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„Keine leichte Aufgabe“

 „Visitatio ad limina apostolorum“ – Deutsche Bischöfe zur Visitation im Vatikan

Die deutschen Bischöfe sind zum traditionellen Ad-Limina-Besuch in Rom.  Es gibt viel Gesprächsbedarf, viel steht auf dem Spiel. Der Besuch der katholischen Bischöfe im Vatikan könnte wegweisend sein für die Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland. 

Der Rom-Besuch der deutschen Bischöfe begann mit einem Donnerwetter. Die milden Novemberwochen endeten abrupt, bei Blitz und Donner ergoss sich in den frühen Morgenstunden ein heftiger Regen über die Ewige Stadt. Dank des nasskühlen Wetterwechsels standen ausgerechnet am frühen Montagmorgen vor dem symbolträchtigen Gottesdienst der Bischöfe beim Grab des Apostels Petrus die Zeichen auf Sturm. Doch rechtzeitig vor dem Einzug in den Petersdom riss die Wolkendecke auf., kein deutscher Oberhirte musste sich mit durchnässten Schuhen und Hosenbeinen das rote Messgewand anziehen. 

In seiner Predigt am Petrusgrab setzte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, erste deutliche Akzente - wohl wissend, dass seine Worte mit einiger Zeitverzögerung auch auf den Bildschirmen der Kurienkardinäle und Monsignori auftauchen würden, mit denen er und die Seinen in den kommenden Tagen zu tun haben werden. 

Immer wieder waren in den vergangenen Wochen im Vatikan Warnungen vor einem „deutschen Sonderweg“ oder einer Kirchenspaltung zu hören. Und so rief Bätzing gleich zu Beginn dazu auf, die Einheit der Kirche zu bewahren und zugleich Umkehr und Erneuerung zu ermöglichen. Er räumte ein, dies sei „keine leichte Aufgabe“. Und er warb für das grundlegende Anliegen des Synodalen Wegs in Deutschland, der von konservativen Theologen als unzulässige Anpassung an den Zeitgeist kritisiert wird. 

Im Verlauf des Vormittags standen die ersten Gespräche der Bischöfe in den vatikanischen Behörden an, die nun „Dikasterien“ heißen. Da die Gruppe mit über 60 Bischöfen recht groß ist, war vorab für jeden Gesprächstermin je ein Bischof ausgewählt worden, der die Lageberichte vortragen musste. Dabei trafen die Bischöfe auf eine vatikanische Kurie, die sich in einem tiefgreifenden Umbruch befindet. 

Nach dem Willen von Papst Franziskus sollen die hohen Kurienmitarbeiter vor allem zuhören und sich als Dienstleister und Ratgeber verstehen - und nicht mehr, wie es früher manchmal war, von oben herab die Prinzipien verkünden, die dann vor Ort umzusetzen sind. Selbst im „Dikasterium für die Glaubenslehre“ (früher: Glaubenskongregation), wo die Bischöfe am Montagnachmittag vorsprachen, bemüht man sich jetzt darum, dem neuen Selbstverständnis entsprechend aufzutreten. Dennoch gibt es hier weiterhin „rote Linien“, an die Roms Chefdogmatiker nun freundlicher im Ton, aber doch klar in der Sache, erinnern.  

Es sind vor allem zwei Termine, die unter den vielen Gesprächen in Rom besondere Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Der eine ist das Gespräch in der Bischofsbehörde. Ob und wie dort die „Causa Woelki“ verhandelt werden kann, war für die Bischofskonferenz und ihren Vorsitzenden im Vorfeld eine der schwierigsten Aufgabenstellungen. Denn seit der Papst erklärt hat, dass er die Entscheidung über den Verbleib des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki im Amt bis auf Weiteres offenhalten will, ist es für den Betroffenen ebenso wie für die gesamte Konferenz nicht leicht, mit dieser ungeklärten Situation umzugehen.  

Noch mehr Fragezeichen und Erwartungen verbinden sich mit einem anderen Termin: Am Freitag wollen die Bischöfe mit den wichtigsten Kurienkardinälen und dem Papst über die Reformimpulse des deutschen Reformprozesses „Synodaler Weg“ diskutieren. Auch hier soll die „neue Kurienmentalität“ des Zuhörens und des offenen Wortes zum Tragen kommen. 

Ob danach die reformorientierte Mehrheit der Bischöfe - und mit ihr auch die meisten Laienvertreter des Synodalen Wegs - im Regen stehen, oder ob sie im Vatikan auf Verständnis oder gar Zustimmung stoßen, wird erst danach mit einiger Sicherheit zu sagen sein. 

Ad limina

Alle fünf bis sieben Jahre sind die katholischen Bischöfe aus aller Welt laut Kirchenrecht zu einem sogenannten Ad-limina-Besuch im Vatikan verpflichtet. Zweck ist, dass die Bischöfe eines Landes den Papst über die Situation in ihren Diözesen informieren. Neben den Gesprächen mit dem Papst sind Treffen in den Vatikanbehörden vorgesehen. Diese Besuche gehen auf traditionelle Reisen zu den Gräbern der Apostel Petrus und Paulus in Rom zurück, auf Lateinisch „Visitatio ad limina apostolorum“ (Besuch an den Schwellen der Apostelgräber). Daraus entstand die Kurzformel „ad limina“. Auch heute noch sind Messfeiern an den Apostelgräbern im Petersdom und Sankt Paul vor den Mauern fester Bestandteil des Besuchsprogramms. Durchschnittlich machen sich jedes Jahr rund 500 Bischöfe auf den Weg in den Vatikan. 

(KNA Ringeifel, Arens; Foto: KNA)

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