Bistumskarte

Bedeutung der Laien wird steigen

Vorsitzender des Katholikenrats im Gespräch

Magdeburg (pbm) - Auf der vierten Sitzung der Bistumsversammlung am letzten November-Wochenende werden erstmals Diskussionsvorlagen in der dritten und damit abschließenden Lesung behandelt werden. Auf der Tagesordnung stehen die Papiere zum Leitbild, zur Öffentlichkeitsarbeit sowie zu Liturgie, Verkündigung und Diakonie. Auch die Vorlage „Strukturen und Zuständigkeiten“ soll verabschiedet werden. Die Pressestelle sprach darüber mit dem Vorsitzenden des Katholikenrates im Bistum Magdeburg Wolfgang Müller.

Im Bistum Magdeburg ist es notwendig die Zahl der Pfarreien deutlich zu verringern. Wie stehen Sie als Vorsitzender des Katholikenrates dazu?
Wolfgang Müller: Sie haben hier nur einen Themenkreis aus der Vielzahl von PZG-Themenkomplexen heraus gegriffen. Deshalb ist es mir wichtig zu betonen, dass es nur ein Teil der zukünftigen Probleme ist, denen wir uns stellen und die gelöst werden müssen. Die Zahl der Pfarrgemeinden wird sich zukünftig ableiten aus der Zahl verfügbarer Priester in unserem Bis-tum. Dieser Tatsache muss man sich stellen, und es gilt dann, wirksame Strukturen zu finden, die diese drastische Veränderung in ihren Auswirkungen mildert.

Weite Wege zum Seelsorger, der Verlust alter und liebgewordener Strukturen und Gewohnheiten - werden die Gemeinden damit nicht überfordert?
Wolfgang Müller: Ich denke nicht. Zunehmende Mobilität und die Nutzung der neuen Kommunikationstechniken werden uns hier helfen. Auch ist denkbar, dass im neuen Gemeindeverbund, die "alte" Gemeinde in Form aktiver Einheiten in ihrem gewohnten Umfeld weiter intensiv zusammenarbeiten wird. Gemeinsame zentrale Veranstaltungen und Gremien sorgen dann für eine verbindende Klammer.

Was geschieht in Gemeinden, in denen künftig kein Priester mehr wohnt, wie steht der Katholikenrat dazu?
Wolfgang Müller: Der Katholikenrat stellt sich einfach der Realität. Wir sehen dies auch als Chance. So wird ganz sicher dem Laienengagement in der nächsten Zeit eine größere Rolle und Verantwortung für die lebendige Glaubensarbeit zufallen. Zumindest ist festzustellen, dass Gemeinden nicht aufgelöst, sondern in Gemeindeverbünden zusammengefasst werden.

Welche Auswirkungen hat die neue Seelsorgestruktur auf die Leitungsebene des Bistums?
Wolfgang Müller: Neue Strukturen verlangen auch neue Verantwortlichkeiten. Dies bedeutet, dass Priester und Laien aufeinander zugehen müssen. Das ist neu zu definieren. Beide Seiten müssen bereit sein, Dinge abzugeben und Neues aufzunehmen. Hier ist geschwisterliches Miteinander dringendst angeraten.

Wie wird der Katholikenrat die Neustrukturierung des Bistums unterstützen?
Wolfgang Müller: Dem Katholikenrat wird bei diesem Prozess ganz sicher eine aktive Rolle zufallen. Zum Ersten gilt es das Vorhaben auf breiter Basis zu erläutern. Ängste müssen abgebaut und die Gemeinden angeregt werden, den Prozess selbst aktiv und positiv zu gestalten und nicht gestalten zu lassen. Damit erreicht man sicherlich die größere Akzeptanz.

Welche Chancen sehen Sie in den Veränderungen, insbesondere für Laien?
Wolfgang Müller: Ich denke, einiges davon schon beantwortet zu haben. Vielleicht noch einige Ergänzungen und Unterstreichungen. Die Bedeutung der Laien für die Pastoral wird steigen. Laien können auf Grund ihres Fachwissens Positionen in der Bistumsleitung einnehmen, die jetzt Priester ausfüllen. Laien können wichtige Koordinations- und Informationsaufgaben im Gemeindeverband wahrnehmen. Die Zusammenlegung von Gemeinden wird Solidarität und Gemeinsamkeit stärken. Es wird ein besseres Miteinander im Glauben wachsen.

Im Verlauf des Zukunftsgesprächs hat sich immer mehr der Wunsch gezeigt nach einem stärkeren missionarischen Engagement der Gemeinden...
Wolfgang Müller: Es ist der Grundgedanke des PZG, aus der Diasporamentalität zu einer missionarischen Kirche aufzubrechen. Die Dokumente, die wir im PZG bearbeiten, bilden eine gute Grundlage für die Gemeinden, diese Aufgabe anzugehen. Wie mehrfach betont sehe ich viele Chance, gerade auch unter den veränderten Strukturen.

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