Bistumskarte

Bischof Dr. Gerhard Feige kommentiert

Bischof Dr. FeigeAm 21.11.1964 wurde das Dekret über den Ökumenismus mit überwältigender Mehrheit von 2137 Ja- zu 11 Nein-Stimmen verabschiedet. In ihm und anderen Konzilsdokumenten öffnet die katholische Kirche sich ökumenischen Denkweisen und formuliert sie ihre Prinzipien im Verhältnis zu den anderen Christen.

Dabei sieht die vom Nachfolger Petri und den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitete katholische Kirche die „eine, heilige, katholische und apostolische Kirche“, von der im Glaubensbekenntnis die Rede ist,  nach wie vor in sich konkret verwirklicht. Sie versteht das jedoch nicht mehr exklusiv, sondern erkennt auch die anderen „Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften“ als „Mittel des Heiles“ an und weiß sich mit ihnen durch die Taufe verbunden. Das bedeutet, dass alle anderen Christen für sie nicht mehr „Häretiker“ oder „Schismatiker“ sind, sondern vielmehr „in Verehrung und Liebe“ sogar Brüder und Schwestern, denen „die Schuld der Trennung nicht zur Last gelegt werden“ darf. In welcher Beziehung die anderen „Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften“ zur einen Kirche des Glaubensbekenntnisses stehen, wird katholischerseits nach dem Umfang, der von der Fülle des sakramentalen Lebens und der apostolischen Sukzession bewahrt wurde, gewertet und von deren eigenem Selbstverständnis abhängig gemacht. Zugleich vertritt die katholische Kirche nicht mehr die Meinung, dass die anderen zu ihr zurückzukehren hätten, verwirft aber auch eine Ökumene, die sich mit einer einfachen Anerkennung der bestehenden Verhältnisse zufrieden geben will. Sie teilt nicht die Vorstellung, dass die wahre Kirche nur unsichtbar oder aber eine gewisse Summe von Konfessionen sei. Trotz oder gerade aufgrund ihres anspruchsvollen Selbstverständnisses bekennt sie sich zu einem ernsthaften ökumenischen Dialog der Liebe und der Wahrheit mit dem Ziel einer sichtbaren Einheit durch Besinnung auf den Ursprung in Christus und auf die Sendung für die Welt.

Dazu sind Buße und Umkehr für alle nötig, auch für sie selbst. Ohne die „Bekehrung des Herzens“, die „Heiligkeit des Lebens“ sowie das „private und öffentliche Gebet für die Einheit der Christen“ würde der ökumenischen Bewegung die Seele fehlen. Über diesen geistlichen Ökumenismus hinaus sollte man sich aber auch darum mühen, die „Sinnesart“ der anderen Christen noch besser kennen zu lernen und die eigene Glaubensüberzeugung sowohl klar und verständlich als auch demütig darzulegen. Schließlich gelte es als gemeinsames Zeugnis vor der Welt, die Zusammenarbeit in allen sozialen Fragen, das Engagement für die Menschenwürde und den Frieden noch mehr zu vervollkommnen.

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