Bistumskarte

Herzen für das Christsein entflammen

60. Kinderwallfahrt des Bistums Magdeburg

Zum 60. Mal haben sich in diesen Tagen etwa 1000 Mädchen und Jungen im Gebiet des heutigen Bistums Magdeburg zur Kinderwallfahrt getroffen. In der Lutherstadt Wittenberg, auf der Huysburg und im Jugendzentrum in Roßbach unter dem Thema „Gottes Liebe geht auf über dir.“ Natürlich durfte auch das Geburtstagsständchen für den Leiter der Arbeitsstelle Kinderpastoral und Organisator der Kinderwallfahrten, Matthias Slowik, nicht fehlen.

Am 12. Juli 1960 waren erstmals Kinder, ihre Mütter und Seelsorger zu einer Wallfahrt zur Mutter Gottes zur Huysburg eingeladen. Erinnern konnte sich Bischof Dr. Gerhard Feige noch daran, wie er den jungen Wallfahrerinnen und Wallfahrern erzählte, aber teilnehmen durfte er nicht, denn er war noch keine zehn Jahre alt, das Mindestalter damals.

Auch wenn es in diesem Sommer viel kühler war als in den vergangenen Jahren, so hoffte der Bischof, dass die Herzen der jungen Pilger für das Christsein entflammen. “Auf diesen Wallfahrten können wir Gemeinschaft erfahren – untereinander, aber auch mit Gott”, so der Bischof. Um das Evangelium über die beiden Brüder Johannes und Jakobus auf die heutige Zeit zu übertragen, beschrieb der Bischof das Verhalten der Beiden mit Jugendlichen heute, etwa wenn sie Film- oder Sportstars treffen und dann gleich ein Selfie mit der Prominenz machen würden.

Auch wenn Johannes und Jakobus gern im Mittelpunkt standen, so haben sie von Jesus gelernt. “Wenn auch wir lernen könnten, freundlicher zu sein. Wenn Gewalt und Hass weniger werden, könnte unsere Welt etwas besser werden.” Der Bischof wünschte den Wallfahrern eine gute Gemeinschaft und die Möglichkeit, Gottes Liebe auch in ihrem Leben sichtbar machen zu können.

Kinderseelsorger Slowik ist überzeugt, dass dieser Wunsch des Bischofs schon immer ein Anliegen der Wallfahrten war. “Die Kinderwallfahrten wie auch die 1961 per Beschluss der Bischöfe DDR-weit eingeführten RKW werden zu Möglichkeiten für die Mädchen und Jungen, Gemeinschaft, Freude am Glauben zu erfahren und Sinn für das eigene Leben zu finden.” In gewisser Weise seien die RKW „zu einem Geschenk der SED für die katholischen Kinder“ geworden. „Weil der Staat Druck machte, haben die damals Verantwortlichen diese Möglichkeiten geschaffen, die im Rahmen der von der Verfassung gewährten Religionsfreiheit toleriert wurden.“ Viel später, Anfang der 1990er Jahre habe die letzte Leiterin des Katechetischen Amtes, Marianne Werner, einmal resümiert: „Ohne die Religiösen Kinderwochen hätte die Kirche in der DDR nicht überlebt.“

„Ich bewundere die Weitsicht, die die Verantwortlichen damals hatten“, sagt Kinderseelsorger Matthias Slowik. „Seelsorgeamtsleiter Hugo Aufderbeck und Vikar Claus Herold war bewusst, dass die staatlichen Machthaber die Lebenszeit von Kindern und Erwachsenen zunehmend mit der sozialistischen Ideologie in Beschlag zu nehmen suchten. Zudem durfte in der Schule kein Religonsunterricht mehr stattfinden, so dass Kirche im Lebensraum Schule nicht mehr präsent war. Für Aufderbeck und Herold war damit klar: Wir brauchen Erfahrungsräume für Kinder, in denen sie ihr Getauftsein unter Gleichgesinnten entwickeln und ihr Christsein einüben können.“

„Was damals galt, gilt auch heute“, fährt Slowik fort: „Wer Christ werden und in der Diaspora sein will, braucht einen Raum des Vertrauens, in dem er sich mit getauften Gleichgesinnten öffnen kann für das, was in jedem Menschen lebt. Er braucht einen Schutzraum dafür, mit Gott in Kommunikation treten zu können durch Stille, Gebet, Liturgie und die Erfahrung lebendiger Gemeinschaft, die spürbar werden lässt: Ich bin nicht allein. Die anderen geben mir Kraft.“ In der DDR habe diese Erkenntnis im übrigen „nicht nur eine ekklesiologische (kirchenbildende) Bedeutung, sondern auch eine oppositionelle Komponente“ gehabt.

Matthias Slowik ist seit 2004 für die Kinderwallfahrten verantwortlich. Jahr für Jahr bereitet der Kinderseelsorger die Wallfahrten über mehrere Wochenenden hinweg mit einem Team von Jugendlichen und erfahrenen Erwachsenen intensiv vor und führt sie dann mit den Kindergruppen zum Ferienbeginn durch.

(sus/Eckhard Pohl | Fotos: Gregor Heeg, Marvin Bobardt, Konstantin Schmidt, Susanne Sperling)

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