Bistumskarte

Netzwerk Leben-Errichtung beendet, Initiative wird Stiftung öffentlichen Rechts

Magdeburg (pbm) - Das Netzwerk Leben hat bei einem Pressegespräch kürzlich das Ende der Aufbauphase der Initiative bekannt gegeben. Zugleich zog der bischöfliche Beauftragte für die Errichtung der offenen Initiative, Stephan Rether, Bilanz und skizzierte die künftige Entwicklung. Zugleich kündigte Bischof Leo Nowak an, das Netzwerk vom kommenden Jahr an als Stiftung öffentlichen und kirchlichen Rechts fortzuführen. Das Kuratorium werde mit Vertretern des Diözesan-Caritasverbandes und der Hauptabteilung Pastoral des Ordinariates besetzt. Als designierte Geschäftsführerin nannte Nowak die Caritas-Familienreferentin Christine Halm.

Nachfolgend dokumentieren wir das Statement Stephan Rethers.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich, dass Sie an unserem Gespräch teilnehmen und danke Ihnen herzlich. Sie wissen, wir hatten mit Ihnen und Ihren Kollegen mittlerweile schon weit über ein Jahr zu tun. Ich erinnere mich an das Pressefrühstück Ende 1999. Ich glaube, dies war der Auftakt einer guten und regen Zusammenarbeit.

Nun ist der Zeitpunkt gekommen, an dem ich mein Mandat, mich um die Errichtung des Netzwerk Leben zu kümmern, an den Bischof zurückgebe. Man kann nicht immer nur "errichten", irgendwann soll der Zeitpunkt kommen, wo man sagen kann: "Der Aufbau ist abgeschlossen, die Startphase beendet, wir sind da."

Ich möchte aus Anlass der Beendigung der Arbeit der "Aufbaumannschaft" Ihnen einen kurzen Rückblick, eine kleine sogenannte "Erst-Jahres-Bilanz" anbieten:

Wir sind vor einem Jahr angetreten mit der neuen Unternehmung "NETZWERK LEBEN ... eine offene Initiative der Katholischen Kirche". Hierbei hatten wir folgende Ziele im Blick:
- eine Vernetzung von ehrenamtlichem Einsatz, von Unternehmen und Verbänden, von kirchlichen und außerkirchlichen Institutionen und Einrichtungen
- eine vernetzte Zusammenarbeit ohne konfessionelle oder sonstige Zugangsbedingungen
- eine Initiative in innovativer Konzeption
- und dies alles, um im Ergebnis noch wirksamer, noch tatkräftiger und besser helfen zu können, der schwangeren Frau, der Alleinerziehenden, den Eltern und Kindern.

Sie wissen alle, dass bei einem derartigen, für alle beteiligten anspruchsvollen Vorhaben, initiiert durch unsere Kirche, die hierzulande ja nicht gerade "ein Heimspiel hat", dass unter diesen Voraussetzungen ein Jahr kein zu langer Zeitraum ist, um sagen zu können: "Wir haben die uns gesteckten Ziele erreicht, wir, das Netzwerk Leben, wir sind da!"

Wir haben ein nahezu flächendeckendes Netz von Ansprechpartnern in Sachsen-Anhalt und den westlichen Teilen von Brandenburg und Sachsen. Insgesamt ca. 60 Unternehmen, Einrichtungen und Verbände, 140 engagierte Menschen im Ehrenamt und eine Vielzahl kirchlicher Institutionen, die nicht nur bereit sind, zu helfen. Nein, die in großer Zahl bereits in diesem Jahr helfen konnten.

Diese Zusammenarbeit wächst, nicht nur an der Zahl, sondern auch an der Qualität. Hierauf haben wir von Anfang an großen Wert gelegt, sodass bereits im ersten Jahr zwei Fortbildungsveranstaltungen für ehrenamtliche Partner angeboten und mit großem Zuspruch durchgeführt werden konnten. Es ist tatsächlich ein Netzwerk entstanden, das in der Vernetzung zusammenhält und trägt.

Das NETZWERK LEBEN ist eine offene Initiative.
Diese vorbehaltlose Einladung an jedermann, ohne konfessionelle oder sonstige Zugangsbedingungen in diesem Netzwerk mitzuarbeiten, dieser Einladung sind viele Menschen, Verbände und Einrichtungen gefolgt, die sich nicht zu unserer Kirche bekennen, die sich aber von Herzen mit der Konzeption und vor allen Dingen mit den Zielen des Netzwerk Leben identifizieren. So schätze ich, dass unter den ehrenamtlich Engagierten - nach meinen Beobachtungen, eine Abfrage hat es hier selbstverständlich nicht gegeben - wohl ca. die Hälfte Menschen sind, die nicht am kirchengemeindlichen Leben teilnehmen. Ich bin glücklich und froh, dass die Qualität des Netzwerk Leben als offene Intitiative kein Lippenbekenntnis ist, sondern sich durch die Partnerschaften realisiert hat. Allein mit und durch diese Offenheit sind wir in der Lage und werden wir in der Lage bleiben, mit diesem hohen Anspruch zu helfen und zu begleiten.

Diese Hilfe erfolgt nach meiner Beobachtung durchaus in einer innovativen Konzeption.
Dies fängt an bei der Schaffung der Voraussetzungen, z. B. bei dem erfolgten Schutz der Marke Netzwerk Leben.
Sie geht über die Einrichtung der Freecall-Nummer 08001010817, die durchschnittlich über 140 mal/Monat in Anspruch genommen wurde, Tendenz weiter steigend.

Der zeitgemäße Ansatz erstreckt sich weiter über die Einrichtung und ständige Aktualisierung unserer Internetangebote/Adresse (die zuletzt 1.400 mal/Monat aufgerufen wurde) und viele andere konzeptionelle Maßnahmen bis hin zum bestehenden Netzwerkverbund.
Ich möchte es hier in großer Dankbarkeit betonen: Wo finden Sie eine Hilfskonzeption, in der so unterschiedliche Partner wie Menschen im Ehrenamt, Rechtsanwälte, Arbeitgeber und Ärzte, der Deutsche Familienbund und kommunale Wohnungsbaugesellschaften, die Schwangerschaftskonfliktberatungstelle und die Commerzbank Magdeburg, das Theater der Landeshauptstadt und städtische Verkehrsbetriebe gemeinsam sich für ein Ziel, für eine gemeinsame Aufgabe einsetzen?

Und diese Aufgabe, der wir uns gemeinsam gestellt haben, heißt nicht "nur als Katholische Kirche weiter beraten und helfen". Diese Aufgabe heißt, als Katholische Kirche gemeinsam mit vielen anderen noch wirksamer helfen zu können.

Bei aller Bescheidenheit darf ich, im Namen aller Partner im Netzwerk Leben, sagen: Ja, wir haben uns dieser Aufgabe gestellt und wir haben sie bewältigt. Wir haben bereits im ersten Jahr das Netzwerk Leben zahlreich, wirksam, mit großer Menschlichkeit und Fachkunde in einer Vielzahl unterschiedlicher Fälle geholfen, und dies muss das ausschlagebende Kriterium, der letzte Maßstab für Erfolg oder Scheitern dieser wichtigen Aufgabe sein:
Es gibt einen Spendenfonds im Netzwerk Leben, dessen Einnahmen allein und ausschließlich zu 100 % als finanzielle Hilfe zur Verfügung stehen. Mit großer Hochachtung vor den Menschen in einer Region, die sicherlich nicht zu der finanzstärksten gehört, teile ich Ihnen mit, dass in diesen Fonds seit Einrichtung in diesem Jahr über 35.000,00 DM eingegangen sind.

Auch an dieser Stelle allen Spendern ein ganz herzliches Dankeschön. Mit den Spenden konnte in 38 Fällen finanziell geholfen werden: Z. B. durch Finanzierung einer Kindererstausstattung, durch Unterstützung bei notwendigen Wohnungsumbaumaßnahmen, um die nötigen Räume für die größer werdende Familie zu schaffen, in vielen anderen Fällen. Die Geldvergabe erfolgte nach vorangegangener Prüfung durch eine kleine "Vergabekommission".
Wir haben Arbeitsverhältnisse vermittelt, auf Grund grundsätzlicher Kooperationsbereitschaft einzelner Arbeitgeber. Z. B. konnte eine Frau bei einem großen überregional tätigen Unternehmen im nördlichen Magdeburger Raum eine Beschäftigung erhalten, für eine junge Mutter wurde eine Ausbildungsmöglichkeit geschaffen, die zugleich die Betreuung des Kindes und die familiären Belange zwischen Mutter und Kind berücksichtigt.
Wir haben Fahrdienste durchgeführt und schwangere Frauen und Eltern bei Gesprächen mit öffentlichen Behörden begleitet.
Wir haben die vier Beratungsstellen gehalten und ihre Leistungsfähigkeit ausgebaut, z. B. durch zusätzliche Angebote wie Kleiderkammer und Mutter-Kind-Gruppen. Allein unsere Beratungsstellen konnten im laufenden Jahr ca. 900 Menschen durch Rat und Tat unterstützen. Zum Vergleich: Im Vorjahr, also im Jahr 2000, hatten diese Beratungsstellen 1.090 Klientenverhältnisse. Es gibt dabei weiterhin Schwangerschaftskonfliktberatungen, zugegeben in deutlich geringerer Zahl, aber von den Frauen, die sich an uns wenden, mit der Erwartung, dass durch das Netzwerk Leben vielleicht nicht wirklich alles, aber doch weitaus mehr an Information und tatsächlicher Unterstützung möglich ist. Ich hoffe sehr, dass unsere Initiative in der Vergangenheit diese Hoffnungen nicht enttäuscht hat und auch künftig diese Erwartungen erfüllt.
Wir haben in dieser Region als Erste die Diskussion um zusätzliche Angebote für extreme Notsituationen - Babynest und anonyme Entbindung - angeschoben. Ich hatte mir persönlich gewünscht, dass wir zu einem früheren Zeitpunkt bereits die Träger entsprechender Einrichtungen und die öffentliche Verwaltung von der Notwendigkeit dieser Form von Hilfe überzeugen konnten. Dies ist uns nicht gelungen, aber das Netzwerk Leben wird in nächster Zeit auch hier erste verbindliche Angebote in der Öffentlichkeit vorstellen und Frauen in zunächst ausweglosen Situationen eine letzte Alternative zur Geburt an den unmöglichsten Stellen und zur Aussetzung des neugeborenen Kindes anbieten.

So bunt wie unser Leben, so vielfältig und unterschiedlich sind leider auch die individuellen Notlagen. Ich bitte Sie um Verständnis, dass ich mit Rücksicht auf den Persönlichkeitsschutz der betroffenen Menschen Ihnen keine konkreten Unterstützungsmaßnahmen genauer und detaillierter schildern werde - dies gebietet Anstand und Menschenwürde.
Ich bitte Sie aber zugleich auch um Verständnis, dass ich Ihnen auch abstrakt - nicht alle Formen der Unterstützung durch Netzwerk Leben schildern kann; wir haben stets versucht, im konkreten Einzelfall so fachkundig und wirksam wie eben möglich dazusein. Z. B. auch durch die Vermittlung von Mutter-Kind-Kuren, aber auch durch die kostenlose Zurverfügungstellung von Kurzurlauben zur Bewältigung kaum noch tragbarer Alltagssituationen in Einrichtungen unserer Partner.

Insgesamt denke ich, darf ich schon zu dem Ergebnis kommen, dass wir mittlerweile nicht mehr angetreten sind, eine Idee des Netzwerk Leben umzusetzen, sondern dass wir in vielen Bereichen bereits im ersten Jahr ganz wirksame, menschliche, qualitativ hochwertige Strukturen und Angebote geschaffen haben. Wir wollen nicht mehr antreten, wir sind da!

Diese Präsenz des Netzwerk Leben hat sich auch in ganz anderen Bereichen gezeigt:
- Auf dem Sachsen-Anhalt-Tag in Haldensleben und anderen Veranstaltungen,
- mit Informationsabenden in den einzelnen Regionen, mit fast schon unzähligen Öffentlichkeitskampagnen, z. B. in den Hallenser Bussen, den Dessauer Straßenbahnen,
- in Zeitungen und Zeitschriften, durch Werbung in Unternehmen (z. B. z. Z. C&A)
- durch viele Flyer in gynäkologischen Praxen und anderen Stellen, insgesamt - auch ausdrücklich dank Ihrer Hilfe -:

NETZWERK LEBEN ist da - als neue Unternehmung - als Konzept und herzliche Einladung zum Mitmachen - vor allen Dingen - so meine Hoffnung: Wir sind da, wenn Menschen Hilfe brauchen.

Die Aufbauarbeit ist somit beendet, die Aufbaumannschaft möchte sich von Ihnen verabschieden. Herr Waselewski wird neue Aufgaben im kirchlichen Umfeld übernehmen. Mein Mandat, im Auftrag des Bischofs von Magdeburg, das Netzwerk zu errichten, gebe ich Ihnen, Herr Bischof Nowak, zurück.

Ich möchte dies nicht tun, ohne zuvor Dank zu sagen:

Ich danke allen, die die Aufbauarbeit mit Rat und Tat unterstützt haben: Den Menschen, die sich in vielen Gesprächen mit mir Zeit zum Mitdenken und Nachdenken genommen haben, allen die sich in der Initiative und für die Initiative engagieren, persönlich, in ihren Funktionen und Ämtern, in den Leitungsfunktionen ihrer Unternehmen, Einrichtungen und Verbänden. Ich danke auch den Vertretern der kirchlichen Gremien, ganz besonders dem Katholikenrat im Bistum Magdeburg, der sich in der überaus sensiblen und fragilen Startphase der Initiative ausdrücklich für diese Entscheidung des Bischofs eingesetzt hat.

Ich danke allen meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, vor allen Dingen Ihnen, Herr Waselewski für Ihren Einsatz, Ihre Ideen, Ihr Engagement und für die stets gute und freundliche Zusammenarbeit. Im Vollzug der unternehmerischen Entscheidungen haben Sie nicht nur Engagement und Ideenreichtum, sondern auch Ausdauer und Beharrlichkeit bewiesen und damit viele Dinge, die im Nachhinein "so ganz einfach" aussehen, erst auf den Weg gebracht. Herr Waselewski, Sie werden sich anderen wichtigen Aufgaben im kirchlichen Raum widmen, mit einem herzlichen Dank für das gemeinsame Dienstjahr wünsche ich Ihnen - auch persönlich - für die Zukunft alles Gute und Gottes Segen.

Ich danke Ihnen, Herr Bischof Nowak, für das entgegengebrachte Vertrauen, für diese, für uns alle völlig neue Aufgabe. Ich danke Ihnen für Ihr stets gleichbleibend intensives Interesse an der Entwicklung der Initiative, für die zeitweise nötigen mutmachenden und kraftspendenden Worte und Gespräche. Ich danke Ihnen auch für die Gewissheit, dass es sich bei meinem Errichtungsmandat nicht um die geschäftsmäßige Delegation einer kirchlichen Aufgabe handelte, sondern um einen Auftrag, der Ihnen ganz persönlich und in Ihrem Amt in besonderem Maße am Herzen liegt. Ich hoffe, ich habe Sie und Ihre Erwartungen nicht enttäuscht.

Last but not least danke ich Ihnen und Ihren Kolleginnen und Kollegen aus dem Bereich von Presse, Funk und Fernsehen für Ihr von Anfang an bestehendes und stets ungeschmälert andauerndes Interesse an diesem Vorhaben. Ich danke Ihnen für Ihre seriöse, gute und stets wohlwollende Berichterstattung, die die Platzierung des NETZWERK LEBEN im gesellschaftlichen Bewusstsein erst ermöglicht hat.

Die bisherigen Erfahrungen haben Dank Ihrer Unterstützung für mich über den konkreten Auftrag hinaus auch drei Aspekte zusätzlich gezeigt:
1. Unsere Kirche hat in unserer Gesellschaft zusätzliches Profil gewonnen: Es wurde noch mehr deutlich, dass Kirche in ihrem Auftrag der Gesellschaft und dem einzelnen Menschen dient - die Initiative des Bischofs von Magdeburg wurde richtig verstanden. Nicht als kirchlicher Selbstzweck, sondern als dauerhafter Impuls für den gemeinsamen Dienst am Menschen, der unsere Hilfe und Unterstützung braucht.
2. Die Menschen in unserer Region - WIR - haben - Energie und Engagement. Anderenfalls wären wir gemeinsam noch so weit.
3. Unsere Gesellschaft - wir - sind uns der sozialen Verantwortung, der Verpflichtung zur Mitmenschlichkeit, zur Nächstenliebe durchaus bewusst. Sonst gäbe es diese Vielzahl unterschiedlichster Unterstützung nicht.

Ich habe mich über die stets gute und angenehme Zusammenarbeit gefreut, ohne Übertreibung kann ich sagen: "Ohne Sie ginge es nicht!" Vielen Dank und bleiben Sie dem NETZWERK LEBEN - und an dieser Stelle sage ich auch persönlich, als Leiter des Katholischen Büros: "bleiben Sie mir" gewogen.

Vielen Dank!
Stephan Rether

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