Bistumskarte

Mutmacher Nachhilfeunterricht

Auch in Togo sorgt der Covid-19 für große Sorgen

Pfarrer Ronald Kudla schreibt aus seiner Gemeinde Solla in Togo: „Es war an dem Tag, als alle Deutschen Togo verlassen sollten, als ich das erste Mal ein mulmiges Gefühl im Bauch bekam. Das mit der Corona-Pandemie kann auch bei uns hier eintreffen. Trotzdem, ich bleibe hier! Dann, als am 20. März die Kirchen und Schulen geschlossen wurden, bekam ich sowas wie panische Angst. Einige Tage vorher war von einer Afrika-Abteilung der UNO und der WHO verkündet worden, dass es bis zu 2 Millionen Tote in Afrika geben wird. Das läge an den schlechten hygienischen Bedingungen und dem morbiden Gesundheitssystem auf dem Kontinent.

Bis jetzt ist es bei 3100 Toten geblieben. Dank sei Gott! An großer Hygiene oder penibler Beachtung der Schutzmaßnahmen kann es nicht liegen, wenn ich zum Beispiel an die großen Wochenmärkte denke, auf denen sich fast jeden Tag viele Menschen versammeln oder an die üblichen Gedächtnisfeiern und anderen religiösen Kulte, die kaum unterbunden werden. Eigentlich halten sich nur Kirchen und Moscheen einigermaßen an das Versammlungsverbot.

Ende März mobilisierten wir hier in der Pfarrei Solla alles, um wenigstens Informationen unter das Volk zu bringen. Fernsehen oder Internet hat hier kaum jemand, selbst Radios finden sich nicht überall. So zogen Jugendliche der Pfarrei mit den Megaphonen von Haus zu Haus, immer einen Packen im Dorf geschneiderter Masken dabei.

In Ländern, in denen die Menschen von der Hand in den Mund leben und ein Sozialsystem praktisch nicht existiert, bringen die Maßnahmen zur Eindämmung von COVID 19 echte Not. Im Bildungssystem, das der größte Arbeitgeber ist, arbeiten etwa ein Drittel der Lehrer ohne Vertrag und bekommen nur Geld, wenn sie unterrichten. Vor allem aus den Städten erreichen uns Hilferufe. "Zuerst sterben wir an der Angst, dann am Hunger und zuletzt erst an Corona", hörte ich einen Mann sagen, als ich einmal vor der Bank mit Mundschutz und Mindestabstand Schlange stehen musste.

Vor allem die Schüler machen uns Sorgen. Obwohl in Ländern mit höheren Corona-Zahlen die Schulen langsam wieder offenen (Burkina Faso, Elfenbeinküste), hüllt sich die Togolesischen Regierung bis jetzt (Ende Mai) in Schweigen. Schon unter normalen Bedingungen brechen viele die Schule ab und wandern aus. Seit drei Wochen gibt es deshalb Nachhilfeunterricht in kleinen Gruppen auf dem Pfarrgelände, so kann wenigstens Mut gemacht und das COVID19-Loch ausgefüllt werden.

Da die Kirchen geschlossen sind, müssen meine Mitarbeiter und ich viele Familien und kleine Gruppen besuchen. Neben all den Belehrungskampagnen finde ich es wichtig, Glauben zu stärken. Ich bin sicher, dass dieser auch ein Faktor, im Kampf gegen die Krankheit ist. Manchmal feiern wir auch eine kleine Heilige Messe im Freien unter einem schattenspendenden Mangobau, neben einer halb zerfallenen Hütte und stellen fest, dass der Coronavirus uns hilft, unsere Armut zu erkennen und die viel größere "Kathedrale", die der Herr uns seit Beginn der Schöpfung gebaut hat. 

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