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Der Traum vom Retter

Messiaserwartungen in verschiedenen Kulturen und Religionen

Je größer das Leiden unter Ungerechtigkeit und Gewalt, desto stärker die Hoffnung der Menschen auf eine Rettergestalt. Diese These untersucht das Magazin „Welt und Umwelt der Bibel“ des katholischen Bibelwerks in seiner neusten Ausgabe. Von den Wurzeln messianischer Hoffnung im Alten Testament bis hin zu den Heilserwartungen gegenüber heutigen politischen Führungsfiguren reicht das Spektrum der Beiträge.

Die Hoffnung auf einen Retter gab es nicht nur im jüdischen Volk in den Jahrzehnten vor der Geburt Jesu, sondern im gesamten Römischen Reich. „Die Erwartung, von Gott beziehungsweise den Göttern würde ein Retter aus der gegenwärtigen Misere gesandt werden, war damals allgemein verbreitet und nicht auf eine einzelne ethnische Gruppe wie etwa die Juden beschränkt,“ resümiert Peter Herz, Professor für Alte Geschichte an der Universität Regensburg.

Die jüdischen Messiaserwartungen waren mal stärker politisch, mal stärker religiös geprägt, hatten aber dieselbe Grunderwartung: der Messias stirbt nicht, sondern setzt sich machtvoll durch. Jesus entsprach mit seinem Tod am Kreuz nicht diesen Vorstellungen. Seine Jüngerschaft, aus der jüdischen Gedankenwelt stammend, kam zu einer neuen Deutung der Messiasvorstellung: „Die berühmte Erzählung von der Begegnung mit dem erweckten Jesus auf dem Weg nach Emmaus bildet den Prozess der  Neudeutung Jesu als Messias ab. Hatten die beiden Schüler Jesus noch als Propheten Israels verstanden, der abgelehnt und getötet wurde, bringt der Unbekannte den Titel ‚Christus’ als neue Verständnis-Option ins Gespräch,“ stellt Prof. Stefan Schreiber, Neutestamentler an der Universität Augsburg fest.

Dass aber auch die Messiaserwartung innerhalb des Judentums immer wieder aktualisiert wurde, zeigen mehrere Beiträge in dem Themenheft: zum einen der Überblick vom Mittelalter bis in die Neuzeit, zum anderen die Schlaglichter auf die Chabat-Bewegung vor und auf die Messianischen Juden in Deutschland.

Auch im Islam werden zwei Erlösergestalten am Ende der Zeiten erwartet, nämlich Jesus und der Mahdi, legt Muharrem Kuzey vom Zentrum für Islamische Theologie der Universität Tübingen dar. Dabei gibt es wichtige Unterschiede zwischen Schiiten und Sunniten – und es gab schon mehrere messianische  Bewegungen im Islam, die sich von diesen Glaubensrichtungen getrennt haben und die zum Teil bis in die Gegenwart von Bedeutung sind wie zum Beispiel die Ahmadiyyabewegung, deren geistliche Führer sich bis heute „Nachfolger des Messias“ nennen.

In Afrika haben sich mehrfach politische Herrscher als Messias feiern lassen. Am Beispiel Simbabwe wird gezeigt, wie sich in einem christlich geprägtem Land eine neue Messiaserwartung entwickelt hat – und gescheitert ist. Dass es  solche politisch-messianischen Erwartungen auch in den Vereinigten Staaten von Amerika gibt, erwähnt bereits Christiane Altmann in ihren Einführungsbeitrag zu dem jüngsten Themenheft von „Welt und Umwelt der Bibel“, einer Zeitschrift des Katholischen Bibelwerks e.V.

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