Bistumskarte

Auf der Huysburg zuhause

Er fühlte sich von Gott angesprochen und so wurde Bruder Jakobus Mönch

Wenn Bruder Jakobus über den Klosterhof geht, dann flattert sein schwarzer Habit im Wind. Habit - so nennt man das Gewand, das Ordensleute für gewöhnlich tragen. Dieses besteht aus einer Tunika als Untergewand, darüber ein Skapulier - ein schwarzes, bodenlanges Obergewand. Über den Schultern liegt die große Kapuze. "Wir haben intern eine Regelung getroffen: Wer außerhalb der Gebetszeiten die Kapuze trägt, möchte nicht angesprochen werden", sagt Bruder Jakobus. Die Sonne steht hoch über dem Kloster Huysburg im Harz. Obwohl es noch Frühjahr ist, zeigt das Thermometer schon über 20 Grad. "Das Gewand besteht aus einem Wollgemisch. Wenn es sehr warm ist, trage ich kurze Hosen und T-Shirt darunter."

Stoffe interessieren den Benediktinermönch. "Ich habe ein Faible für Textilien", sagt er. Viele Jahre ist es her, da habe er eine Ausbildung zum Paramentensticker absolviert - ein Handwerk, das nur noch wenige beherrschen. Paramente sind Textilien, die im Gottesdienst gebraucht werden: liturgische Gewänder für Priester, Diakone und Messdiener, Tücher mit denen Altar und Taufbecken, Kanzel und Kelch geschmückt werden. Eine Lehrwerkstatt, geführt von Franziskanerinnen in Bad Honnef am Rhein war sein Ausbildungsbetrieb. "Dort war ich der einzige Mann unter 15 Lehrlingen." Nach den zwei Lehrjahren entschied er sich, in ein Benediktinerkloster einzutreten. Das war im Jahr 1991. „Die Zeit vor dem Eintritt (Kandidatur) verbringt man  noch in der eigenen Wohnung und geht einer Arbeit außerhalb des Klosterlebens nach. Durch regelmäßige Besuche im Kloster können beide Seiten prüfen, ob ein Eintritt sinnvoll ist.“

Auf der Huysburg herrscht reges Treiben. Eine Reisegruppe verlässt gerade das Gästehaus, das dieser Tage gut frequentiert ist. „Es gibt viele Gruppen, die regelmäßig zu uns kommen – um zu arbeiten, aber auch um zu beten und inne zu halten.“ Das Jahr über lädt die Huysburg immer wieder zu Veranstaltungen oder Themenwochen ein. Konzerte, besondere kulinarische Ereignisse, aber auch Fastenkurse oder Besinnungstage werden angeboten. „Ich bin Geistlicher Leiter des Gästehauses, da heißt es vor allem Seminare und Kurse zu organisieren, aber auch immer wieder für einzelne Gäste da zu sein“, beschreibt Bruder Jakobus seine Aufgaben in der Gemeinschaft. Die praktische Organisation des hotelartig geführten Gästehauses läge dagegen in den Händen bewährter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Er stammt aus einer christlich geprägten Familie aus dem Rhein-Main-Gebiet. Obertsausen heißt der kleine Ort in Hessen. Kirchliches Engagement gehörte in der Familie von Anfang an dazu. „Wir waren immer aktiv in der Kirchengemeinde, der Kinder- und Jugendarbeit und haben uns darüber hinaus für das kirchliche Leben interessiert." Besonders beeindruckt habe ihn seinerzeit die Seligsprechung der Philosophin und Ordensfrau Edith Stein 1987 in Köln durch Papst Johannes Paul II. Aufenthalte bei den Karmelitinnen in Burgund hätten ihm erste Klostererfahrungen beschert und die Idee in ihm reifen lassen. "So einen Lebensentwurf konnte ich mir für mein Leben sehr gut vorstellen." Dass es die Karmeliten für ihn dann doch nicht wurden, entschied sich während eines einwöchigen Praktikums in Bayern: „Das war es irgendwie nicht, aber die Idee vom Klosterleben hat mich trotzdem nicht wieder losgelassen.“

Es ist Zeit für das Mittagsgebet. Mehrmals täglich treffen sich die Mönche in der prächtigen Klosterkirche St. Benedikt. Um 6 Uhr beginnt der Tag mit der Vigil, einem Stundengebet, das in den frühen Morgenstunden gehalten wird. Der Begriff leitet sich vom lateinischen Wort vigilia ab und bedeutet so viel wie Nacht-Wache. Es folgt um 7.30 Uhr das Morgenlob, mittags ein Gebet vor dem gemeinsamen Essen und um 17.30 Uhr die Eucharistiefeier - ein Gottesdienst mit der Feier der Gegenwart Jesu Christi in Brot und Wein. Der Tag schließt um 19.30 Uhr mit der sogenannten Komplet - der abschließenden Gebetszeit des Tages. Die Zeit bis zur Bettruhe verbringt Bruder Jakobus entweder am Schreibtisch, im Gespräch mit Gästen oder mit einem Buch. „Es gibt immer recht viel zu tun: Buchungsanfragen, Abrechnungen, Organisation und Konzeption von Veranstaltungen und Gottesdiensten.“ 

Die Mahlzeiten der Mönche werden schweigend eingenommen. Ein großes Panoramafenster erlaubt den Blick aus dem Refektorium – dem Speisesaal - hinaus in die wunderschöne Harzlandschaft. Im Hintergrund läuft klassische Musik. Serviert wird ein Drei-Gang-Menü. „In der Woche nach Ostern wird etwas üppiger aufgetafelt“, erzählt mir Bruder Jakobus im Anschluss. „Normalerweise geht es einfacher zu.“

Auf die Frage nach der Motivation seines Eintritts ins Kloster, stellt Bruder Jakobus mir eine Gegenfrage: „Sind sie verheiratet? Warum haben sie denn ihren Mann geheiratet?“ Dieses Gefühl des Angesprochenseins war es, das irgendwann über ihn gekommen sei. Da habe er gespürt, dass er sein Leben Gott widmen möchte, sein Leben ganz in die Gottesbeziehung hineinzugeben. “Ich hatte mit 17 eine Freundin, von der ich mich dann getrennt habe. Für sie war es schwerer als für mich.“ Freunde und Familie haben mit sehr viel Verständnis reagiert. "Die haben mich allesamt bestärkt - unter der Voraussetzung, dass es das ist, was ich will." Dafür ist Jakobus besonders seinen Eltern bis heute sehr dankbar. "Für sie war immer am wichtigsten, dass es mir gut geht." 

So haben sie auch die Zeit des Noviziats  im Kloster in Trier hingenommen - obwohl sie ihren Sohn ein Jahr lang nicht sehen konnten. "Beim Noviziat handelt es sich um eine Zeit der Einführung in das Leben als Mönch und der Prüfung der Eignung für das Gemeinschaftsleben. Man wird eingekleidet und lebt von diesem Zeitpunkt an im Kloster. Deshalb ist das Noviziat eine Zeit deutlicher Zurückgezogenheit und Sammlung", beschreibt der 52-Jährige. Wenn die Gemeinschaft der Brüder dann zustimmt, verpflichtet sich der neue danach zunächst für drei Jahre zum Leben als Mönch - diese Zeit wird als Triennat  bezeichnet. Erst danach folgt die Entscheidung über die Widmung des ganzen Lebens an Jesus Christus (Feierliche Profess). „Meine zweite Profess war am 2. April 1995 in Trier.“ Diese sei eine Art Bestätigung, die in einem sonntäglichen Festgottesdienst stattfindet und zu der viele Gäste kommen. „Auch die Brüder müssen dabei noch einmal ihre Zustimmung geben.“

Sein Studium hat Bruder Jakobus in Trier absolviert, wo er seinerzeit auch in der Abtei lebte: Kunstgeschichte, Theologie und Archäologie. „Bis zum ersten Abschluss hat es ganze 14 Semester gedauert“, verrät er und lacht. Im Anschluss an das Studium konnte er am Landesmuseum in Trier ein Volontariat absolvieren. Es folgte - aus Mangel an Alternativen - die Promotion. „Ich bekam ein Stipendium und konnte an der Universität in Mainz meine Doktorarbeit schreiben“, erzählt Bruder Jakobus, der mit zivilrechtlichem Namen demnach Dr. Clemens Wilhelm heißt. „Das war in den Jahren 2002 bis 2005.“ Währenddessen kam es zur kirchenrechtlichen Fusion der Abtei in Trier und der Mönchsgemeinschaft auf der Huysburg, die fortan zusammengehörten. Im Frühjahr 2005 war Bruder Jakobus daher zunächst für drei Monate im Harz, bevor er Ende des Jahres ganz nach Sachsen-Anhalt wechselte. „Eigentlich sollte ich nur für zwei Jahre bleiben, aber daraus sind nun schon fast 15 geworden.“ Er sei jetzt hier verwurzelt und schätze die Gemeinschaft der Brüder sehr.

Beim Spaziergang um das Kloster spürt man die Nähe zur Natur. Fernab vom Stadtlärm zwitschern unzählige Vogelarten, Bienen summen und nur der eigene Schritt erzeugt ein Geräusch von knirschenden Steinen und knackenden Zweigen. Dass man sich hier auch selbst ein Stück näher kommt - die Erfahrung machen immer mehr Gäste des Hauses. „Spiritualität hat für viele Menschen eine große Bedeutung. Das sind nicht alles Christen, die hier zu uns kommen.“ Vielmehr sei es der Wunsch nach Besinnung, nach dem Gefühl für den Augenblick, der viele Menschen neuerdings ins Kloster führt. Darauf hat auch die Huysburg reagiert und bietet ihren Gästen das ganze Jahr über wechselnde Veranstaltungen und Kurse an. Darüber hinaus sind Einzelne und Gruppen stets willkommen. Informieren kann man sich dazu auf den Internetseiten des Klosters unter www.huysburg.de

Bernadette Olma/Foto: Olma

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