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Ehe ist kein Projekt auf Zeit

Pontifikalamt zur Segnung der Ehejubilare in der Kathedrale St. Sebastian

„Vor fünfzig oder mehr Jahren haben Sie sich vor den Menschen, die ihnen wichtig sind, und vor Gott das Versprechen gegeben, einander anzunehmen, in guten und in schlechten Tagen. Ist es nicht waghalsig, so etwas zu versprechen?“, fragte Bischof Dr. Gerhard Feige die in der Kathedrale St. Sebastian versammelten Ehepaare, die in diesem Jahr ihre Golde, Diamantene, Eiserne oder gar Gnadenhochzeit gefeiert haben. 80 Paare hatten sich zu zwei Gottesdiensten eingefunden, darunter zwei Paare, die vor 69 Jahren und ein Paar das vor 72 Jahre geheiratet haben, um Dank zu sagen und um Gottes Segen zu bitten.

„Kann man denn das Leben so weit im Voraus planen? Heute erscheint ein solches lebenslanges Konzept fast schon aus der Zeit gefallen. Wenn Menschen überhaupt noch heiraten, entsteht manchmal der Eindruck, dass es eher ein Versprechen auf Zeit ist, ein Versprechen, dass zu dem Zeitpunkt sicher ganz ernst gemeint ist, bei dem es aber auch sein kann und darf, dass es irgendwann nicht mehr stimmt“, so der Bischof in seiner Predigt. „Für Sie, liebe Jubelpaare, war die Idee, das Leben miteinander zu verbringen, offensichtlich kein Projekt auf Zeit. Sicherlich haben Sie aber so manche schwierige Zeit und manche Krise durchstehen müssen: Krankheiten und Schicksalsschläge, vielleicht auch persönliche Enttäuschungen in Ihrer Ehe. Und trotzdem haben Sie an dem ‚Ja‘, das Sie einander zugesprochen haben, festgehalten.“

Wer liebe, sei nicht auf den eigenen Vorteil bedacht, sondern darauf, dass das Gegenüber wachsen und immer mehr er oder sie selbst werden könne, so der Bischof. „Ich bin davon überzeugt, dass unser christliches Eheverständnis im Grunde auf die tiefste Sehnsucht der Menschen antwortet, auch auf die Sehnsucht junger Menschen. Das Versprechen, für immer füreinander da zu sein, ist viel mehr als eine Verpflichtung, viel mehr als eine Tradition.“

Vor so viel geballter Lebenserfahrung in den Bänken der Kathedrale dankte der Bischof den Jubilaren für das Zeugnis ihres Lebens. „Wir danken dafür, dass Sie durch Ihre Liebe und Treue anderen Menschen – vor allem auch Ihren Kindern und Enkeln – ein bergendes Zuhause geschenkt haben und schenken. Gemeinsam mit Ihnen danken wir aber auch all denen, die Ihnen diesen Weg ermöglicht und Sie unterstützt und begleitet haben. Danken wollen wir aber vor allem Gott, der Sie bisher begleitet hat. Mögen Sie erfahren, dass er auch dann an Ihrer Seite ist, wenn Ihre Kräfte schwinden, wenn die Last des Alters immer größer wird. Und möge Gott Ihnen all das Gute, das Sie gewirkt haben, dereinst in Fülle vergelten.“

An den Trompeten begeisterten Marie-Therese Finkler, Ulrich Neumann (am Vormittag) und Günter Schaumberger sowie Kathedralmusiker Matthias Mück an der Orgel, mit ihrer festlichen musikalischen Gestaltung des Segnungsgottesdienstes.

(sus; Fotos: Sperling)

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