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Kerze im Dunkel
Foto: Monika Wagmann

Entwaffnender und herzerfrischender Humor

Der allmächtige Gott hat am 26. Mai 2022 seinen treuen Diener Domkapitular em. und Propst i.R.  Josef Kuschel in sein Reich gerufen

Josef Kuschel wurde als zweites Kind seiner Eltern am 20. Mai 1940 in Steinwitz, Kreis Glatz, geboren. Hier wurden ihm eine tiefe Marienverehrung und der Glatzer Mutterwitz in die Wiege gelegt. In Folge des Zweiten Weltkrieges musste die Familie 1947 die schlesische Heimat verlassen. In Merseburg  fanden sie eine neue Heimat. Nach Abschluss der Grundschulzeit besuchte er 1956 das Bischöfliche Vorseminar in Schöneiche, in dem er vier Jahre später das Abitur erwarb. Das Theologiestudium absolvierte er bis 1965 im Priesterseminar in Erfurt. Daran schloss die pastoralpraktische Ausbildung auf der Huysburg und in der Pfarrei Aschersleben an. Weihbischof Dr. Friedrich Maria Rintelen weihte ihn am 29. Juni 1966 in St. Sebastian in Magdeburg zum Priester.

Seinen priesterlichen Dienst nahm er 1966 als Vikar in Bad Lauchstädt auf. Ein Jahr später wurde er in die Kuratie nach Hessen im Grenzgebiet versetzt. Dort wirkte er unter schwierigen Bedingungen sechs Jahre. Von 1973 bis 1981 war er dann als Vikar in der Pfarrei St. Elisabeth in Weißenfels tätig.

Bischof Johannes Braun berief ihn 1981 nach Magdeburg als Seelsorger in das Neubaugebiet Magdeburg-Nord. Hier erwartete ihn buchstäblich eine Baustelle: der Aufbau der Gemeinde, der Kirche sowie des Pfarrhauses. Hier diente das Kellergeschoß als Gemeinderaum und „Katakombenkirche“. Josef Kuschels „Dienstkleidung“ waren Latzhose und Gummistiefel – zur Freude der wachsenden Gemeinde und zum Erstaunen vieler westlicher Amtsbrüder. Mit der jungen Gemeinde und vielen helfenden Händen, wie beispielweise Diakon Hans Lorenz und seine Schwester Maria, konnte 1984 die Kirchweihe gefeiert werden.

Die politische Lage spitzte sich zu. Im Herbst 1989 unterstützten viele Gemeindemitglieder und Pfarrer Josef Kuschel die Montagsdemonstrationen und bereiteten auf dem Weg zur friedlichen Revolution die Bildung notwendiger Arbeitskreise vor. Das war ein Beitrag zur Einheit Deutschlands. Als Pfarrer war seine Mitarbeit gefragt und geschätzt. Er gehörte auch zu den Priestern, die das Hirtenwort von Bischof Johannes Braun, in dem dieser im September 1989 zur politischen Lage in der DDR Stellung nahm und die Katholiken in der DDR zu politischen Engagement aufrief, vorbereitete.

Bischof Leo Nowak berief Josef Kuschel 1990 von St. Mechthild als Propst in die Propstei St. Sebastian. Er begleitete in diesen Jahren intensiv die notwendigen Veränderungen im Bistum Magdeburg. Dazu gehörten unter anderem das Pastorale Zukunftsgespräch, die Gründung der Gemeindeverbünde, sowie die Entstehung der neuen Pfarreien. Innerhalb des Bistums und weit darüber hinaus nahm er vielfältige Aufgaben wahr.  So war er beispielweise Ansprechpartner für die kommunalen Behörden und Einrichtungen, Vorsitzender des Kuratoriums der Telefonseelsorge und Mitglied im Kuratorium des Ökumenischen Domgymnasiums. Er arbeitete im Gedenkstättenbeirat Stiftung „Gedenkstätten Sachsen-Anhalt“ sowie im Förderverein „Neue Synagoge“ mit. Josef Kuschel war Gründungsmitglied des Caritasverbandes für das Dekanat und die Stadt Magdeburg und wirkte über 20 Jahre als dessen Vorsitzender.

Ab 1995 gehörte er dem neu geschaffenen Kathedralkapitel als residierender Domkapitular an. Ein Herzensanliegen waren ihm die ökumenischen Beziehungen in der Stadt Magdeburg. Er pflegte regelmäßige Kontakte mit den Geistlichen der verschiedenen christlichen Kirchen und Gruppierungen.

Im Jahr 2010 ging Josef Kuschel in den wohlverdienten Ruhestand und zog in das Adelheid-Haus in der Beethovenstraße. Die Abkürzung „i.R.“ verstand sich für ihn als „in Reichweite“. So war er überall dort, wo seine Hilfe gefragt war, und übernahm gern priesterliche Dienste. Im Auftrag des Bischofs betreute er bis 2017 die pensionierten Mitbrüder und hielt mit ihnen regelmäßig Kontakt.

Propst Josef Kuschel lebte seinen Primizspruch „Keiner von uns lebt sich selbst …“ (Röm 14.7) in schlichter Einfachheit, Selbstverständlichkeit und unerschöpflichem Humor. Die Tür seines Herzens und seiner Wohnung stand dafür bis zuletzt stets offen, getreu unterstützt von seiner Haushälterin und Mitarbeiterin Maria Stief.

Sein Realitätssinn, verbunden mit dem entwaffnenden und herzerfrischenden Humor, sowie seine Kontaktfreude haben die Herzen vieler Menschen geöffnet.

Am 20. Mai 2022 konnte Josef Kuschel, schon gezeichnet durch seine schwere Krankheit, in den Pfeifferschen Stiftungen in Magdeburg seinen 82. Geburtstag erleben. Im Evangelium dieses Tages hieß es: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt.“ (Joh 15,16). Dankbar dürfen wir auf seinen treuen Dienst und die gemeinsame Zeit mit ihm zurückschauen.Der barmherzige Gott vollende ihn nun in seiner Herrlichkeit.

Das Requiem für Propst Josef Kuschel feiern wir am Freitag, dem 3. Juni 2022, um 10:30 Uhr in der Kathedralkirche St. Sebastian in Magdeburg. Die Beerdigung findet anschließend auf dem Kapitelsfriedhof statt.

Wir wollen unseres verstorbenen Mitbruders im Gebet und bei der Eucharistiefeier gedenken!

Magdeburg, 30. Mai 2022

 Dr. Gerhard Feige
     Bischof

Die Priester und Diakone sind eingeladen, das Requiem und die Beerdigung in Chorkleidung mitzufeiern.

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