Bistumskarte

Probleme offensiv angehen

Bistum sucht neue Wege für die Seelsorge

Magdeburg (pbm) - Rund 20 Prozent weniger Katholiken in den vergangenen zehn Jahren - diese Entwicklung stellt das Bistum Magdeburg vor große Herausforderungen. Und die Notwendigkeit der Veränderung unterstreichen weitere Zahlen: Sind heute noch 147 Priester aktiv, werden es 2013 nur gut 80 sein, von knapp 200 Gemeinden haben mehr als die Hälfte weniger als 600 Mitglieder. Viele Pfarreien werden sich darum zusammen schließen müssen; es ist nicht abzusehen, dass sich diese Entwicklung in nächster Zeit ändert.

Trotzdem stecken die Christen im Bistum Magdeburg ihre Köpfe nicht wie Vogel Strauß in den Sand, sondern packen die Probleme offensiv an: Beim Pastoralen Zukunftsgespräch (PZG) suchen sie bereits seit geraumer Zeit nach Antworten auf die aktuellen Fragen. Die notwendigen Reformen in Struktur und in der Seelsorge sollen dabei nicht von Oben verordnet werden. Vielmehr ist es Bischof Leo Nowak wichtig, dass dies in einem Prozess geschieht, in den sich jeder Katholik einbringen kann. Auch aus diesem Grund hatte jeder Christ im Bistum bereits am Beginn des PZG vor drei Jahren die Gelegenheit, seine Nöte und Sorgen zu benennen. Weit mehr als tausend Personen hatte damals davon Gebrauch gemacht.

Inzwischen nähert sich das PZG seinem Ende und in vielen Gemeinden ist mittlerweile das Bewusstsein gewachsen, dass es so wie bisher nicht mehr weiter gehen kann. Darüber hinaus entstanden in den vergangenen Monaten elf teils recht umfangreiche Beschlussvorlagen. Die Themen dieser Papiere reichen vom Zusammenlegen vieler Kirchengemeinden über Fragen der Öffentlichkeitsarbeit bis hin zu Kompetenzen wichtiger Institutionen im Bistum. Am letzten November-Wochenende tagt nun bereits zum vierten Mal das beschließende Gremium des Pastoralen Zukunftsgesprächs, die Bistumsversammlung, und berät die ersten Vorlagen in ihrer entscheidenden dritten und abschließenden Lesung.

Bevor die Beschlüsse in den kommenden Monaten umgesetzt werden können, muss Bischof Leo Nowak die Papiere Anfang des nächsten Jahres allerdings erst noch in Kraft setzen.

Interview mit dem Vorsitzenden des Katholikenrats

Stichwort: Pastorales Zukunftsgespräch

Vor gut zwei Jahren hat im Bistum Magdeburg ein Reformprozess begonnen: das Pastorale Zukunftsgespräch (PZG). Ziel des Prozesses ist es, die katholische Kirche in der Region auf die Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte einzustellen. Antworten werden gesucht auf Fragen wie: Erwarten die Nicht-Christen überhaupt noch etwas von der Kirche;wie weiter mit immer weniger Katholiken; welche Aufgaben kann die Kirche in Sachsen-Anhalt überhaupt noch wahrnehmen, welche sollte sie nicht mehr wahrnehmen; welche Rolle muss das Geld in der Seelsorge spielen?

In die Suche nach Antworten auf diese und weitere Fragen will das Bistum alle einbeziehen, die zur Kirche gehören. Denn gemäß dem christlichen Glauben, ist jeder Getaufte mit verantwortlich für das, was in der Kirche geschieht. Im Pastoralen Zukunftsgespräch wird die Verantwortung jedes Getauften für die Zukunft der Kirchengemeinden und des Bistums ernst genommen und aktiviert.

Das bisher letzte Konzil, die gemeinsame Beratung aller Bischöfe vor rund 40 Jahren, hat die Christen aufgefordert, die Zeichen der Zeit immer neu ernst zu nehmen. Zu den Zeichen dieser Zeit zählen heute die kleiner werdende Zahl der Gläubigen, die abnehmende Zahl der Hauptamtlichen, die geringer werdenden Finanzen, aber auch ein neues Bewusstsein für Solidarität, Freiheit und Demokratie. Das alles stellt die Gestalt der Kirche, die Struktur der Gemeinden und manches mehr in Frage. Die Zeichen der Zeit zu verstehen und als eine Gelegenheit zu erkennen, die Kirche im Bistum Magdeburg neu für ihren Dienst an Gott und den Menschen auszurichten und den Erfordernissen der Zeit zu entsprechen, das ist der Sinn des PZG.

Das Evangelium nennt die Christen „Salz der Erde“. Das heißt aber auch: Nicht alles muss Salz werden, nicht alle müssen getauft sein. Vielmehr haben die Christen einen Auftrag für die ganze Gesellschaft. Sie wollen sich begreifen als das Salz in der Suppe der Welt, damit sie schmackhaft wird.

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