Bistumskarte

Kinderwunsch der Akademiker

Familienbund weist auf ein Problem hin

Magdeburg (fabu) - „In Deutschland leben gegenwärtig 42 Prozent der Akademikerinnen zwischen 35 und 40 Jahren ohne Kinder. Bis 2010 wird sich ihr Anteil voraussichtlich auf 50 Prozent erhöhen. Akademiker derselben Altersgruppe verzichten sogar in noch größerer Zahl auf Nachwuchs. In Sachsen-Anhalt findet darüber hinaus auch eine spürbare Abwanderung gerade gut qualifizierter junger Frauen statt“, stellt Reinhard Grütz, Geschäftsführer des Familienbundes im Bistum Magdeburg und im Land Sachsen-Anhalt, fest. „Da die deutsche Wirtschaft ganz wesentlich von ihren gut qualifizierten Fachkräften lebt, muss diese Entwicklung auch über den familienpolitischen Kontext hinaus beunruhigen“, führt Grütz weiter aus.

„Notwendig ist ein Umdenken in unserer Gesellschaft. Einen zumindest bedenkenswerten Ansatz dafür sehe ich im Vorschlag der Bundesregierung, ein einkommensabhängiges Elterngeld für ein Jahr zu gewähren. Dies könnte eine Erleichterung für besser ausgebildete Frauen und Männer darstellen, ihren Kinderwunsch zu realisieren. Die Zahlung eines solchen Elterngeldes darf aber nicht dazu missbraucht werden, um Eltern bestimmte Bedingungen aufzuzwingen, unter denen sie sich für Kinderbetreuung oder Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu entscheiden hätten. Der Grundsatz der Wahlfreiheit muss unbedingt gewahrt bleiben“, hebt Grütz hervor.

„Klar ist aber auch, dass die Gewährung finanzieller Leistungen allein zu kurz greift. Um Akademikerinnen und Akademikern bei der Realisierung des Kinderwunsches zu helfen, ist der Gedanke der Familienfreundlichkeit in Unternehmen stark zu machen. Dies gilt ebenso für Hochschulen“, führt Grütz weiter aus. „In diesem Zusammenhang ist besonders auf das Konzept familienfreundliche Hochschule zu verweisen. Dadurch können für Studierende und Nachwuchswissenschaftler bessere Bedingungen geschaffen werden, sich frühzeitig für Kinder zu entscheiden“, erklärt Grütz. Zum Beispiel könnte an den Hochschulen ein Familienservice, bzw. eine Beratungsstelle für Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die Eltern werden oder mit kleinen Kindern neu für die Hochschule gewonnen werden, geschaffen werden. Wichtig wäre auch eine Öffnung der Hochschulen für Kinder und ein verbessertes Angebot an Betreuungsplätzen auf dem Campus.

Große Bedeutung könnte eine bessere Zusammenarbeit zwischen Hochschulverwaltung und Eltern erhalten, die sich beispielhaft in großzügigen Härtefallregelungen für studierende oder sich qualifizierende Eltern niederschlägt. Ebenfalls angezeigt wäre eine Sensibilisierung für die Arbeits- und Lebenssituation von Erziehenden bei Vorgesetzten und Kollegen/-innen. Dies alles kann ein Beitrag dafür sein, eine neue Balance zwischen Kinderwunsch und Karrieremustern zu erreichen. Karriereplanung und Familiengründung darf sich zukünftig nicht nur zwischen dem 25. und 35. Lebensjahr drängen. „Wir müssen darauf hinwirken, dass ein Leben mit Kindern als Bereicherung wahrgenommen wird und nicht als Abbruch von Lebenschancen. Dabei können diese Konzepte helfen“, bemerkt Grütz abschließend.

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