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Über 50 Jahre Ton angebend

Chorleiter Georg Heinze aus Althaldensleben erhält die Bistumsmedaille

Nach 112 Jahren gab der Chor in Althaldensleben unter der Leitung von Georg Heinze sein Abschiedskonzert im Rahmen eines feierlichen Taufgottesdienstes. Seit 1966 hat Heinze den Chor mit viel Hingabe geführt und mit seinem Wirken sichtbar gemacht, was es bedeutet, Kirche in der Diaspora zu sein. Nun fehlen die Nachwuchskräfte.

Pfarrer Christian Kobert würdigte den Chorleiter auch in seiner Predigt: „Als Nichtmusiker bin ich immer wieder aufs Neue fasziniert, wie es den Profis gelingt, mit Hilfe so eines kleinen Stück Metalls ein ganzes Orchester oder einen kompletten Chor auf den richtigen Ton einzustimmen. Es genügt, die Stimmgabel kurz anzuschlagen, und schon kann der Dirigent durch den Kammerton A, der dann erklingt, den Musikern und Sängern ihren jeweiligen Ton geben, damit der erste Takt dann nicht in einem heillosen Durcheinander untergeht und das Stück im Lärm versinkt, sondern damit eine Melodie erklingen kann. Weit über 50 Jahre hat Georg Heinze hier den Ton angegeben und es geschafft, aus den verschiedenen Sängerinnen und Sängern unseres Chores einen Gesamtklang, eben eine Melodie, ein Lied erstehen zu lassen.“ Dass der Chor sich nach 112 Jahren auflösen muss, schmerze nicht nur ihn.

Bei all der Trauer um die Chorauflösung, gab es auch ein freudiges Ereigniss: Manuela Bollendorf wurde getauft und gefirmt und wird somit Glied dieser Kirche. „Und das gewiss nicht, weil Trauerlieder und Abgesänge so einladend und so mitreißend sind“, so Kobert. „Liebe Frau Bollendorf, nach einer Zeit der Suche, des Fragens und des Abwägens haben Sie sich bewusst dazu entschieden, ein Teil dieser Gemeinschaft zu sein. Wir alle hoffen und wünschen Ihnen und letztlich auch uns, dass Sie hier heimisch werden. Hier in der Gemeinde, in unserer Pfarrei, aber auch in der Kirche Gottes insgesamt. Und dass Sie sich einbringen - mit Ihrer Stimme, mit Ihrer Meinung, mit Ihrem Glauben, Ihrer Gotteserfahrung, mit Ihren Fähigkeiten, Stärken und Talenten.“

Zum Abschluss des Gottesdienstes überreichte Pfarrer Kobert die Bistumsmedaille an Georg Heinze und verlas das Ehrungsschreiben von Bischof Dr. Gerhard Feige:

Sehr geehrter, lieber Herr Heinze,

mit herzlichen Glück- und Segenswünschen verleihe ich Ihnen die Bistumsmedaille für Ihr langjähriges und vielfältiges Engagement.

Dieser Abend ist nicht nur für Sie, sondern für viele Menschen heute hier in Althaldensleben bewegend. 112 Jahre hat der Kirchenchor diesen Raum stimmgewaltig gefüllt, haben die Klänge des Chores viele gemeinsame Feste und Anlässe mitgetragen und begleitet. 112 Jahre – das ist eine überaus beachtliche Zeit für dieses gemeinsame Projekt, das nun zu Ende geht. Ein solches langjähriges Bestehen verdient Anerkennung und Respekt.

Mit großem Engagement und mit Hingabe haben Sie diesen Chor seit 1966 geleitet, viele Projekte und gemeinsame Aktionen angestoßen und begleitet. Nicht nur für die katholische Seite dieses Simultanbaus waren und sind Ihre musikalischen Fähigkeiten eine echte Bereicherung. Als „Simultanorganist“ – wie Sie einmal bezeichnet wurden – wirken Sie auch bei den Gottesdiensten der evangelischen Gemeinde in der gegenüberliegenden Hälfte dieser Kirche mit. Mit Ihrem Wirken machen Sie sichtbar, was es bedeutet, Kirche in einer Diaspora zu sein: Es geht nur zusammen, und das ökumenische Miteinander bereichert und beschenkt uns gegenseitig.

Für viele Menschen in Althaldensleben sind Sie eine wichtige Kontaktperson zur katholischen Kirche – gewissermaßen  das katholische Gesicht.

Seit vielen Jahren sind Sie Mitglied im Pfarrgemeinderat sowie Vorsitzender des Fördervereins der Simultankirche. Tatkräftig haben Sie die Sanierungsarbeiten vorangetrieben und damit maßgeblich dazu beigetragen, die Kirche vor dem Zerfall zu bewahren.

Nicht nur in Haldensleben sind Sie längst zu einer verlässlichen Säule geworden. Als Kantor, Organist und ehrenamtlicher Helfer bringen Sie sich auch an anderen Orten der Pfarrei aktiv mit ein.

Ihr kirchenmusikalisches Engagement reichte jahrzehntelang sogar weit über die Grenzen der Pfarrei hinaus. Für Ihre aktive Mitarbeit im diözesanen Cäcilienverband – bei der Bistumswallfahrt, bei verschiedenen Projekten sowie bei den großen Chorfahrten – haben Sie bereits verschiedene Auszeichnungen bekommen.

Ich danke Ihnen von Herzen für Ihren Einsatz in der Pfarrei und in unserem Bistum. Möge Gott Ihnen reichlich vergelten, was Sie in seinem Dienst getan, wie viel Zeit, Kraft und Glauben Sie investiert haben.

Ich wünsche Ihnen Gottes Segen und Wohlergehen.

Mit herzlichen Grüßen

Dr. Gerhard Feige
       Bischof

 

(sus; Foto: Sperling)

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