Bistumskarte

Er ist im Leben der Menschen

Osterbotschaft von Bischof Dr. Gerhard Feige beim Pontifikalamt am Ostersonntag

„Er ist wahrhaft auferstanden!“ Mit diesen Worten begrüßte Bischof Dr. Gerhard Feige die Gläubigen am Ostersonntag zum Pontifikalamt in der Kathedrale St. Sebastian  in Magdeburg.

Seine Osterbotschaft begann der Bischof mit dem Gedicht „Lust an neuer ‚Kirchenapokalyptik?“ von Wilhelm Willms, der vor über 40 Jahren geradezu visionär einen Teil der Erfahrung vorwegnimmt, die wir nun schon seit längerer Zeit aufgrund der Corona-Pandemie machen.  

„Vielleicht war und ist eine solche Situation, wie wir sie erleben, aber auch ein „kairos“: ein Zeitpunkt, innezuhalten und sich zu besinnen, eine Gelegenheit, danach zu fragen, ob Gott uns damit etwas sagen will und was dies sein könnte, eine Provokation, um aus Verkrustungen aufzubrechen und neues Leben zu suchen. Wie viele verschanzen sich doch hinter Lehrsätzen und Gewohnheiten. Was früher war, zählt und wird für wesentlich angesehen. Manchmal regt uns das Evangelium als das eigentliche Gewissen unserer Kirche viel zu wenig auf oder an.“

„Suchen wir Gott überhaupt noch, oder glauben wir, ihn längst begriffen und erfasst zu haben? Ist unser Herz – wie es der heilige Augustinus einmal gesagt hat – dabei noch unruhig, oder haben wir diese Unruhe längst mit alltäglichen Gewissheiten und Pflichten zum Schweigen gebracht?“  Der Bischof rief die Christen auf, ihre „gewohnten Bahnen und Überzeugungen zu verlassen, um Gott auch außerhalb davon zu suchen.“

Das Evangelium mit der Erzählung vom leeren Grab könne dabei in eine Richtung weisen. Den drei Frauen, die Jesus zu Lebzeiten besonders nah gestanden haben und das leere Grad vorfinden, beruhigt ein junger Mann mit den Worten: „Jesus ist auferstanden, er ist nicht hier.“ „Das leere Grab“, so der Bischof, „hat keine Bedeutung mehr. Es geht auch gar nicht darum, was mit dem Körper Jesu passiert ist. Es geht darum, dass Jesus von nun an nicht mehr unter den Toten, sondern unter den Lebenden zu finden ist. Er ist auferstanden. „Er geht euch“ – sagt der junge Mann den drei Frauen – „voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen“. Das sollen sie auch den Jüngern ausrichten. Was aber ist mit Galiläa gemeint? Hat diese zunächst wohl unauffällige Bezeichnung vielleicht sogar eine tiefere Bedeutung?“

Zu finden sei der auferstandene Christus „nicht nur in den Domen und Kathedralen oder in den vertrauten Dorfkirchen“, so Feige. „Er ist im Leben der Menschen von heute, in ihren Gedanken und Hoffnungen, in ihrer Angst und ihrer Trauer. Er ist in diesen Tagen gerade auch in den Sorgen, die die Corona-Pandemie uns bereitet und die unzähligen Menschen das Leben schwer macht.“

Der Bischof rief dazu auf, Jesus „auch außerhalb kirchlichen Erfahrungsraumes zu suchen, sogar da, wo wir es vielleicht nie erwarten würden: auch bei all denen zum Beispiel, die anscheinend ganz gut ohne irgendeinen religiösen Glauben auskommen, dennoch aber manchmal menschenfreundlicher und solidarischer als wir Christen sind und vom Leben durchaus noch mehr erwarten oder erhoffen als nur Erfolge und Reichtum“. Wenn die Kirche sich darauf einlasse, habe sie „trotz allem, was derzeit so massiv an Schuld und Versagen ans Licht kommt, eine Zukunft“.

„Ja, der Auferstandene ist uns längst vorausgegangen, und es ist an uns, ihn zu erspüren: in den Problemfeldern und Wunden dieser Welt, in unserer eigenen Angst und Ohnmacht, aber auch in unserer Sehnsucht und Hoffnung – und in unserem Mut und unserer Kreativität, womit wir versuchen, der Resignation zu trotzen und als Kirche neue Wege zu gehen.“

(sus, kna; Foto: Sperling)

Die Predigt zum Download

Das Pontifikalamt am Ostersonntag zum Nachschauen

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