Bistumskarte

Pionier der deutsch-polnischen Aussöhnung geehrt

In Magdeburg gibt es jetzt eine Günter Särchen Straße

Magdeburg (pbm) – In Magdeburg gibt es jetzt gleich neben der Kathedrale St. Sebastian eine „Günter Särchen Straße“. Bei der Enthüllung des neuen Schildes waren auch Bischof Gerhard Feige und Oberbürgermeister Lutz Trümper zugegen sowie Mitglieder der Familie des Geehrten. Schon vor geraumer Zeit hatte der Stadtrat dem gemeinsamen Antrag von Anna-Morawska-Gesellschaft, Deutsch-Polnischer Gesellschaft und Aktion Sühnezeichen zur Benennung der Straße einstimmig stattgegeben.

Günter SärchenMit der neu benannten Straße wird ein Mann geehrt, der nahezu sein gesamtes Leben der deutsch-polnischen Versöhnung gewidmet hat. Als Mitarbeiter des Bischöflichen Amtes Magdeburg leitete Günter Särchen über viele Jahre hinweg die dort angesiedelte Arbeitsstelle für pastorale Hilfsmittel, die die katholischen Gemeinden in der gesamten DDR mit Medien versorgte. Schon früh begann er, sich dabei von Magdeburg aus für die deutsch-polnische Versöhnung und Verständigung einzusetzen. Bereits 1960 fuhr er nach Polen, wo er Gesprächspartner in Gemeinden und Klöstern, in Klubs der katholischen Intelligenz und in Laski, dem geistigen Zentrum der polnischen Laienbewegung, fand. Durch zahlreiche von ihm initiierte Aktionen, durch Pilgerfahrten an die Orte der Konzentrationslager, durch eine kontinuierliche Bildungsarbeit in den vor 40 Jahren von ihm gegründeten Polenseminaren, hat Günter Särchen der deutsch-polnischer Versöhnung in der DDR den Weg bereitet.

Lothar Kreyssig, evangelischer Christ und Begründer der Aktion Sühnezeichen, ermutigte ihn zu diesem Weg. Die Arbeitseinsätze in ehemaligen Konzentrationslagern gestaltete Günter Särchen gemeinsam mit Aktion Sühnezeichen, zu deren Leitungskreis er lange Zeit gehörte. Aus seinen Kontakten erwuchsen vertrauensvolle Beziehungen zu zahlreichen polnischen Bischöfen, so zu Karol Wojtyla in Krakow, dem späteren Papst Johannes Paul II., zu vielen Priestern und Laien sowie Freundschaften mit Persönlichkeiten wie Władysław Bartoszewski, Tadeusz Mazowiecki und Stanisław Stomma. In seinem Einsatz für die deutsch-polnische Aussöhnung hat sich Günter Särchen auch durch vielfach erfahrene Repressionen nicht entmutigen lassen.

Das Straßenschild wird enthüllt

In Anerkennung seiner Verdienste erhielt Särchen 1990 das Kommandeurskreuz des Verdienstordens der Republik Polen. Drei Jahre später wurde ihm das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik verliehen. 1998 nahm Günter Särchen den Deutsch-Polnischen Preis für die Anna-Morawska-Gesellschaft entgegen und 2003 wurde ihm der Lothar-Kreyssig-Friedenspreis zuerkannt. Anlässlich des Todes von Günter Särchen im Jahre 2004 schrieb Tadeusz Mazowiecki in der katholischen Wochenzeitung Tygodnik Powszechny: „Günther Särchen war einer der größten Vorreiter für die deutsch-polnische Versöhnung. Einer, über den zu wenig gesprochen wird - in Polen wie vor allem im heutigen Deutschland.“

  • Nachdenken über einen Vordenker - ein Beitrag im Tag des Herrn: zum Beitrag

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