„Es gab immer Kompott“

40 Jahre im Magdeburger Weskamm-Haus

„Es gibt Marillenklöße mit Vanillesoße“, sagt Birgit Kloske. „Die Bewohner mögen das.“ Sie rückt die Klammern an ihrer Kopfbedeckung zurecht und stützt sich auf ihre Unterarme. Dann beginnt sie zu erzählen: „Als ich vor 40 Jahren hier angefangen habe, war noch gar nichts da. Die Küche war zwar schon im Ansatz zu erkennen, aber wir haben alles hier Stück für Stück aufgebaut“, sagt die 60-Jährige, die in diesem Jahr gemeinsam mit der Einrichtung ihr Jubiläum feierte.

Am 1. September 1976 hat sie zum ersten Mal einen Fuß an ihren Arbeitsplatz im Magdeburger Stadtteil Stadtfeld gesetzt. Denn direkt nach ihrer Ausbildung zur Köchin, ist sie im Magdeburger Bischof-Weskamm-Haus gelandet. Und dabei wollte sie eigentlich nie Köchin werden. „Ich hatte ursprünglich den Wunsch, Lehrerin zu werden.“ Sie lacht. Ihre Tante hätte aber einmal zu ihr gesagt, dass Köchin ein internationaler Beruf sei. Den könne man auf der ganzen Welt ausüben. Das habe sie damals überzeugt, die Ausbildung in Wernigerode im „Weißen Hirsch“ anzutreten. Doch statt in die Welt hinauszuziehen, ist Birgit Kloske ihrem ersten Arbeitsplatz bis heute treu geblieben.

Viel hat sich getan in den vergangenen 40 Jahren, aber die Küchenchefin möchte keinen Tag missen. „Zu Beginn haben wir für zwölf Bewohner gekocht, mittlerweile sind es gut 200 Essen am Tag.“ Noch gut kann sie sich an Zeiten erinnern, in denen mit Karteikarte eingekauft wurde. „Da wurde dann alles handschriftlich drauf vermerkt.“ Und das Angebot war natürlich damals nicht mit dem Überfluss von heute zu vergleichen, sagt sie. „Beim Fleischer mussten wir nehmen, was es gab. Wenn man in einem Monat so und so viel Schwein abgenommen hat, dann musste man auch einen Hammel verarbeiten. Da stand dann eben Suppe mit Hammelknochen auf dem Speiseplan.“ Und das haben die Leute auch gegessen. Überhaupt sei auch der Anspruch in der Arbeit seit damals merklich gestiegen. „Mehrere Essen zur Auswahl – so etwas gab es damals nicht.“

Die Bewohnerinnen und Bewohner des Bischof-Weskamm-Hauses können zwischen zwei Gerichte wählen. Jede Woche bekommen sie die Vorschläge für die kommende Woche und können ihr Leibgericht auswählen. Und was ist das absolute Lieblingsessen im Hause? Birgit Kloske überlegt einen Augenblick. „Das könnte ich gar nicht sagen. Hering, Lose Wurst, Frikassee oder Milchreis mögen alle Bewohner gern.“ Es seien eben die Gerichte, die ihnen vertraut sind. „Man merkt es sehr genau. Probiert man mal etwas Exotisches aus, dann entscheiden sich alle für das bekannte Gericht.“

Nur eine Sache hat sich in den 40 Jahren nicht geändert: „Es gab immer Kompott. Vom ersten bis zum letzten Essen.“ Darauf legt Birgit Kloske viel wert. Und auf die gute Zusammenarbeit mit den Kollegen. „Früher war die Verbundenheit natürlich viel größer. Da haben wir uns auch oft privat gesehen und zusammen gefeiert.“ Die Küchenleiterin fischt eines der vielen Fotos heraus, die ihr Berufsleben dokumentieren. „Hier sind wir alle bei uns im Garten.“ Das Bild zeigt eine große Kaffeetafel, um die alle versammelt sind. „Das hier ist meine Kollegin Frau Leitl.“ Sie deutet mit dem Finger auf eine der Frauen am Tisch. Auch sie ist von Anfang an dabei, gehört im BWH, wie es umgangssprachlich heißt, quasi mit zum Inventar. „Wir haben immer sehr gut zusammengearbeitet.“

Das sei übrigens mit den meisten Kollegen so gewesen. Sogar ihr Ehemann hat einige Jahre an ihrer Seite gekocht. „Da hat es schon mal zwischen uns geknallt“, lacht sie. Schließlich sei man in den ersten Jahren Tag und Nacht zusammen gewesen. In der Einrichtung hätten sie jeder ein Zimmer gehabt und nach der Vermählung wurde dann eins zum gemeinsamen Wohnzimmer und das andere zum Schlafzimmer umfunktioniert. Irgendwann ist sie dann mit ihrem Mann nach Loburg gezogen. Dort bewohnen sie ein großes Haus und ihr Mann hat den Dachdeckerbetrieb des Schwagers übernommen. Jeden Tag fährt die 60-Jährige 40 Kilometer zur Arbeit hin und 40 zurück. Zeit genug, um den Arbeitsalltag hinter sich zu lassen?

„Die Arbeit ist ein großer Teil meines Lebens. Auch an den Wochenenden bin ich im Einsatz und deshalb schalte ich nie ganz ab.“ Außer wenn die Enkelkinder da sind, dann ist sie ganz und gar Oma. Oder vielleicht doch nicht so ganz? „Für die Kleinen koche ich am liebsten. Die sagen dann immer, dass ihre Oma die beste Köchin der Welt ist.“ Den Kochlöffel, legt sie also auch privat nur selten in andere Hände. Noch drei Jahre sind es bis zur Rente. Birgit Kloske hat aber schon vorgesorgt: „Ich engagiere mich schon jetzt bei der Volkssolidarität. Das werde ich dann sicher noch ausbauen. | Text und Foto: ctm

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