Bistumskarte

Covid 19 - Brennglas und Katalysator

Pastoraltag 1 im Bistum Magdeburg ganz im Zeichen der Pandemie und den Erfahrungen

Das Wort von Paulus an die Philipper „Halte unseren Verstand wach“ stand über der Einladung zum jährlichen Fortbildungstag für alle pastoralen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Bistum Magdeburg. Dahinter standen auch die Fragen „Was zeigt sich für die Kirche in Zeiten von Corona? Und welche Bedeutung hat das für unsere Pastoral und für unsere Relevanz als Kirche?“  Corona-geschuldet konnten nicht alle Mitarbeitende an einem Tag nach Magdeburg kommen, so dass der Pastoraltag, aufgeteilt wurde. Die in Corona-Zeiten erworbene Digitalkompetenz führte dazu, dass Teile der Veranstaltung digital mitverfolgt werden konnten.

In seiner Predigt fragte Bischof Dr. Gerhard Feige, ob die Kirche tatsächlich nicht systemrelevant sei und ob Systemrelevanz überhaupt zu ihrem Wesenskern gehöre. „Ist es denn unsere primäre Aufgabe, das gesellschaftliche Leben am Laufen zu halten und die bestehenden Systeme zu stützen?“ Statt Systemrelevanz hält er Begriffe wie Existenzrelevant oder Lebensrelevant für treffender. „Das Leben ist unkontrollierbar geworden, und nicht erst durch das Virus“, so Feige. „Längst fühlen sich viele Menschen durch die Finanzkrise und die Klimakrise verunsichert, doch in der Corona-Krise bündeln sich solche Ängste wie in einem Brennglas.“ Als Kirche bräuchten wir uns nicht bemühen, so der Bischof, „um jeden Preis systemrelevant zu sein. Wohl aber sind wir lebensrelevant für unsere Gesellschaft.“

„Ja, wir sind verwundbar“, sagte Dr. Hubertus Schönemann, Leiter der Katholischen Arbeitsstelle für missionarische Pastoral (KAMP) in seinem Vortrag „Covid 19 als Brennglas und Katalysator der Pastoral“, „und ein gewisses Grundvertrauen bekommt Risse.“ Corona habe aber auch gezeigt, der Mensch sei Teil der Natur und „mit dem Virus kann man nicht verhandeln.“ Das Virus hat Ungleichheiten besonders deutlich gemacht, und Ungleichzeitigkeiten sichtbar gemacht. „Wer vorher kreativ war, ist im Lockdown nicht verschwunden, während andere abgetaucht sind. Der alte Stil der Betreuung und Versorgung ging so nicht mehr.“

Zu den zahlreichen liturgischen Erfahrungen in der Zeit des Lockdowns gehören zentrale Streaming-Gottesdienste mit einer Fokussierung auf die Eucharistiefeier. „Dabei zeigte sich eine Liturgielastigkeit und Orientierung an den Ordinierten“, so Schönemann. Viele „Mitglieder“ hingegen hätten in der Unterbrechung entdeckt, dass kirchlich-organisationale Vollzüge wie Gottesdienste und gemeindliches Leben für die an Relevanz verloren haben, sie vermissen es nicht.“ Viele blieben auch weg, als die Gottesdienste wieder gefeiert werden konnten. „Prozesse des Schwindens von Plausibilität und Relevanz eines christlichen Lebensentwurfes eines kirchlichen Gemeinschaftsleben, die langfristig und unumkehrbar sind, beschleunigen sich.“

Auch wurden von vielen Gläubigen Hausgottesdienste in kreativen Vollzügen durchgeführt, nicht immer zum Wohlwollen einiger Bischöfe. Es habe sich aber auch gezeigt, dass manche selbst nicht mehr zuhause beten könnten oder sich gar schämten, voreinander zu beten. Hier böten sich laut Schönemann aber Chancen für neue Formate und die Befähigung der Gläubigen zum gemeinsamen Lesen der Schrift und andere kleine liturgische Zeichen.

Auch die Hoffnung auf einen Innovationsschub insbesondere für lokale Glaubensgemeinschaften wurde gestärkt. Sei es Bibelteilen als Videokonferenz oder eine Palmsonntagsprozession auf  Social Media Kanälen oder andere kreative Initiativen.

Den Vortrag von Dr. Hubertus Schönemann können Sie auf unserem Youtube-Kanal nachhören.

Zuvor hatten Pfarrer Johannes Zülicke und der Einrichtungsleiter des Bischof-Westkamm-Hauses in Magdeburg, Frank Hornickel, von ihren Erfahrungen aus der Corona-Zeit berichtet. Für Zülicke hätte „abgesagt“ das Potenzial, Unwort des Jahres 2020 zu werden. „Zu viele auch heilige Dinge konnten einfach nicht mehr stattfinden. Da war der Verlust schon deutlich zu spüren.“ Aber viele Hauptamtliche und Ehrenamtliche hätten schnell nach Alternativen gesucht, auch um zu schauen, wie Kirche wieder angesagt sein könnte. Die offene Kirche inmitten geschlossener Gebäude habe sich als Glücksfall erwiesen und auch analog konnten sie Kontakt zu den Menschen in der Gemeinde halten.

Für Hornickel waren die Outdoor-Gottesdienste eine Frucht aus der Corona-Krise. „Unsere Hofgottesdienste werden wir beibehalten, sehr zur Freude der Bewohner, ihrer Angehörigen und der Mitarbeiter.“ Auch wenn die Zeit, in der schwere Entscheidungen getroffen werden mussten, keine schöne Zeit gewesen sei, so habe sie doch sehr viel kreatives Potenzial freigesetzt.

Am 28. Oktober findet der zweite Pastoraltag mit Prof. Dr. Andreas Lob-Hüdepohl zum Thema „Ernsthafte Gelassenheit – eine christliche Tugend im Gegenüber zu Angst, Verunsicherung und Verschwörungsvermutungen“ statt. Auch diese Veranstaltung werden wir per Livestream übertragen.

(sus; Sperling)

Themen und Partnerportale