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Der Mensch hinter der Uniform

25 Jahre Ökumenische Polizeiseelsorge in Sachsen-Anhalt

Mit einem ökumenischen Gottesdienst feierten Vertreter aus Kirchen, Politik und Polizeidienst 25 Jahre ökumenische Polizeiseelsorge in Sachsen-Anhalt. In seiner Predigt danke Bischof Dr. Gerhard Feige den Männern und Frauen der Polizeiseelsorge für ihre Arbeit. „Dem Dienst der Polizeiseelsorger und -seelsorgerinnen kommt eine entscheidende Rolle zu. Ihre Aufgabe ist es, den Polizisten und Polizistinnen zur Seite zu stehen und ihnen bei der Bewältigung schwerer Erfahrungen zu helfen. Dazu kommt der berufsethische Unterricht, in dem die Spannungs- und Konfliktfelder erörtert werden, auf die man heute treffen kann. Dabei wird auch versucht, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein klares Menschenbild zu vermitteln, an dem sie sich in ihren Einsätzen orientieren können.“ Denn Einsatzkräfte müssten heutzutage „einiges an menschenverachtenden Beleidigungen und pauschalen Diffamierungen auszuhalten.“

Polizisten und Polizistinnen müssten es ertragen, „zu „Prügelknaben der Nation“ gemacht zu werden. Darüber hinaus sind sie immer wieder mit menschlichen Extremsituationen konfrontiert: Sie erfahren Leid und Tod in vielfältiger Gestalt, müssen Menschen niederschmetternde Nachrichten überbringen und sich selbst in manche Gefahr begeben. Zu verkraften, dass Kollegen im Einsatz vielleicht verletzt werden oder gar zu Tode kommen, oder dass man selbst von der Schusswaffe Gebrauch machen musste, kann zusätzlich enorm belasten.“

„Seit 25 Jahren stellen Sie sich als Polizeiseelsorger und Seelsorgerinnen in bewährter ökumenischer Zusammenarbeit diesem verantwortungsvollen Dienst zur Verfügung. In einer Zeit, in der die grundlegendsten Regeln des Anstands in Frage gestellt sind, stehen Sie für die Menschlichkeit. Sie unterstützen Polizeibeamte darin, ihrerseits dafür zu sorgen, dass Hass und Rohheit nicht Überhand gewinnen. Sie helfen ihnen, sich auf ihre Weise zum Wohl der Menschen und zu einem friedlichen Zusammenleben in unserer Gesellschaft einzusetzen.“

Beim anschließenden Empfang waren auch viele ehemalige Polizeiseelsorger vertreten. Der evangelische Pfarrer und Polizeiseelsorger der ersten Stunde, Eberhard Dutschmann, beschreibt seinen Dienst als den Höhepunkt seines Berufslebens. „Uns begleitete ein Vertrauen, mit dem man nicht rechnen konnte“, erinnert er sich. Und auch der katholische Pfarrer Magnus Koschig, der von 1990 bis 1992 als Polizeiseelsorger tätig war, bevor die 1994 in Kraft getretene Vereinbarung zwischen dem Land Sachsen-Anhalt und den Kirchen ausgehandelt war, erinnert sich: „Das war ein Kaltstart in ein faszinierendes Abenteuer.“ Als im Spätsommer 1990 zwei Offiziere der Volkspolizei an seiner Haustür klingelten, habe er nur sehr vorsichtig die Tür geöffnet. Sie bräuchten dringend jemanden, der den berufsethischen Unterricht für Polizeischüler übernehme. Das hat er dann gern getan.

Staatsekretärin Dr. Tamara Zieschang, die in Vertretung für den Innenminister Holger Stahlknecht ein Grußwort überbrachte, würdigte die Arbeit der Polizeiseelsorger und Seelsorgerinnen. „Sie wirken im Hintergrund, helfen den Kollegen und Kolleginnen, schreckliche Dinge zu verarbeiten und sind unverzichtbar.“ Nicht selten lasten schockierende Bilder auf der Seele der Einsatzkräfte, die Bewältigung des Alltags wird zu einer großen Herausforderung. „Genau dann ist es wichtig, dass Menschen da sind, die sich um die Seelen anderer sorgen.“

Predigt Bischof Dr. Gerhard Feige

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