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Europa eine Seele schenken

Bischof Dr. Gerhard Feige Hauptzelebrant beim Karlsamt im Kaiserdom St. Bartholomäus in Frankfurt am Main

Seit 1332 wird in Frankfurt am Main zum Gedenken an den Todestag Kaiser Karls des Großen im Kaiserdom St. Bartholomäus das Karlsamt gefeiert. „Dass wir in diesem Jahr die Tradition trotz Pandemie fortführen können, ist für mich ein kleines Neujahrswunder“, sagte zur Begrüßung der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann.  Auch wenn man es in den Karlsstädten Frankfurt und Aachen gewohnt sei, Karl den Großen als „Vater Europas“ zu bezeichnen, so habe „dieser „Vater“ seine Familie oft mit Gewalt zueinander getrieben.“  Diese Versuche seien aber, ebenso wie alle späteren, die Einigung Europas auf Gewalt zu gründen, gescheitert. „Das heutige freie, friedliche Europa ist nicht selbstverständlich.“

Ehrengast und Hauptzelebrant war in diesem Jahr im Kaiserdom Bischof Dr. Gerhard Feige. Er feierte die Messe im Beisein des Limburger Bischofs  und Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz Georg Bätzing und des Frankfurter Stadtdekans Johannes zu Eltz.

In seiner Predigt warnte Bischof Feige vor zunehmenden Entfremdungsprozessen sowie einem Erstarken von rechtsextremen und populistischen Gruppierungen auf dem Kontinent. "Schon seit längerem haben Ressentiments und Abgrenzungen wieder zugenommen, sind Eigeninteressen wichtiger als der Sinn für Solidarität, wird das Zusammenleben immer schwieriger, steht das Gemeinwohl auf dem Spiel.“ Nächstenliebe werde immer mehr zum Fremdwort und Menschenfeindlichkeit gesellschaftsfähig.

Beispielhaft für die von ihm skizzierten Entwicklungen nannte Feige den derzeitigen Umgang mit Flüchtlingen in Europa. "Das inzwischen abgebrannte Lager Moria auf der griechischen Insel Lesbos ist ein zutiefst beschämendes Zeichen. Und dass derzeit unzählige Menschen in Bosnien bei eisiger Kälte ihrem Schicksal überlassen sind oder andere weiterhin im Mittelmeer ertrinken, ist ein nicht hinzunehmender Skandal", sagte der Bischof wörtlich.

Mit Blick auf die "Kultur- und Wertegemeinschaft" Europa verwies Feige auf das christlich-jüdische Erbe, das den Kontinent entscheidend geprägt habe. "Fast überall begegnen uns solche Spuren in Architektur, Musik und bildenden Künsten, in Literatur und Sprache, in Denkweisen und Verhaltensmustern. Was wäre Europa außerdem ohne das beeindruckende Zeugnis von Heiligen wie zum Beispiel Benedikt von Nursia oder Cyrill und Methodius, Franziskus von Assisi und Elisabeth von Thüringen oder auch Maximilian Kolbe und Edith Stein?", so der Magdeburger Oberhirte.

Allerdings dürfe nicht verschwiegen werden, dass vieles am Christentum auch sehr irdisch sei und Menschen schwer enttäuschen könne. "Immer wieder stellen Versagen und Sünde, ja sogar Skandale und Verbrechen unsere Glaubwürdigkeit in Frage. Aktuell gehören vor allem der sexuelle Missbrauch Minderjähriger und mancher willkürliche Umgang mit Macht dazu", betonte Feige. Hier seien Transparenz und Bekehrung ebenso nötig wie Buße und Erneuerung. Schließlich sei der liebevolle Dienst am Nächsten von Beginn an ein besonderes Markenzeichen des Christentums.

Angesichts der derzeitigen Herausforderungen habe für Christen ein solidarisches Handeln größte Bedeutung – besonders in der weltweiten Krise, die durch die Corona-Pandemie ausgelöst worden sei, und beim Thema Migration. "Aber auch in anderen Bereichen gilt es, für Werte einzustehen, die zu einem Leben in Freiheit dazugehören: die unbedingte Achtung vor der Würde jedes Menschen vom Embryo bis zum Sterbenden, für Frieden und Gerechtigkeit, Demokratie und Toleranz, Verantwortung und Solidarität, ja sogar für Barmherzigkeit und Liebe", erklärte der Bischof.

Die Kirche müsse ihren Beitrag dazu leisten, alles zu tun, um Europa eine von Spiritualität und einer tieferen Bedeutung erfüllten Seele zu schenken, wie es 1992 der damalige EU-Kommissionspräsident Jacques Delors eingefordert habe. Das moderne Europa werde auf die Dauer nur Bestand haben, zitierte Feige den emeritierten Kardinal Walter Kasper, wenn es seine religiöse und insbesondere seine christliche Seele wiederentdecke.

Predigt von Bischof Dr. Gerhard Feige zum Download

Das Karlsamt zu Anschauen gibt es hier

(sus,az,stz; Foto: Sperling, Maik Reuß)

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