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Spannung zwischen Sammlung und Sendung

Beim Neujahrsempfang des Bistums Magdeburg ehrt Bischof Dr. Gerhard Feige die Leitungsteams für ihren unermüdlichen Einsatz

Bischof Dr. Gerhard Feige dankte den Vertreterinnen und Vertretern von mittlerweile 10 Pfarreileitungsteams im Bistum Magdeburg für ihren unermüdlichen Einsatz. Ihnen galt in diesem Jahr der Neujahrsempfang, bei dem immer eine besonders engagierte Gruppe und ihre Arbeit in den Mittelpunkt gerückt wird. Mit dabei in der Runde waren auch die Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner aus dem Bischöflichen Ordinariat, um einmal über Telefon und Email hinaus ins Gespräch zu kommen.

Aufgrund der Diasporasituation im Bistum Magdeburg werden mittlerweile schon neun von 44 Pfarreien von ehrenamtlichen Leitungsteams und einem geistlichen Moderator geleitet. Zwei Pfarreien kommen in den nächsten Tagen hinzu, sechs weitere sind auf dem Weg. Eine enorme Bewegung findet da im Bistum statt.

Dass die Kirche in der Gesellschaft kein „Mega-Player“ mehr sei, ein Wort, das der Bischof von der Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz, Dr. Beate Gilles in seiner Predigt aufgriff, nehmen viele Engagierte wahr. Diese Situationsbeschreibung sei wichtig, „denn sie verlangt etwas von uns, was zum Wesentlichen führt; nämlich einen Perspektivwechsel weg vom eigenen, liebgewonnenen Selbstbild hin zur Gesellschaft und den Menschen in ihr, um diese Wirklichkeit auch tatsächlich annehmen und in der Realität ankommen zu können. Nicht unser eigenes Image zu verbessern oder hervorzukehren, sollte uns ja vorrangig beschäftigen, sondern die Frage, wozu es Kirche überhaupt gibt und wir als Christinnen und Christen gesandt sind.“

Mit Bezug zum Matthäus-Evangelium 9,36 sagte der Bischof weiter: „Wenn wir uns in der Welt umschauen, in unserem Bistum, in unseren Pfarreien und auch ganz unmittelbar in unserer Nachbarschaft, dann können auch wir sehen, was dort im Evangelium beschrieben wird: viele Menschen sind müde und erschöpft von den Verpflichtungen ihres Alltags und den Sorgen um die eigene Existenz, sind auf der Suche nach mehr Zeit und einer Auszeit von dem, was belastet, nach einer Perspektive auf Frieden und nach Sinn. Es ist ein Phänomen unsrer Zeit, dass Menschen eine tiefe Erschöpfung verspüren, dass sie an die eigenen Grenzen des Machbaren kommen.“

Aus Liebe zu den Menschen und dem Bewusstsein, dass die Begegnung mit Gottes Reich Heilung und Stärkung bringe, sei Jesus davon überzeugt, „dass sein Auftrag Mitarbeitende braucht, um alle Menschen zu erreichen, um den Menschen die Botschaft zu bringen, die verwandeln und eine Perspektive aufzeigen kann.“

„Daran haben sich die jungen Christinnen und Christen zu orientieren versucht. Die Erzählung aus der Apostelgeschichte gibt einen Einblick, was für sie da wesentlich geworden ist. Die Feier des Glaubens (liturgia) und ein Leben als Gemeinschaft, die Teilhabe ermöglicht (koinonia), ist ihnen der Ort der Sammlung. Dort vergewissern sie sich immer wieder aufs Neue ihres tragenden Grundes, der Christus ist, hören auf das Wort Gottes, empfangen das Sakrament des Altares, teilen miteinander Freud und Leid und lassen sich von der Gemeinschaft aller stärken. Auf diese Weise gesammelt können sie ihren Sendungsauftrag wahrnehmen: den Menschen die Frohe Botschaft verkünden (martyria) und sich ihnen in ihren Nöten und Ängsten, Freuden und Hoffnungen zuwenden (diakonia). In diesen Grundvollzügen lebt die Gemeinde ihr Kirchesein“, so der Bischof.

Dabei spüren Christinnen und Christen von jeher die Spannung zwischen Sammlung und Sendung. „Dabei kommen Sie gewiss auch immer wieder an Ihre Grenzen“, an die Leitungsteams gerichtet. „Interessanterweise ist es ja auch die Apostelgeschichte, die nicht darüber schweigt, wie schwer dieses Miteinander zuweilen ist, wie unterschiedlich die Vorstellungen sind; ja wie sehr gerade diejenigen, die sich dem Auftrag Jesu um der Menschen willen verpflichtet haben, um gute und gemeinsame Lösungen ringen. Dass Sie dies alles ehrenamtlich, neben Ihren beruflichen Verpflichtungen und Ihrem Familienleben leisten, ist überaus beeindruckend.“

Den Auftrag Jesu könne nur gemeinsam wahrgenommen werden. „Und ich bin dankbar dafür, dass uns das in unserem Bistum schon in vielem gelingt. Um die Ängste und Nöte, Freuden und Hoffnungen der Menschen wirklich verstehen und mit ihnen heilsam umgehen zu können, brauchen wir sogar die unterschiedlichen Perspektiven, die jede und jeder mitbringen kann, Getaufte und Gefirmte wie darüber hinaus zu einem besonderen Dienst Beauftragte und Geweihte, Ehren- und Hauptamtliche, Familien und Alleinstehende, Einheimische und Zugezogene, Kinder und Jugendliche. Kirche, das sind nicht irgendwelche Amtsinhaber; Kirche, richtig verstanden, sind wir alle.“

Mehr denn je bedarf es dazu wirklich überzeugter und begeisterter Christen, „denn „nur wer brennt, entflammt auch andere". Programmatisch könnte man mit Kernaussagen unseres „Pastoralen Zukunftsgespräches" auch sagen: „Wir wollen eine Kirche sein, die sich nicht selbst genügt, sondern die allen Menschen Anteil an der Hoffnung gibt, die uns in Jesus Christus geschenkt ist.“

Nach dem gemeinsamen Gottesdienst in der Kathedrale St. Sebastian trafen sich die Gäste im Roncallihaus zum Sektempfang und Mittagessen. Zum Einstieg waren die Gäste eingeladen an einem biblischen Improvisationsspiel teilnehmen über die Perikope Matthäus 9, 35-10, 1: „Als er die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben. Da sagte er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden.“ Und schnell wurde klar: ja, es gibt wenige Arbeiter und manchmal auch Erschöpfung, aber fröhlich, mutig und mit vielfältigen Talenten ausgestattet engagieren sich die Ehrenamtlichen mit Freude für ihre Kirche.

Predigt von Bischof Dr. Gerhard Feige zum Download

(sus; Foto: Sperling)

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