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Glaube und Vernunft ins Gespräch bringen

Requiem für Papst em. Benedikt XVI. in der Katherdale St. Sebastian

Mit einem feierlichen Requiem nahm das Bistum Magdeburg Abschied von Papst em. Benedikt XVI., der am Silvestertag in Rom im Alter von 95 Jahren verstorben war. Bischof Dr. Gerhard Feige würdigte den „demütigen Arbeiter im Weinberg des Herrn“ als einen weisen Professor auf dem Stuhle Petri, dem es ein großes Anliegen gewesen sei, Glaube und Vernunft ins Gespräch zu bringen.

Der Bischof ließ den emeritierte Papst noch einmal selbst zu Wort kommen, in dem er die, vermeintlich schönste Predigt Benedikts, die er bei seinem Besuch in Regensburg im Jahr 2006 gehalten hatte, verlas. „Wer glaubt, ist nie allein.“

Darin heißt es: „Wir glauben an Gott. Das ist unser Grundentscheid. Aber nun noch einmal die Frage: Kann man das heute noch? Ist das vernünftig? Seit der Aufklärung arbeitet wenigstens ein Teil der Wissenschaft emsig daran, eine Welterklärung zu finden, in der Gott überflüssig wird. Und so soll er auch für unser Leben überflüssig werden. Aber sooft man auch meinen konnte, man sei nahe daran, es geschafft zu haben – immer wieder zeigt sich: Das geht nicht auf. Die Sache mit dem Menschen geht nicht auf ohne Gott, und die Sache mit der Welt, dem ganzen Universum, geht nicht auf ohne ihn.“ Letztendlich käme eine Alternative heraus: „Was steht am Anfang: die schöpferische Vernunft, der Schöpfergeist, der alles wirkt und sich entfalten lässt oder das Unvernünftige, das vernunftlos sonderbarerweise einen mathematisch geordneten Kosmos hervorbringt und auch den Menschen, seine Vernunft. Aber die wäre dann nur ein Zufall der Evolution und im letzten also doch auch etwas Unvernünftiges.“

„Wir Christen sagen: Ich glaube an Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde – an den Schöpfer Geist. Wir glauben, dass das ewige Wort, die Vernunft am Anfang steht und nicht die Unvernunft. Mit diesem Glauben brauchen wir uns nicht zu verstecken, mit ihm brauchen wir nicht zu fürchten, uns auf einem Holzweg zu befinden. Freuen wir uns, dass wir Gott kennen dürfen, und versuchen wir, auch anderen die Vernunft des Glaubens zugänglich zu machen, wie es der heilige Petrus den Christen seiner Zeit und so auch uns ausdrücklich in seinem ersten Brief aufgetragen hat. (1 Petr 3, 15).“

Benedikt XVI. stellte dann die Frage, an welchen Gott wir denn glauben? „Nun, eben an den Gott, der Schöpfergeist ist, schöpferische Vernunft, von der alles kommt und von der wir kommen. (…). Diese schöpferische Vernunft ist Güte. Sie ist Liebe. Sie hat ein Gesicht. Gott lässt uns nicht im Dunklen tappen. Er hat sich gezeigt als Mensch. So groß ist er, dass er es sich leisten kann, ganz klein zu werden.“ Gott habe ein menschliches Gesicht angenommen. „Er liebt uns bis dahin, dass er sich für uns ans Kreuz nageln läßt, um die Leiden der Menschheit zum Herzen Gottes hinaufzutragen. Heute, wo wir die Pathologien und die lebensgefährlichen Erkrankungen der Religion und der Vernunft sehen, die Zerstörungen des Gottesbildes durch Hass und Fanatismus, ist es wichtig, klar zu sagen, welchem Gott wir glauben und zu diesem menschlichen Antlitz Gottes zu stehen. Erst das erlöst uns von der Gottesangst, aus der letztlich der moderne Atheismus geboren wurde. Erst dieser Gott erlöst uns von der Weltangst und von der Furcht vor der Leere des eigenen Daseins. Erst durch das Hinschauen auf Jesus Christus wird die Freude an Gott voll, wird zur erlösten Freude. Richten wir in dieser festlichen Feier der Eucharistie unseren Blick auf den Herrn der hier am Kreuz vor uns aufgerichtet ist, und bitten wir ihn um die große Freude, die er in seiner Abschiedsstunde den Jüngern verheißen hat (Joh 16, 24).“

Konzelebranten bei dieser Totenmesse waren Bischof em. Leo Nowak, Generalvikar Dr. Bernhard Scholz, Dompropst Reinhold Pfafferodt und Kathedralpfarrer Daniel Rudloff sowie als assistierender Diakon Wolfgang Gerlich. Musikalisch wurde das Requiem von Kathedralmusiker Matthias Mück und der Kathedralschola gestaltet.

(sus; VaticanNews; Foto: Sperling)

Predigt von Benedikt XVI., Regensburg 2006 zum Download

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