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Dreikönigsfest am 6. JanuarBischof: Sterndeuter stehen für Offenheit und Dialog
Erscheinungsdatum: 6. Januar 2026
Mit einem Plädoyer für Offenheit, Dialogbereitschaft und religiöse wie gesellschaftliche Toleranz hat Bischof Feige am Dreikönigsfest 2026 seine Predigt überschrieben. Unter dem Leitmotiv „Empfindsam und anrufbar“ stellte er den Gegensatz von Anrufbarkeit und Verschlossenheit in den Mittelpunkt – und schlug dabei eine Brücke von der biblischen Erzählung der Sterndeuter zur aktuellen Krise von Demokratie und Kirche.
Ausgehend vom Evangelium des Tages zeichnete der Bischof zwei Haltungen zur Welt nach: Die Sterndeuter stünden für Aufmerksamkeit, Offenheit und die Bereitschaft, sich vom Neuen berühren zu lassen. König Herodes hingegen verkörpere Angst, Abschottung und Ablehnung des Fremden. Diese Gegenüberstellung verband Feige mit Überlegungen des Soziologen Hartmut Rosa, der von einer „Krise der Anrufbarkeit“ in der modernen Gesellschaft spricht. Trotz permanenter Erreichbarkeit, so Feige, nehme die Fähigkeit ab, sich wirklich ansprechen und verändern zu lassen.
Feige rief dazu auf, das Dreikönigsfest als Einladung zu verstehen, den Blick für das Wirken Gottes über alle Grenzen hinweg zu weiten. Die Haltung der Sterndeuter – offen, suchend und ansprechbar – könne Orientierung geben für Kirche, Gesellschaft und das persönliche Leben.
Der Gottesdienst wurde von den Magdeburger Dombläsern und dem ökumenischen Chor aus Groß Ammensleben mitgestaltet.
68. Aktion Dreikönigssingen
Auch 2026 sind bis Ende Januar bundesweit wieder viele Sternsingergruppen unterwegs, um für Kinder in ärmeren Ländern Spenden zu sammeln und den Segen für das neue Jahr zu bringen. „Schule statt Fabrik – Sternsingen gegen Kinderarbeit“ lautet das Motto der 68. Aktion Dreikönigssingen. Die Aktion bringt den Sternsingerinnen und Sternsingern das Thema Kinderarbeit näher und zeigt, wie wichtig die Kinderrechte auf Schutz und Bildung sind. Das Dreikönigssingen 2026 ermutigt die Sternsingerinnen und Sternsinger sowie ihre Begleitenden, sich gegen Kinderarbeit einzusetzen und eine gerechtere Welt zu gestalten.
Magdeburger Sternsinger beim Bundeskanzler
Vier Kinder aus der katholischen Pfarrgemeinde Maria-Hilfe der Christen in Magdeburg-Ottersleben vertreten am 6. Januar 2026 das Bistum Magdeburg beim Sternsinger-Empfang im Bundeskanzleramt. Die Mädchen und Jungen aus Magdeburg - Ottersleben hatten sich im Vorfeld der 68. Aktion Dreikönigssingen für die Teilnahme beworben und bei der Ziehung der Gewinner das nötige Losglück.
108 Königinnen und Könige aus allen 27 deutschen Diözesen sind traditionell in Berlin mit dabei. Seit 1984 bringen die Sternsingerinnen und Sternsinger ihren Segen „Christus mansionem benedicat – Christus segne dieses Haus“ ins Bundeskanzleramt. Aus allen Himmelsrichtungen reisen sie in ihren prächtigen Gewändern, mit ihren goldenen Sternen und glänzenden Kronen in die Bundeshauptstadt.
Seit dem Start der Aktion 1959 kamen beim Dreikönigssingen insgesamt mehr als 1,4 Milliarden Euro zusammen, mit denen Projekte für benachteiligte und Not leidende Kinder in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa gefördert wurden. Mit den Mitteln aus der deutschlandweiten Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder werden Projekte in den Bereichen Bildung, Ernährung, Gesundheit, Kinderschutz, Nothilfe, pastorale Aufgaben und soziale Integration unterstützt. Bundesweite Träger sind das Kindermissionswerk ‚Die Sternsinger‘ und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ).
Weiterführende Links:
Empfindsam und anrufbar
Predigt zu Epiphanie 2026 von Bischof Dr. Gerhard Feige
(Jes 60, 1-6 / Eph 3, 2-3A.5-6 / Mt 2, 1-12)
Anrufbarkeit und Verschlossenheit
Anrufbarkeit und Verschlossenheit – von beiden Haltungen zur Welt haben wir heute im Evangelium gehört. Da sind zum einen die Sterndeuter. Sie stehen gewissermaßen für die erste Haltung, die Anrufbarkeit. Aufmerksam, offen für Neues, lassen sie sich aus ihrem Leben herausrufen, brechen auf und folgen dem Stern, bis ins Unbekannte hinein. Davon lassen sie sich berühren und geben mit ihrem Leben Antwort. König Herodes hingegen, achtlos das kosmische Ereignis nicht bemerkend, in sich verschlossen, abgeschirmt in seinem Palast, fürchtet das Neue und Fremde und reagiert mit Angst und Ablehnung. Er verkörpert, was der Soziologe Hartmut Rosa in seinem Buch „Demokratie braucht Religion“ aus dem Jahre 2022 eine „Krise der Anrufbarkeit“ nennt.
Darin beobachtet er eine um sich greifende Verschlossenheit in unserer Gesell-schaft. Wie passt das mit unserer permanenten Erreichbarkeit und der hohen Schlagzahl unserer Kommunikation sei es per E-Mail oder Messenger zusammen? Eigentlich sind wir doch permanent „anrufbar“. Das ist es jedoch nicht, was Rosa meint. Im Gegenteil. Die ständige Erreichbarkeit trägt vielmehr zur Krise der Anrufbarkeit bei. Seiner Beobachtung nach sind die Menschen immer weniger aufmerksam und offen für das Fremde und Neue, lassen sich von der Welt und den anderen nicht berühren, sondern reagieren mit Angst, einem Gefühl der Bedrohung und Ablehnung. Ist es nicht bei Herodes ähnlich? Rosa macht seine Beobachtung an zwei Phänomenen fest, die zunächst einmal nicht viel miteinander zu tun zu haben scheinen: der Krise der Demokratie mit dem Erstarken des Populismus sowie dem Mitgliederschwund der großen Kirchen in unserer Gesellschaft.
Wenn auf das Andere, das Fremde mit Angst und Ablehnung reagiert wird, wird der Dialog, das Erkennen des Wertes der anderen Position, das gemeinsame Ringen um Lösungen, von dem die Demokratie lebt, unmöglich. Gleichermaßen hat auch eine Kirche den Menschen nichts mehr zu sagen, wenn sie sich vor ihren Erfahrun-gen, ihrer Lebenswelt verschließt und mit einem autoritären Machtanspruch auftritt, der Gehorsam einfordert und Dialog abbricht.
„Nostra aetate“
Aber auch die Religion lebt von der Notwendigkeit, sich über die eigenen Überzeu-gungen für andere Sichten zu öffnen und zu hören, was vielleicht zunächst be-fremdlich klingt, was man nicht vollständig erfassen und verstehen kann und sich der eigenen Kontrolle entzieht. Ja, dazu gehört auch, sich gegebenenfalls durch ein Anderes anrufen und verwandeln zu lassen. Dieser Logik folgend hat sich auch die katholische Kirche auf dem II. Vatikanischen Konzil dem und den Anderen geöffnet und war bereit, sich berühren und verwandeln zu lassen. Im Oktober letzten Jahres jährte sich die „Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen“ zum 60. Mal. Erstmals in ihrer Geschichte äußerte sich darin unsere Kirche ausdrücklich positiv und wertschätzend gegen über den anderen Religionen. Offen für Neues, schloss sie nicht mehr aus, sich davon berühren lassen, was ihr aus der Welt, von der sie Teil ist, entgegenkommt. Dadurch hat sich in den Bezie-hungen der Kirche zu den anderen Religionen viel verändert.
Lange Zeit verstand sich die katholische Kirche ja als alleinseligmachend und ging davon aus, dass nur getaufte und praktizierende Christen in ihr das Heil erlangen können. Alle übrigen bleiben ausgeschlossen und gehen verloren. In der Neuzeit wuchs aber die Einsicht: Auch wer die wahre Religion Christi und das Evangelium nicht kennt, kann gerettet werden, wenn er Gott aus ehrlichem Herzen sucht und seinem Gewissen getreu sein Leben einrichtet. Das II. Vaticanum rechnete schließ-lich damit, dass auch die nichtchristlichen Religionen mit ihren Lehren, Lebensre-geln und heiligen Riten ihren Anhängern einen konkreten Weg zu Gott weisen kön-nen.
Das aber bedeutet „recht verstandene Toleranz“ und „missionarisches Bekenntnis“: Wenn ich andere in ihrer Freiheit und Eigenständigkeit respektiere, muss ich die Wahrheit nicht verschweigen oder aufgeben, die ich für mein Leben erkannt habe. Und umgekehrt: Die christliche Gottesvorstellung und Weltdeutung als richtig anzu-sehen und zu lieben, muss nicht bedeuten, andere Wege zu verachten und zu hassen. Gerade die Spannung zwischen Identität und Offenheit macht unser Christsein aus, die Spannung von stabiler Überzeugung und gelassener Weite.
Diese Haltung dürfte auch für die Überwindung der Krise entscheidend sein, in die unsere Demokratie gekommen ist. Wirkliche Toleranz anerkennt, dass jemand eine andere Meinung hat, und ist auch dazu in der Lage, etwas Positives und Wertvolles in der anderen Position zu sehen, um von dort aus zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen. Es geht darum, bereit zu sein, sich herausrufen, sich berühren zu lassen vom Anderen – aber nicht einfach, um es passiv hinzunehmen, was die ande-ren tun, sondern um dazu in der Lage zu sein, zu antworten und sich dadurch in ein Gemeinsames hineinzuverwandeln. Solche Momente erfahren wir meist als sinn-stiftend, erfüllend oder beglückend. So haben wir es auch in der heutigen Lesung aus dem Buch Jesaja gehört: Jerusalem wird herausgerufen, aufgefordert, aufzu-stehen (Jes 60,1), und die Nationen machen sich auf den Weg, versammeln sich und kommen zusammen (Jes 60,3f.), so dass „das Herz erbeben und sich weiten wird“ und der ganze „Reichtum“ und die Fülle des Lebens erfahren wird (Jes 60,5).
Offenheit und Resonanz
Menschliches Leben und Politik gelingen (nach Rosa) erst dann, wenn Menschen einem möglichen Anruf von außen offen eingestellt sind. So sind die intensivsten und oftmals glücklichsten Momente unseres Daseins diejenigen, in denen uns plötzlich etwas zutiefst ergreift, bewegt oder erschüttert. Ich selbst erinnere mich an Gebirgstouren in der Hohen Tatra, bei denen mich die Schönheit der Landschaft im Innersten bewegt hat. Aber auch das Erleben von wunderbaren Sonnenuntergängen oder das gemeinsame Sitzen am Lagerfeuer haben mich ein tiefes Glücksgefühl erfahren lassen. Und auch das Singen hat eine ähnliche Wirkung. Hier war und ist es nach wie vor das Erklingen des „Großer Gott wir loben dich“, das in mir etwas zum Klingen bringt, mich lebendig macht und mir das Herz weitet.
Lebendigkeit spüren wir meist da, wo das, was uns anruft, uns verändert, uns le-bendig macht. Rosa spricht in diesem Zusammenhang von Resonanzräumen, die entstehen. Er ist davon überzeugt, dass eine Gesellschaft so etwas braucht. Man kann auf Dauer nicht nur von Arbeit und Beschäftigung, Leistung und Erfolg, Wett-bewerb und Kampf, Lärm und Hektik, Konsum und Vergnügen leben, gewisserma-ßen wie in einem Hamsterrad, ständig unter Druck. Wir brauchen Resonanzräume, in denen unsere Seele unerwartet berührt wird und etwas in uns zum Klingen kommt. Das kann in der Natur sein, während des Urlaubs oder auf einer Reise, das kann Musik bewirken, das kann in der Stille oder in einem Gottesdienst geschehen, das können Erlebnisse sein, die unter die Haut und ans Herz gehen: die Geburt eines Menschen, Ausgelassenheit und Freude bei einem Fest, aber auch die Begegnung mit leidenden Menschen oder die Erfahrung von Tod und Trauer. Das muss und wird sich nicht unbedingt wiederholen, hinterlässt aber eine Ahnung da-von, dass es gewissermaßen im Leben noch mehr geben muss als alles. Ergriffenheit und Rührung, Staunen und Dankbarkeit sind oftmals die Folge. Alle diese Fälle setzen eine gewisse Offenheit, eine Berührbarkeit voraus.
Liebe Schwestern und Brüder, wir feiern das Fest der Erscheinung des Herrn. Die-ses Fest weitet unseren Blick für das Wirken Gottes in allen Völkern unserer Erde, innerhalb unserer Kirche und außerhalb, bei Christen und Nichtchristen, bei Suchenden und bei denen, die vielleicht gar nichts suchen. Lassen wir uns dazu er-mutigen, die Haltung der Offenheit und Anrufbarkeit, wie wir sie bei den Sterndeutern finden, auch in unserem Leben einzunehmen und uns durch andere Meinungen und Positionen herausrufen zu lassen, um in einem offenen und ehrlichen Dia-log nach gemeinsamen Lösungen zu suchen, damit alle die Fülle des Lebens erfahren können.
Quelle: Kindermissionswerk Die Sternsinger e.V., Stephanstraße 35, 52064 Aachen, Telefon: + 49 241.44 61-0, kontakt@sternsinger.de; Bistum Magdeburg, Pressestelle, presse@bistum-magdeburg.de, 0391-5961134



