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Das Herz der Kirche

Pastoraltag im Bistum Magdeburg zum Schreiben der deutschen Bischöfe „In der Seelsorge schlägt das Herz der Kirche“

Der Kathedralsaal von St. Sebastian war reich belebt: Zum Pastoraltag 2022 waren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Pastoral und Vertreter der Caritas, der Verbände und Einrichtungen des Bistums zum Thema „Seelsorge“ zusammengekommen. Gemeinsam hörten sie den Vortrag zum jüngsten Pastoralschreiben der deutschen Bischöfe „In der Seelsorge schlägt das Herz der Kirche“, von Prof. Martin Lörsch, Pastoraltheologe aus Trier.

Martin Lörsch, der digital zugeschaltet war, stellte die Grundzüge und Anliegen dieses bemerkenswerten Schreibens vor. Er betonte den weiten Blick auf Seelsorge, die in der Nachfolge Jesu Christi als ein Hingehen zu den Menschen verstanden wird. „Seelsorge fragt nach den Anliegen und Nöten der Menschen. Kirchliche Seelsorge geschieht durch Christinnen und Christen, die sich mit ihrem Glauben an Gott in Wort und Tat einbringen.“ Dabei werden Frauen und Männer, Haupt- und Ehrenamtliche, Mitarbeitende in den Pfarreien, in kategorialen Feldern und in der Caritas in ihrem Dienst in der Seelsorge in gleicher Weise gewürdigt und wertgeschätzt. In der Folge wird Seelsorge künftig viel mehr durch die Vielzahl von Charismen der Getauften geprägt und verantwortet werden müssen.

Bemerkenswert in dem Schreiben ist die ausdrückliche Benennung des Missbrauchs in der Seelsorge, geistlich wie sexuell als Folge einer Selbstüberhöhung von Seelsorgenden. Hier schärfte der Referent nachdrücklich ein, genau hinzuschauen, damit Missbrauch in der Seelsorge verhindert wird. Denn immer geht es darum, die Menschen in ihrem Leben zu stärken, sie aufzurichten und ihnen in Freude und Trauer nahe zu sein. Damit ist ein weites Feld für Seelsorge eröffnet, das auch außerhalb der kirchlichen Räume zu suchen und zu finden ist.

Das dargelegte weite Seelsorgeverständnis, das anschlussfähig ist für das Gespräch in der Ökumene, mit gesellschaftlichen Einrichtungen und nicht zuletzt mit Menschen, die sich auf unterschiedlichste Weise für den Aufbau einer menschenwürdigen Welt einsetzen, war dann auch Thema in den sich anschließenden Gesprächen in Gruppen. Im Mittelpunkt stand der Austausch über eigene gelungene Seelsorgeerfahrungen. Dabei waren das offene Ohr und Herz füreinander gefragt.  

In dem Plenumsgespräch am Nachmittag kamen Fragen aus der Praxis zu Wort: Wie geht Seelsorge im digitalen Raum? Wie finde ich in all den Verwaltungsaufgaben Zeit für Seelsorge? Wo haben wir überhaupt geeignete Räume für Seelsorge? Wie kann der Machtmissbrauch in seelsorglichen Beziehungen verhindert werden? Wie kann Seelsorge in kirchlichen Einrichtungen mit vielen Mitarbeitenden ohne Konfession stattfinden? Nicht auf jede Frage gab es Antworten, aber einige Anregungen. So plädierte Prof. Lörsch dafür, immer wieder die eigenen kirchlichen „Herrschaftsräume“ zu verlassen und sich unbekannten Situationen auszusetzen – jeder nach dem ihm möglichen Maß, um als Gast im Leben anderer Menschen das Hören zu üben und selbst auch für das eigenen Leben zu lernen. 

Mit diesen Gedanken spannte sich der Bogen zum Beginn des Pastoraltags in der Kathedrale St. Sebastian. In dem festlichen Gottesdienst, musikalisch begleitet von einer Schola der Kirchenmusiker, predigte Bischof Gerhard Feige über die Haltung Jesu: „‘Was willst du, dass ich dir tue?‘ fragt Jesus den blinden Bartimäus, der am Straßenrand sitzt, als Jesus in die Stadt kommt. (Lk 18, 41). Und er stellt diese Frage auch uns – Ihnen und mir: ‚Was willst du, dass ich dir tue – damit, was in dir versteinert ist, wieder lebendig werden kann.‘

Nur wenn sich in uns wandeln kann, was der Heilung bedarf, können wir in unserem seelsorgerischen Handeln die Frage Jesu an die Menschen weitergeben: ‚Was willst du, dass ich dir tue?‘ Denn „Seelsorge fragt nach den Anliegen und Nöten der Menschen, ohne schon eine fertige Antwort zu haben.“ 

Auch am Ende des Tages waren nicht alle Themen bearbeitet, manches blieb offen. Geblieben ist der Eindruck von vielen lebendigen Begegnungen an diesem Pastoraltag, Lachen, Nachdenklichkeit und wichtigen Impulsen für die Seelsorge, die in der Praxis begleitet und entfaltet werden wollen.

 Friederike Maier / Foto: Stefan Malik

Predigt von Bischof Feige zum Download

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