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Abschluss der Pilgerfahrt "Mit Luther zum Papst" mit ökumenischem Gottesdienst in Castel Gandolfo 

Müde und erschöpft, aber auch mit jeder Menge Erlebnissen und Eindrücken im Gepäck, sind die über 500 „Mit-Luther-zum-Papst“- Pilgerinnen und –Pilger wieder sicher zu Hause angekommen. Nach Papst-Audienz und Flashmob-Andacht auf dem Martin Luther Platz in Rom haben die Teilnehmer der ökumenischen Fahrt des Bistums Magdeburg, der Evangelischen Landeskirche Anhalts und der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) noch zahlreiche Veranstaltungen und Ausflüge auch nach Castel Gandolfo zur ehemaligen Papstresidenz am Albaner See unternommen.

Einen Gänsehaut-Moment erlebten die überwiegend junge Protestanten und Katholiken vor allem aus Sachsen-Anhalt und Thüringen, aber auch aus Sachsen und Berlin in der Sixtinischen Kapelle. Nach einer eindrucksvollen, wenn auch physisch herausfordernden Führung, vorbei an unendlich vielen Kunstwerken trafen sich alle unter dem Dach der Kapelle und bestaunten die Meisterwerke von Michelangelo als plötzlich ein Schrecken verbreitender Ruf durch die heiligen Halle zu vernehmen war: „Silentium!“ In die sofort einsetzende Stille erklang auf einmal erst ganz leise, dann immer lauter werdend ein Chor aus allen Pilgern mit dem wunderschönen Lied „Ubi caritas et amor“.

Für viele hallten die Worte des Papstes aus der Audienz nach: „Hört auf die Melodie Gottes in eurem Leben; auf das, was der Herr in euer Leben hineinkomponiert hat.“ Dank der mitgereisten Bläser und Bands sowie der Chöre gab es auf der Pilgerfahrt viele musikalisch verbindende Momente.

Auf dem Reiseplan stand auch ein Ausflug nach Castel Gandolfo zur ehemaligen Sommerresidenz der Päpste am Albaner See. Dort wurde mit einen gemeinsamen ökumenischen Gottesdienst zusammen mit Kardinal Kurt Koch, dem Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, der Abschluss der Pilgerreise gefeiert.

In seiner Predigt ging der Kardinal auf die Frage, wo Gott wohne ein: „Die herkömmliche und gewiss auch heute spontan geäußerte Antwort auf diese Frage dürfte lauten, dass Gott in der Höhe des Himmels wohnt. Diese Antwort ist gewiss wahr; denn Gott ist der Transzendente, der Welterhabene und Unfassbare, den nicht einmal die Himmel der Himmel fassen können.“ Dennoch sei dies nur die halbe Wahrheit, denn wie auch die Menschen trüge Gott neben dem konkreten Wohnort auch eine Wahlheimat im Herzen. „Man kann beispielsweise in Bayern geboren sein und dennoch seine Wahlheimat in Ostdeutschland haben, so dass Sachsen-Anhalt wichtiger ist als sogar der Freistaat Bayern“, so Koch. Und unter dem Lachen der Mitfeiernden fügte der Schweizer an: „Ich bin nicht in Bayern geboren!“

„Die Wahlheimat Gottes und deshalb auch seine Wohnung befinden sich unter uns Menschen, und zwar in unserer Mitte. So verkündet es die Heilige Schrift, die zugleich die Grundberufung jener Gemeinschaft der Menschen zum Ausdruck bringt, die den Namen „Kirche“ trägt. Die Kirche hat nicht nur den Auftrag, das Wort Gottes zu verkünden; sie ist vielmehr auch und sogar dazu zuerst berufen, selbst ein Lebens-Ort Gottes zu sein. Darin besteht der Ernstfall, vor dem die Kirche heute wie zu jeder Zeit steht.“

Die Menschen würden nur dann auf das Wort der Kirche hören oder gar den Weg in die Kirche finden, wenn sie in ihr die Gegenwart Gottes wahrnehmen könnten. Denn Volk Gottes sei die Kirche nur dann, „wenn Gott in ihm wohnt und die Menschen dies spüren können. Diese Einsicht hat mir vor einigen Jahren ein Jugendlicher vermittelt, als ich unfreiwillig Zuschauer einer Jugendsendung im Deutschen Fernsehen geworden bin. Bei dieser Sendung wurden Jugendliche nach ihrem Verhältnis zur Katholischen Kirche befragt. Von den verschiedenen Stellungnahmen ist mir die spontane Reaktion eines Jugendlichen besonders aufgefallen und bis heute in Erinnerung geblieben. Seine Reaktion hieß kurz und prägnant: „Kirche? – Mein Gott!“ Wir alle spüren, was der Jugendliche damit sagen wollte. Doch ohne es zu wissen und auch ohne es zu wollen, hat der Jugendliche damit die theologisch beste Antwort gegeben, die sich überhaupt ausdenken lässt. Denn niemand ist auf einem besseren Weg als derjenige, der das Wort „Kirche“ sofort auf „Gott“ reimen lässt. Kirche gibt es nur „um Gottes willen“, und zwar im buchstäblichen Sinn. Kirche ist letztlich nur dazu da, damit ein Ausblick auf Gott möglich und Gott gesehen werden kann.“

Eingehend auf die Pilgerfahrt „Mit Luther zum Papst“ verband der Präsident des päpstlichen Einheitsrates die Frage, wie die Menschen denn wahrnehmen können, dass Gott in der Mitte seines Volkes wohnt, wenn dieses Volk noch immer in viele christliche Gemeinschaften gespalten ist und noch nicht in Einheit lebt, wie es Jesus selbst wünscht?“ Die fehlende Einheit unter den Christen stelle das größte Hindernis für die Weltmission dar, so Koch. „In den Fußstapfen Martin Luthers muss der ökumenische Dienst auch in der heutigen Zeit darin bestehen, in den weithin säkularisierten Gesellschaften in Europa die Gegenwart des lebendigen Gottes, seine Wohnung unter uns Menschen zu bezeugen.“

Nach dem Gottesdienst überreichte der Pilgerfahrt-Organisator und Leiter der Jugendarbeitsstelle im Bistum Magdeburg, Diakon Christoph Tekaath dem Kardinal ein Kopfkissen mit dem Logo der Reise. Darauf könne er Kraft schöpfen für die große Aufgabe im Einheitsrat. Danach kamen alle Helferinnen und Helfer, Musiker, Chöre und die großen und kleinen Problemlöser der Pilgerfahrt auf die Bühne, um den tosenden Applaus der Dankbarkeit zu erleben. Sie werden diese Reise mit Luther zum Papst wie alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen lange in guter Erinnerung behalten.

(sus; Fotos: Sperling)

Predigt von Kurt Kardinal Koch zum Download

Munteres Erklär-Video von katholisch.de „Was bedeutet Ökumene?“

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