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Neue Heilige für unsere Zeit

Pfingstmontag zweifacher Anlass zum Feiern: Hochfest des Heiligen Norbert von Xanten und ökumenischer Gottesdienst

Der Pfingstmontag war im Bistum Magdeburg gleich ein doppelter Festtag: Neben Pfingsten als „Geburtsfest“ der Kirche durch die Ausgießung des Heiligen Geistes feierte die Diözese auch ihren Patron, den Heiligen Norbert. Und beide Feste stehen in einem engen Zusammenhang, so Bischof Dr. Gerhard Feige zu Beginn des Hochamtes am Montagvormittag in der Kathedrale St. Sebastian. So könne man Allerheiligen als Frucht von Pfingsten bezeichnen. Jeder Heilige sei eine Frucht des Heiligen Geistes - also auch Norbert von Xanten (1082-1134), seit 1982 Patron der katholischen Kirche Magdeburgs, 1994 bei der Errichtung der Diözese zum Bistumspatron erhoben. Er war der 13. Bischof des damaligen Erzbistums Magdeburg und gründete zudem den Orden der Prämonstratenser, die seit 1991 wieder an der Wirkungsstätte ihres Gründers präsent sind. 

Zu ihnen gehört auch Pater Andreas Struck, bis vor kurzem Pfarrer der Nachbargemeinde St. Augustinus. In seiner Predigt am Pfingstmontag bat er den Herrn um neue Heilige für unsere Zeit, die auf die aktuellen und kommenden Herausforderungen eine Antwort geben könnten. An drei konkreten Punkten machte er die Notwendigkeit neuer Vorbilder im Glauben fest. Das erste Stichwort, so Pater Andreas, sei die Pfarrei bzw. Gemeinde. Er selbst sei in einer klassischen Pfarrei aufgewachsen. „Da gab es alles, was so dazu gehört“, so Pater Andreas: Einen Kirchenchor, Jugendgruppen, Messdiener und einen „starken Pfarrer aus dem Münsterland“. Doch ihm sei bewusst, dass es eine solche Pfarrei in diesem Stil in absehbarer Zeit kaum noch, oder vielleicht gar nicht mehr geben werde. „Aber ich weiß leider nicht, was an diese Stelle treten könnte“, bekannte der Pater - und bat den Herrn zugleich um Heilige, „die die kreative Kraft und Begabung haben, Neues zu denken.“ 

Und der Prämonstratenser-Pater ging auch auf das Amtsverständnis der Priester und Bischöfe ein. Dies, so bekannte er, sei schon „sehr stark geprägt von einem sakramentalen Charakter“. Was zum Beispiel bei einer Priesterweihe dem Kandidaten für ein „heiliger Rucksack“ auf die Schultern gelegt werde, habe eine „gewisse Überhöhung“ zur Folge, der mancher nicht gewachsen sei. Einerseits sei der Titel „Hochwürden“ fast verschwunden, und die Verbindung des Amtes mit Christus wolle er auch nicht abschaffen. Doch wie das katholische Amtsverständnis mit den demokratischen Werten unserer Zeit vereinbar sei, auch dafür brauche es neue Vorbilder, neue Heilige. Dies gelte ebenso für die Weitergabe des Glaubens an die nächste Generation. „Bitte schicke sie, schenke sie uns“, bat Pater Andreas eindringlich - und machte den Zuhörern zugleich Hoffnung, dass Gott auch für unsere Zeit die richtigen Heiligen schicke. 

Doch neben diesen nachdenklichen Tönen wurde auch gefeiert: Als die Gottesdienstbesucher in der St. Petri am Schleinufer nach der Messe die Kirche verließen, lag bereits der Duft von Steaks und Würstchen in der Luft - die Gemeinde hatte zum Norbertfest eingeladen.

Gefeiert wurde am Nachmittag auch nebenan in der evangelischen Wallonerkirche. Als „Geburtsfest“ der Kirche und Fest des Heiligen Geistes ist Pfingsten auch stets verbunden mit der Bitte um Einheit der Christen. Gleich fünf Konfessionen waren zusammengekommen, um gemeinsam für diese Einheit zu bitten. „Trotz aller Verschiedenheit sind wir geeint in einem gemeinsamen Fundament - Jesus Christus“, betonte Monika Peisker, Pfarrerin der evangelischen Hoffnungs- und Altstadtgemeinde in Magdeburg.

Zusammen mit Diakon Wolfgang Gerlich von der katholischen Kathedralpfarrei St. Sebastian, dem russisch-orthodoxen Erzpriester Boris Ustimenko sowie Pastor Karl-Heinz Wegner von der freikirchlichen Christusgemeinde stand sie gemeinsam am Altar - ein Zeichen der „versöhnten Verschiedenheit“ und doch verbunden mit der Bitte um eine stärker sichtbare Einheit. Mit dabei war auch ein Chor der rum-orthodoxen Christen, die vorwiegend aus Syrien stammen.

Gemeinsam haben Christen aller Konfessionen einen wichtigen Auftrag, betonte Pastor Wegner: „Durch uns will Jesus die Welt umgestalten. ... Lassen wir uns anhauchen, berufen und in Bewegung bringen.“

(OG; Foto: Gierens)

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