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Zur Debatte über den Ladenschluss

Erklärung des Katholischen Büros Sachsen-Anhalt

Ganz wichtig ist die „Werte-Balance“ in unserer Gesellschaft, in die durch uneinge-schränkte Öffnungsmöglichkeiten an Werktagen eingegriffen wird. Werte wie der Sozialstaat insgesamt, Beruf und Familie, Eigentum und mittelständisches Unternehmertum, Sonn- und Feiertagsschutz sind betroffen.

Über die ökonomischen Interessen allein kann die Debatte über den Ladenschluss nach dem Wirksamwerden der Föderalismusreform nicht verantwortungsbewusst geführt werden. Veränderte Öffnungszeiten verändern nicht die Kaufkraft. Dies zeigen auch die Erfahrungen mit der Fußball-WM.

Auch die Frage, ist diese Öffnung bei den Konsumenten überhaupt gewollt, sollte erörtert werden. So kommt eine – vielleicht nicht repräsentative – Umfrage der Katholischen Arbeitnehmerbewegung im Bistum Würzburg mit fast 3.000 ausgewerteten Fragebögen zu dem Ergebnis, dass 84 Stunden genug sind (Quelle: kab-wuerzburg.de).

Wie stets, so gestaltet auch hier das gesetzgeberische Werk die gesellschaftliche Wirklichkeit. In der Lebenswirklichkeit wird nicht unterschieden zwischen der Gesetzesmaterie des Ladenschlusses, des Arbeitnehmerschutzes oder des Sonn- und Feiertagsschutzes. Deshalb brauchen wir auch in der gegenwärtigen Diskussion Betrachtungen und Erörterungen über den Tellerrand der formalen Materie des Ladenschlusses hinaus. So sollten wir durchaus auch darüber nachdenken, ob sich bestehende sonntägliche Ausnahmen bei den beabsichtigten Öffnungsmöglichkeiten an Werktagen nicht erübrigen. Wer z. B. werktags rund um die Uhr Videos ausleihen oder kaufen kann, wird wohl nicht auch noch am Sonntag die Ausleihe für erforderlich halten.

Deshalb mahne ich zu einem sorgfältigen, intensiven öffentlichen Diskurs, der ohne Zeitdruck und falsch verstandenem Politik- und Parteienwettstreit geführt wird.

Stephan Rether
Leiter des Katholischen Büros Sachsen-Anhalt

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