Bistumskarte

Viele Gebärden – ein Glaube

Pilger aus Mitteldeutschland zur Gehörlosenwallfahrt in Rom

Ende Juni fand in Rom die erste weltweite Gehörlosen-Wallfahrt statt. Eingeladen hatte die Internationale Katholische Stiftung für den Dienst an Gehörlosen. Das Motto sollte lauten: „Viele Sprachen – ein Glaube.“ Aus den Bistümern Görlitz, Magdeburg und Dresden-Meißen reisten 35 Pilger in die Ewige Stadt. Hier der Bericht von Peter Brinker, Gehörlosenseelsorger in Dresden.



Gehörlosengruppe im Pantheon


Pilger der Gehörlosenwallfahrt unter der Kuppel des Pantheon, der Kirche der heiligen
Maria zu den Heiligen, Foto: Gregor Hansel

Einige Tage vor der offiziellen Wallfahrt machten wir uns am 22. Juni auf den Weg in die Ewige Stadt, gemeinsam mit Angehörigen und Seelsorgern; unter ihnen auch Magdeburger Domkapitular und Pfarrer Heinz Werner. Denn auch wenn man Rom mit dem Flugzeug schnell erreichen kann, wollte unsere Reisegruppe aus den Diözesen Magdeburg, Görlitz und Dresden-Meißen doch genügend Zeit haben, die Stadt, ihre geschichtsträchtigen Orte und die wichtigsten Kirchen kennen zu lernen.

Aber schon am zweiten Reisetag trafen wir am Trevi-Brunnen auf erste Vorboten der großen Wallfahrt: Gehörlose aus Venezuela, Wales und Italien. Gebärdensprachen sind zwar weltweit nicht identisch, dennoch funktionierte die Verständigung recht gut. Es war ein großes Hallo, die Venezolaner wollten gleich ein gemeinsames Foto.

Und auch bei der Heiligen Messe mit anderen Reisegruppen in der Kirche der deutschsprachigen Gemeinde „Santa Maria dell Anima“ konnten sich die gehörlosen Wallfahrer noch am selben Nachmittag weiter auf das große Ereignis an den nächsten zwei Tagen einstimmen. Dafür sorgte schon der Gebärdenchor aus dem Bistum Trier, die konzelebrierenden Priester aus mehreren Diözesen, die Predigt des Generalpräses des Verbandes der Katholischen Gehörlosen Deutschlands, Diakon Josef Rothkopf, sowie ein Anspiel der Reisegruppe aus den Bistümern Mainz und Limburg, in dem Johannes der Täufer vorgestellt wurde. Ungefähr 150 katholische Gehörlose aus Deutschland, Österreich und der Schweiz hatten sich eingefunden.

Papst Benedikt sah bei der wöchentlichen Generalaudienz am Mittwoch Vormittag etwas, was auch für ihn ungewöhnlich gewesen sein mag: Auf einem eigens eingerichteten Bereich auf dem Petersplatz jubelten ihm ungefähr 2000 Hände aus den Pilgergruppen der Gehörlosen zu, die sich schon früh in der römischen Hitze dort eingefunden hatten. Und an einer Stelle ballten sich knallgelbe Mützen, an denen man die Wallfahrer aus den drei mitteldeutschen Diözesen erkennen konnte. Auf den großen Bildschirmen, die gewöhnlich die Audienz noch sichtbarer machen, waren verschiedene Dolmetscher eingeblendet, die, unterstützt von weiteren auf dem Platz, die gesprochenen Botschaften des Papstes in verschiedene Gebärdensprachen übersetzten.

die Pilgergruppe aus Mitteldeutschland
Die Gruppe aus Mitteldeutschland vor ihrer Pilgerherberge „Villa Lituania“

Am Nachmittag des Mittwoch fand etwas außerhalb der Stadt am Pilgerzentrum „Divino Amore“ dann ein Fachkongress statt, bei dem Gehörlose und Seelsorger sich über Themen ihrer Arbeit gegenseitig informieren und austauschen konnten. Die Organisatoren mussten dazu mit Bildschirmen und Kopfhörern ein raffiniert ausgeklügeltes Netz von Weiterübersetzungen zwischen verschienen Laut- und Gebärdensprachen betreiben, damit wirklich alle im Saal die Beiträge verstanden, auch die kleinen Delegationen aus Südkorea, den Niederlanden und der Slowakei.

Der Donnerstag hielt für die gebärdenden Pilger aus aller Welt einen weiteren Höhepunkt bereit: eine Messfeier mit Erzbischof Kelly aus Liverpool, dem Präsidenten der Internationalen Katholischen Stiftung für den Dienst an Gehörlosen, und rund 60 konzelebrierenden Priestern der Gehörlosenseelsorge. Nah am Grabe des Apostels Petrus fand diese beeindruckende Eucharistiefeier statt. Chöre aus mehreren Kontinenten gebärdeten den Lobpreis Gottes in verschiedener Weise, die Fahnen beteiligter Nationen, Vereinigungen und Diözesen zeigten die Vielfalt wie die Einheit im Glauben der Welt der katholischen Gehörlosen. Es wurde wirklich spürbar: „Viele Sprachen – ein Glaube.“oder auch: „Viele Gebärden – ein Glaube.“

Nach diesen beeindruckenden Erlebnissen konnte das gemeinsame Essen und die gegenseitige Begegnung am Nachmittag im Pilgerzentrum „Divino Amore“ nur noch ein voller Erfolg werden. Es war sicher ein wenig eng im Speisesaal, aber nach einer Weile unterhielt sich auch die mitteldeutsche Pilgergruppe munter mit Iren, Spaniern, Amerikanern, Engländern und vielen anderen. Kleine Geschenke, die untereinander ausgetauscht wurden, zeigten: „Dies ist meine Heimat, meine Diözese, meine Gehörlosengemeinde “. So konnte Erzbischof Kelly am späten Nachmittag eine frohe, erfüllte, große Pilgerschar mit dem Eucharistischen Segen bei der Schlussandacht in der Wallfahrtskirche „Divino Amore“ wieder in die Heimat entlassen.

Für die Wallfahrer aus unserer Region hieß dies aber zum Glück, dass noch ein weiterer Tag für den Besuch der Domitilla-Katakombe und einen kurzen Blick auf das antike Rom zur Verfügung stand sowie ein schöner Abschluss in einem gemütlichen italienischen Restaurant.


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