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Tango-Kommunikation

Tango-Seminar soll Paaren helfen, sich neu zu erleben und gemeinsam zu wachsen

Ungewöhnliche Tangoklänge erschallen im Magdeburger Roncalli-Haus: Der Fachbereich Pastoral des Bistums hatte zu einem besonderen Kurs eingeladen. Das Tango-Seminar sollte Paaren helfen, sich neu zu erleben und gemeinsam zu wachsen.

Acht Paare bewegen sich zu argentinischen Tangoklängen durch den großen Saal im Magdeburger Roncalli-Haus. Die Unterarme übereinander gelegt, soll eine Person die andere führen – nur durch Gesten, Bewegungen, Blickkontakt oder andere non-verbale Kommunikation.

Was die Tangolehrer Britta Weigand und Oliver Trisch aus Berlin hier veranstalten, ist kein gewöhnlicher Tanzkurs. Es geht um Kommunikation bei Paaren, die in diesem Tagesseminar lernen sollen, intensiver aufeinander zu achten, die Signale des Anderen zu verstehen und richtig zu deuten. „Der Tango Argentino eignet sich dafür besonders gut“, sagt Britta Weigand. Denn bei diesem Tanz gibt es keine vorgegebenen Grundschritte. Hier, so Weigand, könne jedesmal etwas Neues, Unerwartetes passieren. Die Paare werden somit geschult, aufeinander einzugehen, aber auch bei sich zu bleiben. Das lasse sich auf den Alltag, das gemeinsame Leben der Paare übertragen. Wie gehen Paare miteinander um, wie reden sie miteinander? Um diese Fragen dreht sich das Seminar rund um das Weltkulturerbe des Tango Argentino.

Eigens für diesen Kurs sind Sonja und Michael Weninger aus Dessau angereist. „Der Tango Argentino ist eher ein Improvisationstanz“, erzählt Sonja Weninger. „Es gibt keine festgelegten Vorgaben, und es muss auch nicht immer der Mann führen.“ Im Alltag gebe es oft unbestimmte Muster, denen man folge. Deswegen sei es zu Beginn des Seminars vor allem um die Wahrnehmung gegangen, um das eigene Gleichgewicht, um Körpersprache. „Ich muss selber wissen, was ich will und das dem Partner ohne Worte kommunizieren“, sagt Sonja Weninger. „Wenn man zögert oder zaudert, ist das für den Anderen unklar.“

Neben Tangounterricht und Tango-Performances haben sich Britta Weigand und Oliver Trisch auf Kommunikationstraining spezialisiert. Seit 2015 bieten die Gründer von „tangoarbeit“ verschiedene Kurse an, unter anderem zur Schulung von Führungskräften durch den Tango Argentino. „Es gibt viele Klischees rund um den Tango“, sagt Oliver Trisch. „Zu Beginn eines Seminars sagen die Teilnehmer oft: Es geht um Erotik, der Mann führt, die Farben rot und schwarz. Am Ende des Seminars sprechen sie dann eher von Kontakt oder Konzentration.“

Genau das üben die Teilnehmer im Roncalli-Haus: In einer Übung sollen sie immer im Wechsel bis drei zählen, dann mehr und mehr die Zahlen durch Gesten ersetzen. Je mehr Gestik ins Spiel kommt, desto mehr müssen sie sich konzentrieren. Trotz aller Anstrengung: Der Spaß an Tanz und Bewegung geht ihnen dabei nicht verloren. „Es geht hier ebenso um Geselligkeit“, meint auch Sonja Weninger.

(OG: Foto: Gierens)

 

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