Bistumskarte

Gott läßt dieses Land nicht los

Festakt mit Zeitzeugen und Konzert zu 25 Jahre Bistum Magdeburg

Die Feierlichkeiten zum 25 jährigen Bistumsjubiläum haben mit einem Festakt in der Kathedrale St. Sebastian begonnen. An der Veranstaltung nahmen zahlreiche prominente Gäste aus Kirche und Politik teil, unter ihnen Nuntius Erzbischof Nikola Eterovic, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz,  Reinhard Kardinal Marx, die evangelische Landesbischöfin Ilse Junkermann und Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch. Wie schon zur Bistumsgründung spielten die Magdeburger Philharmoniker im Konzertteil Stücke von Georg Friedrich Händel.

Bischof Dr.  Gerhard Feige rief bei der Feier dazu auf, trotz sinkender Kirchenmitgliederzahlen „couragiert in die Zukunft“ zu schauen und mehr Eigenverantwortung zu übernehmen. Der Fall der Mauer vor 30 Jahren habe dem Osten und auch den dort lebenden Christen die Freiheit gebracht, betonte Feige. Dies verpflichte dazu, „selbst Verantwortung zu übernehmen. Schließlich sind wir nicht nur von etwas befreit worden sondern auch für etwas“, erklärte er. Freiheit berge Risiken in sich, erfordere Mut und Elan und müsse gestaltet werden. Dazu gehöre auch, „nicht alles von anderen zu erwarten, von einem Obrigkeits- und Versorgungsstaat oder auch einer sogenannten Amtskirche“.

Stattdessen gehe es darum, „schöpferische Minderheit“ zu sein, so Feige weiter. In Zukunft werde „Kirche nicht mehr nur da existieren, wo ein Priester zur Verfügung steht und sie organisiert, sondern auch und vor allem da, wo 'ganz normale' Christen selbst dafür einstehen und sie gestalten“, hob er hervor. Es sei eine Illusion, zu glauben, dass „Kirche immer so sein muss, wie sie jahrzehntelang bei uns war“.

Moderatorin Mechthild Baus bat während des Festaktes auch Zeitzeugen auf die Bühne, unter ihnen der emeritierte Bischof von Magdeburg, Leo Nowak, Monika Lazar, und Stefan Rether. Gemeindereferentin Monika Lazar erinnerte sich an eine völlig „verrückte“ Zeit, in der sie über Nacht  Diözesan-Vorsitzende des BDKJ wurde. Die Aufbruchstimmung der Gründungsjahre war für sie der Auftrag, „nicht ein Museum zu hüten, sondern einen blühenden Garten zu bestellen.“ Bischof Leo Nowak  wünscht sich eine bejahende Haltung von Christen in einer Minderheitensituation. „Ich begreife es als Chance, Menschen, die ich schätze, die mit mir unterwegs sind, aber meinen Glauben nicht teilen, zu vermitteln, dass Religion ein Lebenselixier ist. Der Glaube an Gott kann Menschen Mut zum Leben machen.“ Es gelte, „Ja“ zu sagen zu der Diasporasituation und „nicht davon zu träumen, dass wie früher alle Menschen kirchlich gebunden sind“, so der 90-Jährige weiter. „Wenn die Talsohle durchschritten ist, werden wir Religion unter neuen Vorzeichen buchstabieren.“ Gott lasse dieses Land nicht los.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard  Kardinal Marx, betonte, dass der Osten Deutschlands auch künftig den „unentbehrlichen Beitrag“ der Christen benötige. Ohne den christlichen Glauben und christliche Werte wäre die Gesellschaft „ärmer“. Es brauche Menschen, die die Freiheit schützen, „durch Solidarität und Verantwortung“.

Der Papst-Botschafter in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterovic, wies darauf hin, dass gerade Christen in einer Minderheitensituation wie im Bistum Magdeburg einen besonderen Auftrag zur Evangelisierung hätten. Mit ihrer letzten Amtshandlung dankte die scheidende mitteldeutsche Landesbischöfin Ilse Junkermann für die tiefe ökumenische Verbundenheit seit der Bistumsgründung vor 25 Jahren. Sachsen-Anhalts Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch würdigte „den Mut, die Kreativität und Zuversicht der Kirche für den unverzichtbaren Dienst an den Menschen und der Gesellschaft in Sachsen-Anhalt“.

Weihbischof Hubert Berenbrinker überbrachte die Glück- und Segenswünsche des Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker. Er freue sich über die langjährige Partnerschaft und Freunschaft zwischen beiden Bistümern. „Als Paderborner können wir noch viel von der „qualifizierten Minderheit“ lernen und auch umgekehrt.“

Der emeritierte Erfurter Kirchenhistoriker und ehemaliger Professorenkollege von Bischof Feige, Josef Pilvousek begrüßte in seinem Festvortrag die Entscheidung des Bistums zur Selbstständigkeit vor 25 Jahren. Damit habe die Kirche „manche überhasteten Entscheidungen des Einigungsprozesses auf staatlich-gesellschaftlicher Ebene nicht wiederholt. So wurden der Eigenwert der ostdeutschen Kirchengeschichte und die damit verbundene Lebensleistung der hier lebenden Christen anerkannt.“

Auch die jährliche Wallfahrt des Bistums am Sonntag , 1. September auf der Huysburg steht im Zeichen der Bistumsgründung vor 25 Jahren.

(sus/kna)

Rede Bischof Dr.Gerhard Feige
Grußwort Reinhard Kardinal Marx, Vorsitzender der DBK

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