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Gegen die Schwerkraft des Negativen

Hochfest des Heiligen Norbert von Xanten, Patron des Bistums Magdeburg

Mit einem Pontifikalamt feierten die Gläubigen in St. Sebastian das Hochfest des Heiligen Norberts von Xanten, dem ruhelosen Reformer des 12. Jahrhunderts und Gründer des Prämonstratenser Ordens vor 900 Jahren. 

Natürlich war der heilige Norbert ein Kind seiner Zeit, des 12. Jahrhunderts“, so Bischof Dr. Gerhard Feige in seiner Predigt, „einer Zeit tiefer Umbrüche, vor allem in der Kirche. Der Ruf nach Reformen war immer lauter geworden, weil sich die Kirche in allzu großer Abhängigkeit von den weltlichen Machthabern fühlte.“

„Er hatte ein Gespür für die Missstände in seiner Umgebung und litt unter dem kirchlichen Reformstau. Das hat er dann aber nicht nur analysiert und hingenommen. Mit großer Durchsetzungskraft hat er manche Reform auf den Weg gebracht und immer bei sich selbst angefangen. Dabei war das persönliche geistliche Leben ihm ein Herzensanliegen. Von dort musste für ihn die Erneuerung ausgehen“, so der Bischof weiter.

Dieser Erneuerungsprozess wurde auch die Grundlage des Prämonstratenserordens,  den er gegründet hat. In der Formel der Gelübde steht „conversio morum meorum“, „vom Wandel meiner Sitten“ oder anders ausgedrückt „von der immer neuen Bekehrung“.

Eine Österreichische Ordensgemeinschaft hat die klassischen drei Gelübde auch der Prämonstratenser – Armut, Enthaltsamkeit und Gehorsam – ins Heute übersetzt. „Herausgekommen sind die drei Stichworte „wach – einfach – gemeinsam“. Diese – so meine ich – bieten auch erstaunliche Anregungen für das ganz alltägliche christliche Leben“, so Feige.“ So könnte Wachsein bedeuten, nicht jeder Mode oder Meinung hinterherzulaufen, sondern alles kritisch zu prüfen, ob es dem Gebot der Liebe standhält und dem Willen Gottes entspricht.“  Wachsamkeit setzte jedoch Mündigkeit und Verantwortlichkeit voraus, sich zu informieren, eine Meinung zu bilden, mitzumischen, auch Kritik zu äußern und angemessen vorzubringen, dann aber auch bereit sein, Verantwortung zu tragen, wo es einem aufgetragen werde. Wachheit sei gerade dann angesagt, wenn Entwicklungen schieflaufen, wenn Missstände einreißen, wenn Spaltungen sich abzeichnen.

„Die Situation der Welt und der Kirche negativ zu sehen, ist leicht. Dafür gibt es täglich genug Anlässe. Wachsam zu sein heißt aber, in allem gerade damit zu rechnen, dass diese Welt längst von Jesus Christus erlöst ist, dass ihre Umwandlung in die neue Schöpfung bereits begonnen hat. Die Dinge aus dieser Perspektive zu sehen, ist nicht selbstverständlich. Vieles spricht dagegen. Doch Wachsamkeit bedeutet, sich gegen die Schwerkraft des Negativen auf die Wirklichkeit der Erlösung zu beziehen“, so der Bischof.

„Einfach zu leben,“ so Feige, „könnte heutzutage heißen, „weniger zu verbrauchen, weniger zu verschwenden, weniger wegzuwerfen, umweltbewusst und nachhaltig zu produzieren, in allem auf die Belange der Natur und auf die Bewahrung der Schöpfung zu achten.“

Und zum dritten Stichwort „gemeinsam“ sagt der Bischof: „Für den heiligen Norbert bedeutete dies, wie Jesus auf Ehe und Familie zu verzichten. Doch damit war für ihn zugleich eine neue Form von gemeinsamen Leben verbunden. Männer – und später auch Frauen – sollten so miteinander leben, dass in der Gemeinschaft etwas von der Liebe Gottes sichtbar wird. Dies aber kann für alle Lebensformen eine Anregung sein. Ob das nun in der Familie ist, in Freundschaften, unter Kollegen und auch in der Gemeinde und Pfarrei, immer geht es darum, einander so zu akzeptieren, wie jeder und jede ist. Umgekehrt bedeutet das, die anderen nicht für meine eigenen Interessen und Bedürfnisse zu benutzen. Einander zu achten, zu vertrauen und zu lieben, ist eine lebenslange Aufgabe.“ Sie gelinge am ehesten – so die Erfahrung des heiligen Norbert und vieler vor ihm und nach ihm – wenn sich die Einzelnen an Christus festmachen.

Der Heilige Norbert habe versucht, sein Suchen und Fragen, sein Gelingen und sein Scheitern auf eine Karte zu setzen: dass es nämlich einen Gott gibt, der heilend und Leben spendend in dieser Welt wirksam ist. „Gott wurde zum Maßstab seines Handelns. Und so macht uns Norbert mit seinem Realitätssinn, seinem Gespür für kirchliche Missstände, seinem entschiedenen Reformwillen und nicht zuletzt mit seiner tiefen Frömmigkeit Mut und Hoffnung und spornt uns an, im Eifer für die Sache Jesu Christi nicht nachzulassen.“

An dem feierlichen Hochfest des Heiligen Norberts nahm auch Altbischof Leo Nowak teil. Für die unter Coronabedingungen eingeschränkte musikalische Ausgestaltung sorgten Kathedralmusiker Matthias Mück, Marie-Therese Finkler an der Trompete und Dr. Christoph Ilgner als Kantor.

Das Reliquiar des Heiligen Norberts war am Altar aufgebaut.

Predigt von Bischof Dr. Gerhard Feige zum Download

(sus; Fotos: Sperling, Charlen Christoph, KHM)

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