratenser-Konvent in den sogenannten Ökumenischen Höfen. 

(sus, Karin Wollschläger; Fotos: Susanne Sperling)

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