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Himmel und Erde

Vielfältiges Programm beim Frauenfest 2022 im Kloster Helfta

Dass sie den Himmel und die Erde in sich tragen, feierten die rund 200 Teilnehmerinnen des 27. Frauenfestes des Bistums Magdeburg und des Diözesanverbandes der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) am 25. Juni im Kloster Helfta.

Das Motto des Tages „Du hast in dir den Himmel und die Erde“ stammt von Hildegard von Bingen. „Der Himmel steht für die Freiheit, die Erde gibt Halt, wenn der Verlust der Bodenhaftung droht“, erläuterte Bettina Albrecht, Referentin im Fachbereich Pastoral im Bistum Magdeburg, in ihrer Eröffnung. Eine Tanzdarbietung stimmte die Frauen dann auf die Suche nach Himmel und Erde an diesem Tag ein.

Dabei brachte Annette Esser, die einen Pilgerwanderführer auf den Spuren von Hildegard von Bingen an Rhein und Nahe geschrieben hat, den Teilnehmerinnen die Visionen der Heiligen näher. Sie lud die Frauen ein, dem Gedicht „O Kraft der Weisheit“ mit Bewegungen zu folgen. „Drei Flügel hast du: In die Höhe empor schwingt der eine, auf der Erde müht sich der zweite, und allüberall schwingt der dritte.“

Beflügelt gab es dann Gelegenheit, bei schöpferischer Hitze für das leibliche und seelische Wohl zu sorgen. Dafür konnten die Frauen sich verschiedener Kreativangebote und Körperübungen bedienen und waren eingeladen zu geistlichen Gesprächen, Momenten der Stille in der Gertrudkapelle oder zum Lauschen auf Harfenklänge im lebendigen Labyrinth des Klostergartens.

Außerdem konnten sie den Spuren der Mystikerinnen Gertrud von Helfta, Mechthild von Magdeburg und Mechthild von Hackeborn bei einer Klosterführung folgen oder an Workshops teilnehmen. Dabei ging es unter dem Motto „Stimmig auftreten“ mit Logopädin Debora Diehl darum, mit Haltungsübungen eine bequeme Stimmlage zu finden.

Und bei einem Podiumsgespräch teilten Annette Esser, Professorin Agnes Wuckelt und Friederike Maier, Fachbereichsleiterin Pastoral im Bistum, ihre Erfahrungen mit Geschlechtergerechtigkeit in der katholischen Kirche. Sie waren sich einig, dass Frauen zwar inzwischen wichtige Ämter besetzten, es aber trotz Berufung an ihrer Sichtbarkeit in der Liturgie mangele. Es gelte, angesichts „anhaltender Diskriminierung“ nicht zu verzweifeln, sondern gestärkt durch das Vorbild von Heiligen, wie Teresa von Ávila oder Hildegard von Bingen, mutig Freiräume zu nutzen.

Dr. Friederike Maier und Agnes Wuckelt gaben als Synodale im Forum „Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“ auch Einblicke in die Entwicklungen beim Synodalen Weg. Dabei machten sie die Bedeutung der Diskussionen in Deutschland für die Weltkirche bewusst, denn in vielen Ländern folge man diesen mit hoffnungsvollem Interesse. „Die Rückmeldungen aus aller Welt machen Mut weiterzugehen, denn es hat sich im Synodalen Weg ein Fenster aufgetan“, so Agnes Wuckelt.

In der abschließenden Eucharistiefeier mit Bischof Dr. Gerhard Feige hatten die Teilnehmerinnen Gelegenheit, die Ernte des Tages einzufahren. Friederike Maier lenkte den Blick in ihrer Predigt auf Maria bei Jesu Besuch in Bethanien. Dabei betonte sie den Mut, ihre Liebe zu zeigen und Jesus entgegen der gesellschaftlichen Konventionen und trotz aller Kritik zu dienen, ohne Furcht, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Anschließend predigte der Bischof über die Heilige Hildegard von Bingen, die den Menschen die Fähigkeit zuspricht, Gutes zu tun, aber auch sich dem Bösen hinzugeben. Das gilt es realistisch wahrzunehmen; sollte aber nicht gleichgültig hingenommen werden. Darum sieht Hildegard die Herausforderung des Menschen zu jeder Zeit darin, sich zu entscheiden und dabei natürlich dem Guten den Vorzug vor dem Bösen zu geben. Das Motto des Frauenfestes von Hildegard „Du hast in dir den Himmel und die Erde“ lässt auch erahnen, so der Bischof wie groß die Herausforderungen seien, denen wir uns immer wieder zu stellen haben, mit welcher Fülle aber auch jede und jeder von uns ausgestattet sei.

Die Teilnehmerinnen genossen nach der Zeit der Kontaktbeschränkungen die Möglichkeit, wieder zusammenzukommen: „Ich finde es faszinierend, was Frauen trotz des Gegenwinds in der katholischen Kirche auf die Beine stellen“, so Marion Weise aus Halle. „Das Klostergelände lädt förmlich dazu ein, sich Zeit zu nehmen, die Seele baumeln zu lassen und zur Ruhe zu finden“, ergänzt ihre Begleiterin Monika Klamt.

VON SILVIA FUNKE (Tag des Herrn; Fotos: Mehran Sadatkiaei)

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