Bistumskarte

Kaffee verbindet

Äthiopische Schwestern zu Besuch im Bistum

Der diesjährige Weltmissionssonntag am 28. Oktober steht vor der Tür. Dabei rückt das Beispielland Äthiopien in den Vordergrund: der ostafrikanische Staat hat als Ursprungsland des Kaffees und alte Kulturnation mit urchristlichem Erbe starke Traditionen. Zwei Schwestern aus Äthiopien waren zu Besuch bei Bischof Dr. Gerhard Feige und im Bistum Magdeburg, um von ihrer Arbeit mit dem Volk der Menja zu berichten.

Schwester Askalemariam und Schwester Kidist aus Wush-Wush im Südwesten Äthiopiens waren auch in Halle unterwegs: „Heute heißen wir euch in unserer Heimat Äthiopien willkommen“, begrüßte Schwester Kidist die interessierten Gemeindemitglieder im Gemeindezentrum St. Marien. Der Geruch von äthiopischem Weihrauch erfüllte den Raum. Samtene, mit Pailletten verzierte Schirme erinnerten an die bunten Traditionen des Landes.

Die Schwestern berichteten von ihrer Arbeit, aber auch davon, wie sich ihre Heimat verändert und wer vom Fortschritt und dem wirtschaftlichen Aufschwung profitiert. Die äthiopische Regierung investiert in Mobilität und die Wirtschaft. Diese Investitionen reichen allerdings nicht über die Stadtgrenzen der Hauptstadt Addis Abeba hinaus. Auf dem Land herrschen mitunter archaische Strukturen.
In Äthiopien gibt es über 80 Volksgruppen, das Land ist mit 100 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Afrikas nach Nigeria. Ein Volk, das in den Wäldern der Region Keffa lebt, ist das der Menja. Im Südwesten Äthiopiens leiden dessen Angehörige unter Isolation und Armut. Dort leben und wirken die beiden Kleinen Schwestern Jesu. Seit 22 Jahren leben Schwester Kidist und Askalemariam dort und wagen eine vorsichtige Annäherung an die über Jahrhunderte ausgegrenzten und diskriminierten Menja. „Wir schenken ihnen Präsenz und Freundschaft anstatt lang zu predigen“, so die Devise der Schwestern. Immer wieder ging es um Besuche, um den Abbau von Minderwertigkeitsgefühlen. Die Menja und ihre Familien sollten sich „geliebt und gewürdigt“ fühlen. Viele der Familien können oder wollen ihre Kinder nicht zur Schule schicken. Sie sollen in den Kaffeeplantagen arbeiten oder bei der Herstellung von Holzkohle helfen. Über einen langen Zeitraum hinweg konnten sich die Schwestern vielen Anhängern des Volkes nähern und eine Kooperative gründen. Vor allem die Arbeit mit jungen Frauen ist wichtig. Viele wollen Äthiopien verlassen, um woanders zu arbeiten, oft auf illegalem Wege. Dank der Ordensschwestern stricken viele nun Decken und Pullover. Sie wollen zeigen, dass es auch in Äthiopien sinnvolle Beschäftigung gibt. Die Arbeitskraft der jungen Leute – besonders auf dem Lande – trägt zu einer gerechteren, gleichmäßigeren Entwicklung des Landes bei. Besonders, weil auch durch die Abwanderung in Städte Fachkräfte im Gesundheits- und Schulwesen in ruralen Gebieten fehlen. So sind diese Regionen vom Aufschwung Addis Abebas abgehängt.

Bischof Feige war beeindruckt von der Arbeit der Schwestern im Dorf Wush-Wush. Sie motivieren zum Schul- und Kindergartenbesuch, unterstützen beim Aufbau von Kaffeeplantagen. Aber vor allem helfen sie mit ihrem Wissen, denn oft fehlt den Leuten das Know-how zu mehr Effizienz in der Landwirtschaft. Zwar haben die meisten Leute einen Kaffeestrauch am Haus, könnten sich auf dem Markt aber oft nur eine Tasse der selbst gezogenen Bäumchen leisten. Kaffee und die Zeremonie um das koffeinhaltige Getränk sind so tief wie nichts anderes in Äthiopien verwurzelt. „Ohne Kaffee kein Leben“, erklärt Schwester Askalemariam. Beim Kaffee kommen die Leute zusammen, nähern sich an, können Gespräche vertiefen. Zum Schluss erteilt der oder die Älteste einen Segen. Abgesehen von der sozialen Bedeutung des Kaffees stellt er für Äthiopien ein wichtiges Exportprodukt dar und hat viele individuelle Bedeutungen für den Einzelnen. Das Heißgetränk kann verschieden – mit Butter, Zucker oder sogar Salz - zubereitet werden. Selbst die Kleinsten wollen schon einen Kaffeebecher halten und probieren. Während der Kaffeezeremonie und auch im Alltag nehmen Symbole eine große Rolle ein. Grünes Gras steht für Frieden und Leben. Verschiedene Blumen verschönern den Ort des Genusses und bedeuten Einheit oder Eintracht.

Maria Faber, Bistumsbeauftragte für die Abteilung Weltkirche begleitete die Kleinen Schwestern während ihrer Zeit in Sachsen-Anhalt und schloss die Runde mit den Worten: „So ist es in der Welt. Es gibt noch viel zu machen.“ (jn)

Volksstimme 4. Oktober 2018

 

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