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Junge Gläubige waren beim Solidaritätskonzert in Chemnitz dabei

„Wenn es heute noch gewaltfrei bleibt, war das ein klares 5-0“, begeistert Campino, der Sänger der Toten Hosen die Menschenmenge in Chemnitz.
Mit 20 000 Menschen rechneten die Veranstalter des Konzertes in Chemnitz, was sich gegen Fremdenfeindlichkeit richtete. 65 000 Menschen kamen und machten „Party statt Pegida“, wie „die Tagesschau“ titelte. Auch christliche Jugendliche aus dem Bistum Magdeburg und vom Kinder- und Jugendpfarramt der EKM waren dabei und zeigten Flagge gegen rechts.

"Wir wollen dabei sein und ein Zeichen für Weltoffenheit und Toleranz setzen", sagt Anna Rether, die geschäftsführende Referentin der BDKJ-Landesstelle in Magdeburg. Mit mehr als 30 Jugendlichen machten sich Vertreter des BDKJ Magdeburg auf den Weg nach Chemnitz. Rechtsextreme Parolen sind auch im Alltag vieler Jugendlicher in Sachsen-Anhalt anzutreffen, haben jedoch nichts mit christlichen Werten gemein. So sei es eine Selbstverständlichkeit, an dieser großen Aktion teilzunehmen, findet auch Miriam Behrendt aus Quedlinburg. In mehreren Kleinbussen wie den gelben Bullies des Bonifatiuswerks nahmen junge Menschen die mehr als dreistündige Fahrt auf sich. Schon währenddessen konnten sie per Livestream das Konzert mitverfolgen.

Die Veranstaltung entstand binnen der letzten Woche als Reaktion auf den zuvor gewaltsam getöteten Deutsch-Kubaner Martin H. Nach jener Messerstecherei in der Innenstadt von Chemnitz hatten mehrere tausend rechtspopulistische und nationalistische Kräfte die Tat für sich vereinnahmt  und zu einem „Schweigemarsch“ in der sächsischen Stadt aufgerufen.

Die Besucher des Konzertes waren bunt, das Programm ebenfalls. Von Hip Hop über Pop-, und Rock- bis hin zu Punkmusik waren prominente Künstler vertreten, die starke Worte wählten, um zu zeigen, dass Menschen, die gegen rechts aufstehen, nie allein sind. K.I.Z., Kraftklub oder die Toten Hosen verwandelten die Chemnitzer Innenstadt mit ihren Gratisbeiträgen in ein pulsierendes Basislager der Menschlichkeit und machten Mut, auch im Alltag gegen rassistische Parolen anzugehen.

„Wir werden auch noch hier [in Chemnitz] sein, wenn die Kameras weg sind“, teilt Felix Brummer von Kraftklub der Menge mit. Das Konzert sei ein Mutmacher. Es könne nicht die „Welt retten“, doch setze Zeichen. Tote Hosen-Frontmann Campino holte sich zum Abschluss des Abends mit Rodrigo González von „Die Ärzte“ sowie Arnim Teutoburg-Weiß von den „Beatsteaks“ zum Ärzte-Song „Schrei nach Liebe“ Verstärkung. Spätestens bei „You’ll never walk alone“ fegte nicht nur Gegröle, sondern auch Gänsehautstimmung über den Platz.

Mit der Stadt Chemnitz, die am Tag des Konzertes eine geplante Gegendemo des äusländer- und islamfeindlichen Bündnisses Thügida verboten hatte, stellten sich Menschen aus der ganzen Republik gegen Hetzparolen gegenüber Migranten, Rassismus und rechtsextreme Gewalt. Vor allem jüngere Menschen nahmen an der musikalischen Stellungnahme teil. Das Konzert in Chemnitz war bunt, kreativ und weitestgehend friedlich. Auf einem großen Parkplatz zwischen Hauptbahnhof, Rathaus und Karl-Marx-Denkmal versammelten sich musikbegeisterte Jugendliche, Familien, linke Gruppierungen aus der Antifa-Szene, junggebliebene Senioren und natürlich Christen, auch aus Sachsen-Anhalt  – in Chemnitz ging keine instrumentalisierte Menge auf die Straßen. Es waren Menschen unterwegs, die zu vielen Themen unterschiedliche Auffassungen haben, aber mindestens eine Meinung teilen: für eine zukunftsfähige Gesellschaft aus verschiedenen Kulturen und Nationen brauchen wir vor allem von einem mehr: Menschlichkeit.

Initiiert vom BDKJ war die Gruppe des Bistums Magdeburg in Chemnitz unterwegs, um zum Beispiel auf die Kampagne des BDKJ Magdeburg „Dein Grundgesetz“ aufmerksam zu machen. Bei Großveranstaltungen in diesem Format sei besonders für Christen wichtig, Stellung zu beziehen, meint Chris Komeske, der in Magdeburg studiert. Die Würde des Menschen sei im christlichen Menschenbild sowie im Grundgesetz fest verankert und bleibe unantastbar.

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