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Informationen über Armenien und die armenische Kirche

Hautfarbe: Christentum
Im Jahr 301 - vor 1700 Jahren - empfing der armenische König Tiritades die Taufe und verwurzelte den christlichen Glauben in seinem gesamten Königreich. Armenien wurde - noch vor Rom - der erste Staat, der das Christentum als Staatsreligion deklarierte und das armenische Volk nahm den neuen Glauben an wie eine "Hautfarbe", so jedenfalls fasste es ein Geschichtsschreiber schon frühzeitig in Worte. Bis heute ist Armenier zu sein gleichbedeutend mit Christ sein. Das 1700-jährige Jubiläum feiern die Armenier überall auf der Welt, aber auch viele Christen verschiedener Konfessionen und Nationalitäten, die sich mit Armenien und den Armeniern verbunden fühlen.
Zur Geschichte
Armenien, das kleine Land mit hoher Kultur, war immer Zankapfel großer Mächte, war immer Grenzland zwischen östlichen und westlichen Reichen und deren entgegengesetzten Kulturen. Parther, Perser, Araber, Mongolen, Türken stehen auf der einen Seite; Griechen, Römer, Byzantiner, das Heilige Römische Reich, die Kreuzritter-Staaten und das russische Zaren-Reich auf der anderen Seite. Die Armenier versuchten, aus diesen gegensätzlichen Interessen durch Betonung ihrer Eigenständigkeit den größtmöglichen Vorteil zu ziehen und ihr Überleben zu sichern.
Die Perioden, in denen das armenische Volk über eine territoriale, politische und wirtschaftliche Einheit verfügte, waren sehr große aber nur kurze historische Momente, die längst vergangen sind. Seine Geschichte ist geprägt von Krieg, Vertreibung und Hungersnöten. Das Land war fast immer von fremden Herren besetzt, es wurde geteilt, von Kriegen überzogen, wieder vereinigt und wieder geteilt. Kleine Fürsten regierten und große Mächte. Die Armenier wurden immer wieder zerstreut. Schon im Mittelalter gab es große Auswanderungswellen. Aus dem ursprünglichen Volk von sesshaften Ackerbauern und Pferdezüchtern wurde ein Volk von umherziehenden Händlern und Handwerkern. Sein Schicksal ist in vieler Hinsicht mit dem jüdischen Volk vergleichbar.
Am tragischsten für das armenische Volk war in den Jahren 1915 bis 1916 seine vollständige Vertreibung aus dem Gebiet Anatoliens, in dem es über zweieinhalb Jahrtausende gelebt hatte. Die historisch und ethnisch älteste und kulturell am höchsten entwickelte Bevölkerungsschicht wurde vollständig vertrieben und physisch weitgehend vernichtet.
Die herrschenden türkischen Nationalisten nutzten die Zeit des Ersten Weltkriegs um fast unbehelligt von der Weltöffentlichkeit mit Duldung und Unterstützung der militärischen und politischen Führung Deutschlands den ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts zu begehen. Die Zahl der Toten wird auf eineinhalb Millionen geschätzt, ebenso hoch ist die Zahl derer, die diese Hölle überlebten und ins Exil flüchteten.
Die internationale Gemeinschaft vergaß in den Nachkriegsjahren sehr schnell das Versprechen, für einen armenischen Staat innerhalb gesicherter Grenzen einzutreten. Die international anerkannten Rechte der Armenier wurden mit Rücksicht auf gute Beziehungen zur Türkei und den Muslimen ignoriert. In der Türkei wird dieser Genozid bis heute geleugnet. Die ihn eingestehen, werden verfolgt.
Für die Nazis im Hitlerdeutschland war der Genozid an den Armeniern Vorbild für die Vernichtung des jüdischen Volkes. - Franz Werfels eindrucksvolles Epos "Die vierzig Tage des Musa Dagh", das den Völkermord an den Armeniern in Erinnerung ruft, wurde von ihnen auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
Seit dem Jahre 1991 gibt es auf einem kleinen Teil des angestammten Territoriums wieder einen unabhängigen armenischen Staat. Seine Gründung kann als bestimmendes Ereignis der jüngsten armenischen Geschichte und als logisches Ergebnis des nationalen Befreiungskampfes angesehen werden.
Leider wird die Freude über die errungene Unabhängigkeit wegen der schwierigen Wirtschaftslage ist gedämpft. Das heutige Armenien ist einer der Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Es besitzt keine nennenswerten Energiequellen, wurde 1988 von einem verheerenden Erdbeben heimgesucht, in einen Krieg um die Enklave Karabach hineingezogen und war danach jahrelang einer totalen Blockade seitens der muslimischen Nachbarn Türkei und Aserbaidschan ausgesetzt. Seit 1992 haben mehr als 700 000 Armenier ihre Heimat verlassen. Heute hat das Land etwa drei Millionen Einwohner, viel mehr - rund fünf Millionen - leben verstreut über die ganze Erde.
Über viele Jahrhunderte konnten die Armenier auch in der weltweiten Zerstreuung Dank der eigenen hohen Kultur, Dank der eigenen Sprache und Schrift und vor allem auch auf Grund der eigenen Kirche ihre unverwechselbare nationale Identität bewahren. Heute besteht für das armenische Volk die große Gefahr, dass mit zunehmender Globalisierung und Säkularisierung, mit dem Streben der Jugend nach westlichen Vorbildern von Freiheit und Unabhängigkeit, mit der Auflösung der starken armenischen Familienbande, sich überhaupt alles Armenische auflöst und somit die nationale Identität verlorengeht.
Die Armenische Kirche
Die Armenische Kirche wurde der Überlieferung zufolge durch die Apostel Taddeus und Bartholomäus bereits im ersten Jahrhundert gegründet. Mit ihrem Märtyrertod wurde der Apostelstuhl errichtet, die Armenisch Apostolische Kirche. Schon sehr früh verschmolzen in ihr religiöses und nationales Bekenntnis zu einer untrennbaren Einheit, und über Jahrhunderte fehlender Eigenstaatlichkeit hinweg bildete die Kirche den einzigen Zusammenhalt des weltweit zerstreuten Volkes.
Die armenische Kirche hatte die Konzilsbeschlüsse von Chalcedon weniger wegen der Inhalte abgelehnt, als vielmehr wegen der Betonung ihrer Eigenständigkeit gegenüber Byzanz. So wird sie bis heute gemeinsam mit den Kopten, Äthiopiern und Syrern zu den altorientalischen Kirchen gezählt, weil sie nur die Beschlüsse der ersten drei gesamt-ökumenischen Konzilien anerkennt und sich weder Byzanz noch Rom unterwarf.
Kirchentrennende Glaubensunterschiede gegenüber der Römischen Kirche bestehen im Grunde nicht. Vor dem Hintergrund ihrer uralten Erfahrungen mit Übergriffen auf Glaubensfreiheiten betonen die Sprecher der armenischen Kirche bei der ökumenischen Zusammenarbeit die Freiheit und Eigenständigkeit der Einzelkirchen, die Einheit der Kirche Christi in der Vielfalt.
Die armenische Kirche musste sich stets fremder Missionsversuche, vor allem der Islamisierung, aber auch der Latinisierung erwehren. Kein anderes Volk ist so lange und grausam um seiner Zugehörigkeit zum christlichen Glauben willen verfolgt worden wie die Armenier. Immer wieder ließen sich armenische Männer und Frauen massakrieren und foltern oder flüchteten in den Freitod, ohne ihre Religion und damit ihre Nation zu verleugnen. "Wir sind bereit, lieber mit unseren Vätern in die Hölle zu fahren, als mit den Römern in den Himmel emporzusteigen", hatte im Mittelalter ein armenischer Bischof gegen die römische Mission polemisiert. Die Missionen der byzantinischen Orthodoxie, des römischen Katholizismus und der evangelischen Kirchen Westeuropas und der USA konnten dieser ältesten und abwehrfähigsten christlichen Kirche nur in ganz bescheidenem Umfang Gläubige abtrünnig machen.
In der Zeit des Stalinschen Terrors wurden mehr als 3000 armenische Kirchen und Klöster geplündert und zerstört. Etwa 10000 Geistliche wurden ermordet oder starben in im Gulag. Katholikos Horen I., höchster Würdenträger der armenischen Kirche, wurde von Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes 1938 in seiner Kathedrale mit einem Seil erwürgt.
Trotz der Ehrerbietung die nahezu alle Armenier ihrer Kirche vor allem wegen ihrer Rolle in der Vergangenheit entgegenbringen, befindet sie sich heute in einer tiefen Krise. Nach 70 Jahren Zwangsatheismus ist sie den neuen Problemen grenzenloser Freiheit in der modernen Gesellschaft weder personell noch materiell gewachsen. Die Säkularisierung hat auch in Armenien bedrohliche Ausmaße angenommen. Die Kirche hat noch keine Antworten auf diese Herausforderungen gefunden.

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