Bistumskarte

Kirche, Krankenhaus und Schule verkörpern die Grundfunktionen des Christseins

Ansprache zur Einweihung der
St. Franziskus-Grundschule für Halle


Als gebürtiger Hallenser ist es mir eine besondere Freude, am heutigen Tag hier in meiner Heimatstadt eine katholische Grundschule einweihen zu können.

Ich erinnere mich dabei mit sehr gemischten Gefühlen meiner Schulzeit unter ganz anderen gesellschaftlichen Verhältnissen: der ersten acht Jahre in der Glauchaschule II und der zum Abitur hinführenden folgenden vier Jahre in der sogenannten Erweiterten Oberschule "August-Hermann-Francke".

Damals konnte ich nur noch davon erzählen hören, dass es auch in Halle einmal eine katholische Volksschule gegeben habe. Sie war 1864 öffentlich anerkannt und nach Jahrzehnten segensreichen Wirkens durch die Nationalsozialisten wieder aufgelöst worden. Einige ihrer ehemaligen Lehrerinnen habe ich in meiner Jugendzeit sogar noch kennengelernt, und manche Ältere in unseren Gemeinden bezeugen bis heute die Verdienste dieser Schule.

Mit ihr kam schon damals zum Ausdruck, dass katholische Kirche nicht nur Gottesdienst feiert und sich sozial-caritativ engagiert, sondern auch ihren Verkündigungs- und Bildungsauftrag sehr ernst nimmt. Kirche, Krankenhaus und Schule verkörpern gewissermaßen die drei Grundfunktionen unseres Christseins: Gott die Ehre zu erweisen, Bedürftigen beizustehen und Suchenden die Augen für christliche Werte und Haltungen zu öffnen.

Ich freue mich, dass in Halle auch dieser dritte Aspekt mit dem seit zehn Jahren bestehenden Gymnasium und der nunmehr eingeweihten Grundschule eine deutliche Verstärkung erfahren hat.

Ohne das Zusammenwirken vieler wäre es freilich nicht zur Gründung dieser Schule gekommen. Und so möchte ich an dieser Stelle zunächst einmal - auch im Namen von Bischof Leo - allen sehr herzlich danken, die dazu beigetragen haben: besonders den Eltern des Initiativkreises, die sich durch nichts entmutigen ließen, aber auch der Leitung unserer bischöflichen Schulabteilung, den dafür zuständigen Vertretern der Stadt Halle, der Dreieinigkeitsgemeinde, auf deren Territorium die Schule vorerst ein Zuhause gefunden hat, sowie der Schulleiterin Frau Wiese und Frau Jung als weitere Lehrerin. Große
Schwierigkeiten galt es zu überwinden, und manche dauern immer noch an.

Auch wenn das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland die Errichtung von Schulen in privaten Trägerschaften sichert und ein staatliches Schulmonopol verhindert, werden solche Alternativen doch noch nicht überall als echte Bereicherung verstanden. Vielmehr ist gelegentlich der Vorwurf zu hören, man wolle sich von den anderen abkapseln und dünke sich, etwas besseres zu sein. Auch innerkirchlich wird zu bedenken gegeben, ob es nicht lebenstüchtiger mache, inmitten Andersdenkender heranzuwachsen als sich jahrelang im Kreise Gleichgesinnter zu bewegen. Und außerdem befürchten manche, dass der Besuch einer katholischen Schule eigenartigerweise Kinder und Eltern sogar den Gemeinden entfremden könne.

Solche Anfragen sollten wir nicht leichtfertig abtun. Sie könnten uns Ansporn sein, unsere Motive zu überprüfen und Gegenbeweise anzutreten.
Auf jeden Fall versteht sich keine unserer katholischen Schulen als elitäre Lehranstalt für Besserverdienende, religiöses Ghetto oder liberales Konkurrenzunternehmen zu den Ortsgemeinden. Mit ihnen soll vielmehr den Eltern eine Möglichkeit geboten werden, ihre Erziehung im christlichen Geist zu ergänzen, und den Schülern, nicht nur gediegene Kenntnisse zu erwerben und sich ganzheitlich zu entfalten, sondern auch ihr Leben und die Welt tiefer zu verstehen. In unserer extremen Diasporasituation kann eine solche Schule darüber hinaus auch jungen Christen, die sich sonst fast nur als gesellschaftliche Außenseiter erleben, zu einem einigermaßen gesunden Selbstbewußtsein verhelfen. Dabei ersetzt jedoch auch eine katholische Schule weder die Familie noch die Zugehörigkeit zu einer lebendigen Gemeinde.

Darum sehe ich es als äußerst wichtig an und bitte dringend darum, dass die katholischen Gemeinden Halles noch mehr den Wert ihrer beiden Schulen erkennen und mit ihnen in einen lebendigen Austausch treten. Dieses gilt natürlich auch umgekehrt. Zugleich rufe ich aber auch alle katholischen Eltern, die Kinder an unseren Schulen haben, auf, in ihrem gemeindlichen Engagement nicht nachzulassen.

Ich wünsche der heute eingeweihten Grundschule St. Franziskus eine erfolgreiche Entwicklung mit einer wachsenden Schülerzahl, einem überzeugenden Unterricht und einem liebenswürdigen Geist. Und ich hoffe mit vielen, dass es nicht allzu lange dauert, bis sich in der Stadt Halle doch noch geeignetere Räumlichkeiten für diese Schule finden lassen.

G. Feige
Weihbischof

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