Bistumskarte

Bischof: Angriffe schaffen keine dauerhafte Lösung

Magdeburg (pbm) - Weitere massive Angriffe auf Ziele in Afghanistan führen nach Ansicht des katholischen Bischofs von Magdeburg, Leo Nowak, nicht zu einer dauerhaften Lösung der Krise. Zu groß seien dabei die Leiden der Zivilbevölkerung, heißt es in einem Brief an die Kirchengemeinden des Bistums, der am Sonntag, dem 21. Oktober, in den Gottesdiensten verlesen wird. Nowak verurteilt darin zugleich alle Formen fundamentalistischer und menschenfeindlicher Religionsauslegungen. "Es gibt keinen Gott, der das Töten unschuldiger Menschen gut heißt", erinnert er. Obwohl auch die Christen in ihrer Geschichte Schuld auf sich geladen hätten, bleibe Gott doch der den Menschen zugewandte, liebende Gott. Eine Rückbesinnung darauf sieht Bischof Nowak als "dringend angemahnt". Die katholischen Christen im Bistum Magdeburg fordert er auf für die Opfer und Täter zu beten und dafür, dass die Politiker zu einer guten Lösung des Konfliktes finden. Bischof: Angriffe schaffen keine dauerhafte Lösung

Das Schreiben des Bischofs im Wortlaut:

Magdeburg am 18.10.2001

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

die Anschläge islamistischer Fundamentalisten in den USA haben eine militärische Antwort nach sich gezogen. Angst vor Gewalt und Terror prägen vielfach den Alltag. Dies führt auch zu einer Krise des gesellschaftlichen Selbstverständnisses der westlichen Zivilisation. "Nichts ist mehr so wie vor dem 11. September" - so hören wir es dieser Tage immer wieder. Angesichts des Elends in Afghanistan und angesichts der wachsenden Angst vor neuem Terror stellen wir viele - oft schon alte - Fragen mit ganz neuer Intensität :

Was sollen wir tun?
Wie sind terroristische menschenverachtende Verirrungen effektiv zu bekämpfen?
Wo ist die Grenze zwischen gerechter Bestrafung und unbarmherziger Vergeltung?
Welche Strukturen unseres weltwirtschaftlichen Miteinanders tragen vielleicht bei zu diesem Hass auf unsere westliche Zivilisation?
Welche Werte unserer Zivilisation haben wir wirklich zu verteidigen?

Nicht nur Christen fragen sich, inwiefern Gewalt als Gegenmittel ethisch zu vertreten ist. Schnelle Antworten auf diese Fragen erweisen sich oft als unzureichend. Zurück bleiben Ratlosigkeit und zuweilen auch Ohnmacht und Wut.

Dennoch: Angesichts ziviler Opfer bei anhaltenden massiven Angriffen auf Afghanistan droht eine unübersehbare Eskalation der Gewalt. Diese lässt in der aktuellen Situation der Weltgemeinschaft eine dauerhafte Lösung der ursächlichen Probleme nicht erwarten.

Und: Ein immer wieder ins Feld geführter angeblicher "Kampf der Religionen und Kulturen" darf nicht stattfinden. Eine Absage an alle Formen fundamentalistischer und letztlich menschenfeindlicher Religionsauslegung muss laut und deutlich erfolgen.

Denn eines ist klar: Es gibt keinen Gott eines "Heiligen Krieges". Es gibt keinen Gott, der das Töten unschuldiger Menschen gut heißt, sei es aus Eifer für die Religion, aus Rache, aus Vergeltung oder aus Verzweiflung. Wir können Gott nicht zur Verantwortung ziehen für das Unrecht, das Menschen einander antun.

Darüber hinaus muss sich unsere westliche Zivilisation ihrer tiefen und guten Wurzeln im christlichen Denken bewusst werden. Auch wenn wir Christen selbst in der Geschichte bisweilen durch Missbrauch von Macht und Religion schuldig geworden sind, behält die Botschaft vom liebenden Gott ihre Gültigkeit. Das Evangelium fordert ganz klar: Frieden und Gerechtigkeit sollen das Maß unseres Handelns sein, auch wenn wir selbst immer wieder hinter diesem Anspruch zurückbleiben. Auf dieser christlichen Sicht der Welt und des Menschen basieren auch die uns selbstverständlichen Werte wie Freiheit, Unversehrtheit der menschlichen Würde und Gerechtigkeit. Diese Werte dürfen wir nicht aufgeben. Eine Rückbesinnung auf die menschenfreundliche Dimension des Gottesglaubens ist dafür die Grundlage und dringend angemahnt.

Wer dem liebenden Gott im Gefüge dieser Welt keinen Platz einräumt, muss in Kauf nehmen, dass menschenverachtende Boshaftigkeit im Zerrbild von Religion immer mehr Macht gewinnt.

Das eigene Ringen und das Gebet um Frieden und Gerechtigkeit sind eine gute Möglichkeit des Umganges mit Angst und Ratlosigkeit, aber auch unserer Wut und dem Wunsch nach Rache. Das Gebet schenkt uns die Einsicht in unsere eigene Unvollkommenheit und die Kraft zur Vergebung. Es verleiht uns die Zuversicht, dass das Böse durch das Gute überwunden werden kann.

Ich bitte Euch deshalb alle eindringlich, für Frieden und Gerechtigkeit zu beten und in Euren Gemeinden miteinander über die Fragen dieser Zeit ins Gespräch zu kommen. Am Sonntag, den 28.10.2001 sollte in allen Gemeinden in geeigneter Weise dieses Gebetsanliegens gedacht werden.

Trauen wir es der Kraft des Gebetes und dem guten Geist Gottes zu, uns selbst und diese Welt zu verändern.

Es segne und bewahre uns und diese Welt der barmherzige und liebende Gott!

Euer Bischof
Leo Nowak

Hilfreiche Texte:
"Gerechter Friede" Die deutschen Bischöfe Nr.66 27.09.2000, Zu beziehen über das Sekretariat der deutschen Bischofskonferenz oder http://dbk.de/schriften/fs_schriften.htm
Gotteslob 31 1 ff.

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