Bistumskarte

In Solla stehen die Türen der Menschen offen

Pfarrer Kudla: Echte Mission ist auch in Afrika harte Arbeit

Magdeburg (pbm) - Pfarrer Ronald Kudla aus Hohenmölsen lebt und arbeitet seit vier Jahren im Norden von Togo. Dort hat er die Aufgabe übernommen, eine Pfarrei zu gründen und aufzubauen: St. Augustin in Solla. Bis Anfang August macht Pfarrer Kudla Urlaub in seinem Heimatbistum. An vielen Orten berichtet er über seine Erfahrungen in Togo; so auch an dieser Stelle.

Was zieht einen Priester, der doch auch im Bistum Magdeburg sein Tun hätte, fort in ein kleines afrikanisches Dorf?

Pfarrer Kudla uns die Ordensfrauen seiner PfarreiDas stimmt, ich bin wirklich in ein kleines Dorf geschickt worden, dahin, wo die Leute noch ärmer sind als sonst in Togo. Es fehlt ihnen auch an so lebenswichtigen Strukturen wie Energie- und Wasserversorgung oder Gesundheitswesen und Verkehrsanbindung. Aber der Gedanke, einer Weltkirche anzugehören, hat mich schon immer bewegt. Ich hatte schon seit meinem Studium den Wunsch, zu den Armen Brücken zu bauen. Ich weiß, Arme gibt es auch in Deutschland. Und dann ist noch das Gerede vom Priestermangel. Ich sehe das so: In der Aussendungsgeschichte (Lk 10) gibt es den Fall, dass die Leute das Wort Gottes nicht aufnehmen wollen. Der Bote ist dann nicht verpflichtet alles zu versuchen, sondern kann erst einmal in ein anderes Dorf gehen. Das alles ist natürlich eine Ermessensfrage. Aber dort, wo ich jetzt lebe, stehen die Türen erstmal offen. Wirkliche Mission ist allerdings trotzdem eine unheimliche Arbeit. Ich möchte ja, dass die Menschen in meiner Gemeinde von ihrem Glauben nicht nur reden, sondern dass er ihr ganzes Leben und Denken durchdringt. Das ist auch in Togo schwer, sehr schwer.

Was bestimmt Ihren Alltag?

Wir feiern schon sehr früh die Heilige Messe, um halb Sechs, damit die Bauern vor der Hitze aufs Feld können. Danach bin ich meist in den Dörfern meiner Gemeinde unterwegs. Da stehen Hausbesuche an oder Segnungen. Ganz wichtig ist auch der Religionsunterricht in der Sekundarschule. Wenn ich so unterwegs bin, kommen oft die Leute zu mir und wollen, dass ich ihnen helfe. Mal muss ich einen in die nächste Stadt mitnehmen oder irgendwie ärztliche Hilfe organisieren. Selbst bei Saatgut und Dünger soll der Pfarrer helfen. Wenn dann noch etwa Zeit bleibt, setze ich meine Arbeit an der Sprache und den liturgische Texte in den Dorfsprachen fort. In unserer Ecke wurde da noch nicht so viel gemacht. Ach ja, viel Zeit nahm bis jetzt natürlich auch das Bauen in Anspruch. In den letzten Jahren entstanden ein Pfarrhaus und eine Schwesterstation und eine kleine Kirche.

Was treibt die Menschen in Ihrer Gemeinde um; worüber freuen sie sich, was bereitet ihnen Sorge? Das sind doch sicher ganz andere Dinge, als bei uns

Das Leben der meisten Menschen in Togo ist sehr hart, vor allem die schwere Feldarbeit. Fast alle Bauern ziehen nur mit der Hacke auf ihren Acker. Aber trotzdem wird immer, wenn sich eine Gelegenheit bietet, gefeiert – möglichst groß. Beerdigungen zum Beispiel: Die Verwandten kommen dann von weit her; mitunter gibt es „Tanz in allen Sälen“ zwei Tage lang, alles zu Ehren des Verstorbenen. Die Verstärkeranlage dröhnt dann die ganze Nacht durch. Für unsere Verhältnisse unvorstellbar.

Groß und Klein in Solla feiert ein Fest.
Bei den Initiationsfesten der jungen Männer wird oft über eine Woche lang getanzt, geopfert, gegessen. Und dann natürlich auch die wöchentlichen Markttage, da wird gehandelt, die neuste Ware bestaunt und im Tschuk-Bier-Pavillon geplaudert. Manche Märkte enden erst spät in der Nacht.

Bildung ist bei uns ein Thema, das immer wichtiger wird. Wie ist das in Togo?

Die meisten Kinder und Jugendlichen wollen lernen, um voran zu kommen. Vielen Eltern dagegen ist es aber wichtiger, dass ihre Kinder auf dem Feld mitarbeiten. Und wenn der Acker auch noch wenig Ertrag bringt, weil es kaum regnet oder der Preis für Baumwolle viel zu niedrig ist, dann wollen sie am liebsten kein Schulgeld zahlen. Viele ältere Schüler gehen dann anderswo arbeiten, um sich selbst das nötige Schulgeld zu verdienen.

Sie sind jetzt seit vier Jahren in Togo, in Ihrem Dorf. Wie lange möchten Sie noch dort bleiben?

Obwohl ich mich an manche Dinge immer noch nicht gewöhnt habe – die Hitze macht mir nach wie vor zu schaffen – fühle ich mich in meiner Gemeinde doch sehr wohl. Die Leute sind unglaublich dankbar und gastfreundlich. Ich gehöre inzwischen einfach dazu. Und die Feste und Gottesdienste, die wir feiern sind natürlich auch immer wieder ein Ereignis. Ostern hatte ich zum Beispiel 30 Taufen! Im Moment kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, bald von dort wegzugehen. Auch meine Gemeinde hofft sehr, dass ich bald wieder aus Deutschland zurück komme.

Das klingt alles sehr schön, aber sicher hat doch auch ein Pfarrer in Togo Sorgen

Ja, na klar, vor allem die Unzuverlässigkeit macht mir zu schaffen. Kommst du normal oder nach „afrikanischer Zeit“, fragen die Leute scherzhaft. Das ist manchmal zum Verzweifeln, zum Beispiel, wenn die Messe beginnen soll. Eine andere Not ist, dass die Menschen einfach zu viel von mir erwarten.

Der Pfarrer mitten im Dorf
Ich kann nicht alle Probleme lösen und muss manchmal auch Nein sagen. Verhelfe ich einem Kind zu einer Operation, warten gleich die nächsten. Aber für alle reichen Geld und Kraft eben nicht. Und ich kann auch nicht für alle Bauern Dünger besorgen. Das ist wirklich eine Gratwanderung. Ich muss auch aufpassen, dass nicht immer die Dreistesten am besten wegkommen.
Kopfzerbrechen bereitet es mir auch, gut Mitarbeiter zu finden. In meiner Gemeinde gibt es 13 Außenstationen. Das kann ich nicht alleine bewältigen. Die dort eingesetzten Katechisten haben oft nicht einmal die 8. Klasse abgeschlossen. Mitunter kann ich einfach nur hoffen, dass sie ihre Arbeit gut machen, dass da nicht nur Gebote auswendig gelernt werden sondern Glaube als Lebensentscheidung und Lebensweg vermittelt wird.

In Deutschland wird ja immer wieder über den Zölibat und die Rolle der Frauen in der Kirche diskutiert. Spielen diese Themen in Togo eine Rolle?

Dort sehen die Menschen das alles nicht so prinzipiell. Das Ideal des Zölibats wird anerkannt, und nie würde einer wohl sagen, der muss abgeschafft werden, weil jemand sich nicht dran gehalten hat. In Afrika kannst du fallen, aber es wird dir auch wieder verziehen.
Was die Frauen betrifft, so versuche ich immer wieder einige zu ermutigen, eine bedeutendere Rolle in unserer Gemeinde zu übernehmen. Aber das ist sehr schwierig. Viele sind schon mit ihrer Familie voll und ganz ausgefüllt. Und dann ist es auch sehr schwierig, angesichts der patriarchalischen Gesellschaft aus dem Schatten der Männer heraus zu treten. In den drei jungen afrikanischen Ordensschwestern, die seit einem Jahr in unserer Gemeinde leben, sehe ich vor allem ein Beispiel, wie Frauen ihr Leben selber in die Hand nehmen und eine Persönlichkeit sein können. Die Schwestern halten Religionsunterricht, betreiben einen eigenen Landwirtschaftsbetrieb und kennen sich in vielen medizinischen, sozialen, religiösen oder ganz einfach menschlichen Fragen aus. So etwas strahlt unweigerlich auf die oft verschüchterten und unbeholfenen Frauen unserer Gemeinde aus.

  • Die Webseite von Pfarrer Ronald Kudla: www.togo.kathweb.de

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