Bistumskarte

Gott ein Gesicht geben

Einführungsgottesdienst für den neuen Kathedralpfarrer Daniel Rudloff

Mit einem feierlichen Gottesdienst wurde der neue Kathedralpfarrer Daniel Rudloff in der Kathedrale St. Sebastian in Magdeburg eingeführt. Rudloff, der seit 2011 zunächst als Vikar und ab 2015 Pfarrer in Merseburg war, übernimmt die Pfarrei St. Sebastian und als Administrator die Pfarrei St. Marien in Magdeburg. Neu im Team sind auch Vikar Dr. Jürgen Wolff und der Gemeindereferent Stefan Zeiler.

„Was kommt da auf Sie, lieber Herr Pfarrer Rudloff, zu? Worauf dürfen Sie sich freuen? Welche Zumutungen oder Erwartungen aber verbinden sich auch damit?“, fragte Bischof Dr. Gerhard Feige in der Predigt. „Viel wird von Seelsorgern erwartet, manchmal auch zu viel. Am besten sollten sie eine Mischung unterschiedlichster Berufe sein: vom Verwaltungsleiter, Bauherren, Denkmalschützer, Manager und Politiker bis zum Lehrer, Sozialarbeiter, Psychologen und Unterhaltungskünstler.“ Noch dazu an der Kathedrale, dem Sitz des Bischofs, denn „hier trifft sich nicht nur die ansässige Gemeinde, hierher kommen auch andere Magdeburger oder Auswärtige, Gläubige aus unserem Bistum und darüber hinaus, Gäste und Touristen aus dem In- und Ausland.“ Gerade hier träfen auch Immer wieder unterschiedliche Voraussetzungen und Erwartungen aufeinander, gibt es auch Spannungen und Enttäuschungen. „Man kann diese Multifunktionalität der Kirche St. Sebastian als schwierig oder sogar als belastend beklagen, man könnte sie aber auch als Chance begreifen, um miteinander konkret etwas von dem Wirklichkeit werden zu lassen, was wir uns ja bei unserem Pastoralen Zukunftsgespräch auf die Fahne geschrieben haben: „Wir wagen den Aufbruch. Wir wollen eine Kirche sein, die sich nicht selbst genügt, sondern allen Menschen Anteil an der Hoffnung gibt, die uns in Jesus Christus geschenkt ist“, so der Bischof.

Was aber mache das besondere des Pfarrers aus, fragt der Bischof weiter. „Bis vor einigen Jahrzehnten sah das in der Regel so aus, dass der Pfarrer die meisten Mitglieder seiner Pfarrei persönlich kannte. Die Pfarrei war wie eine große Familie mit ihrem Pfarrer als einer zentralen Leitfigur. Dieses Bild hat sich inzwischen doch sehr gewandelt. Ein Pfarrer kann nicht all das weiterführen, wofür einmal – wie im Fall unserer jetzigen Kathedralpfarrei und der Pfarrei St. Maria – sechs Pfarrer zuständig waren. Andererseits sind neue Akzente zu setzen, um den veränderten Herausforderungen gerecht zu werden und lebensfähig beziehungsweise lebendig in Erscheinung treten zu können: als Pfarreien und auch als „Kirche vor Ort“.“

Geändert habe sich  vor allem auch das Verständnis vom Hirtendienst eines Pfarrers. „Schon Papst Benedikt XVI. sprach 2009 von einer „Änderung der Mentalität“ und forderte dazu auf, dass alle Gläubigen „mitverantwortlich sind für Sein und Handeln der Kirche“.  Leitung kann dann letztlich „auch nur gemeinschaftlich wahrgenommen werden“.  Das aber bedeutet für den Leitungsdienst des Pfarrers, sich vor allem darum zu bemühen, dass die Getauften ihre Berufung erkennen und aus ihr leben können“, so Feige.

Viel Mut, Fantasie und Überzeugungskraft seien nötig, um zukunftsweisende Lösungen für die Entwicklung der Pfarreien mit ihrem christlichen Auftrag in der heutigen Zeit zu finden. „Lieber Herr Kathedralpfarrer, mögen Sie sich nun mit den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen sowie allen, die sich vielfältig einbringen, mutig und gelassen dem stellen, wozu Sie berufen und beauftragt sind. Seien Sie – wie ein Franziskaner den Dienst der Leitung einmal umschrieben hat – ein „Liebhaber des Lebens, der Welt und der Menschen“, denn – so schreibt er – „die eigentliche Kraft und Stärke der Führung liegt in dieser Liebe“.  Von Herzen wünsche ich Ihnen dazu Gottes Segen!“

Ganz herzlich begrüßt wurden Pfarrer Rudloff und seine Neuen im Team auch von der Vorsitzenden des Pfarrgemeinderates, Ulrike Hachenberg. „Wir sind voller Neugier und Erwartungen wie unsere Zukunft aussehen wird. Ich zitiere nochmal einen Satz den Sie schon kennen: Ich interessiere mich sehr für die Zukunft, denn ich werde den Rest meines Lebens damit verbringen.“ Ein Neubeginn sei immer auch eine Chance etwas neu zu gestalten. „Das ist mühsam und da braucht es Geduld, Zuspruch und positives Denken.“  Auch wenn man nicht einfach Christen aus dem Hut zaubern und Dinge, die uns nicht gefallen verschwinden lassen könne, so gelte es gemeinsam etwas zu tun. „Wir brauchen tatsächliche Veränderungen und neue, kreative Ansätze ohne Denkverbote.“

Auch solle sich Pfarrer Rudloff nicht zu viel Gedanken über eventuelle Schwierigkeiten machen. „Pfarrer fürchten sich manchmal vor Laien, den frommen und rebellischen Gemeindemitgliedern, und vergessen ganz, dass sie Gott auf ihrer Seite haben!“, so Hachenberg.  „Wir sind doch alle - Männer und Frauen - die für eine starke Kirche leben und sich für die Herzensangelegenheiten des Glaubens engagieren.“

Kathedralpfarrer Daniel Rudloff bedankte sich für die herzliche Begrüßung und das in ihn gesetzte Vertrauen. „Mit gespannter Vorfreude sehe ich das Vertrauen, mit dem man ganz viel bewegen kann“, so der 45jährige gebürtige Bernburger. „Auf jeden Fall will ich mich bemühen, in den beiden mir anvertrauten Gemeinden, Gott ein Gesicht zu geben!“.

Musikalisch wurde der Gottesdienst von Kathedralmusiker Matthias Mück gestaltet, an der Trompete spielte Günter Schaumberger.

Nach dem unter Corona-Bedingungen bis auf den letzten Platz gefüllten Gottesdienst, fand auf dem Vorplatz der Kathedrale ein kurzes Kennenlernen statt. Bei schönstem Wetter fühlte es sich schon fast wieder „normal“ an.

Predigt von Bischof Dr. Gerhard Feige zum Download

(sus; Fotos: Sperling)

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