Bistumskarte

"Einladend, offen, dialogbereit"

Kirche unterwegs in die Zukunft

Magdeburg (pbm) - Die Christen im Bistum Magdeburg sollen sich stärker „einladend, offen und dialogbereit“ in der Gesellschaft engagieren. Das hat die am Samstag, 29. November, in Magdeburg tagende Bistumsversammlung gefordert, das beschließende Gremium des seit drei Jahren laufenden Reformprozesses „Pastorales Zukunftsgespräch“ (PZG). Zugleich ruft das Quasi-Kirchenparlament die Christen auf, nicht mehr eine Kirche zu sein „die sich selbst genügt“, sondern eine „missionarische Kirche“ zu werden für die Menschen in der Region. Die Gemeinden werden ermuntert, mehr Veranstaltungen für Nichtchristen anzubieten, neue Gottesdienstformen zu wagen und stärker als bisher über die Medien an die Öffentlichkeit zu gehen.

Angesichts der geringen Christenzahl und um glaubwürdig zu bleiben, wurde bei der Versammlung mehrfach die enge Zusammenarbeit mit den evangelischen Kirche betont. Der Bischof der evangelischen Kirchenprovinz Sachsen Axel Noack, der sich als Gast der Bistumsversammlung über die Vorhaben der Katholiken informierte hatte, verwies dabei auf die geschwisterliche Nähe beider Kirchen in Sachsen-Anhalt. Viel geschehe schon gemeinsam, trotzdem gebe es noch zahlreiche Möglichkeiten, die es umzusetzen gelte. Vor allem, betonte Noack, müssten die Kirchen zeigen: „Uns verbindet viel mehr als uns unterscheidet“. Katholiken und Protestanten sollten den Menschen zuerst einmal als Christen erkennbar sein und nur an zweiter Stelle als evangelisch oder katholisch.


Bischof Axel Noack (links) informiert sich über die Reformvorhaben im Bistum Magdeburg.

Um beim Zusammengehen der Kirchen ein weiteres Stück voranzukommen, beschloss die Bistumsversammlung in ihrem Ökumenepapier unter anderem in allen Gemeinden Ökumenebeauftragte einzusetzen und mehr ökumenische Veranstaltungen anzubieten. Ehen zwischen katholischen und evangelischen Christen sollen fortan nicht mehr als konfessions-verschieden bezeichnet werden, sondern als konfessions-verbindend.

Anlass für den PZG-Reformprozess sind die schwerwiegenden Veränderungen im Bistum Magdeburg während der vergangenen zehn Jahre. So ist die Zahl der Katholiken um rund 20 Prozent zurück gegangen, und von den derzeit noch 147 aktiven Priestern werden im Jahr 2013 voraussichtlich noch gut 80 im Dienst sein. Von jetzt knapp 200 Gemeinden haben mehr als die Hälfte weniger als 600 Mitglieder. Beim Pastoralen Zukunftsgespräch suchen die Katholiken jetzt nach Lösungen für diese Probleme. Vor allem geht es um die Frage, wie die Kirche in Ostdeutschland auch künftig eine Kirche für die Menschen sein kann.

Die notwendigen Reformen in Struktur und Seelsorge werden dabei nicht von Oben verordnet werden. Vielmehr ist es dem Bischof des Bistums Magdeburg Leo Nowak wichtig, dass dies in einem Prozess geschieht, in den sich jeder Katholik einbringen kann. Auch aus diesem Grund hatten alle Christen im Bistum bereits am Beginn die Gelegenheit, seine Nöte und Sorgen zu benennen. Weit mehr als tausend Personen hatte damals davon Gebrauch gemacht.

Inzwischen nähert sich das PZG seinem Ende. Am letzten November-Wochenende wurden die ersten Vorlagen in dritter Lesung beschlossen. Neben Leitbild, Ökumene und Öffentlichkeitsarbeit standen Beschlüsse zu Fragen der Glaubensverkündung, des Dienstes für die Menschen in sozialen Einrichtungen auf der Tagesordnung und zu Strukturveränderungen wie beispielsweise das Zusammenlegen von Pfarreien. Bischof Leo Nowak, der die Beschlüsse Anfang des nächsten Jahres laut Kirchenrecht in Kraft setzen muss, signalisierte bereits, dass er bisher keine Einwände habe.

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