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Ein Diakon hält das Kreuz
Diakon Wolfgang Gerlich trägt das Kreuz.
Bildrechte / Quelle: Bistum Magdeburg

Karfreitags-Liturgie In Stille vor dem Kreuz

Schwer und ruhig ist die Karfreitags-Liturgie in St. Sebastian: kniende Gemeinde, der Bischof niedergeworfen vor dem Altar, gesungene Passion, die feierliche Enthüllung des Kreuzes an drei Stationen und schließlich die gemeinsame Kreuz-Verehrung.

Erscheinungsdatum: 3. April 2026

Die Kathedrale St. Sebastian in Magdeburg ist bis auf den letzten Platz gefüllt, manch einer muss stehen. Viele internationale Gottesdienstbesucherinnen und -besucher sind gekommen. Und doch ist die Kirche komplett still an diesem Karfreitag, dem 3. April 2026. Kein Orgelton, kein Eingangslied. Die Gemeinde kniet. Vor dem Altar liegen Bischof Gerhard Feige und Diakon Wolfgang Gerlich auf der obersten Altarstufe. Ein Moment, der länger wirkt, als er dauert. Die Liturgie des Karfreitags beginnt mit einem Zeichen radikaler Demut.

Dann erheben sich alle, der Bischof bleibt am Platz und spricht das Eröffnungsgebet, die Kathedra – der Bischofsstuhl – bleibt bewusst leer. Es folgt die erste Lesung aus dem Buch Jesaja, der Gottesknecht – leidend, verwundet, getragen von fremder Schuld. Die Worte hallen durch den Raum, getragen von einer konzentrierten Stille. Der Antwortgesang „Vater, in deine Hände“ verbindet Chor und Gemeinde.

Stille erfüllt die Kirche

Diakon Wolfgang Gerlich am Ambo
Diakon Wolfgang Gerlich Bildrechte / Quelle: Bistum Magdeburg

Die Johannes-Passion erklingt. Am Punkt des Todes Jesu bricht sie ab. Alle knien. Kein Wort, kein Ton. Nur Stille. Eine Stille, die sich spürbar verdichtet.

In seiner Predigt betont Diakon Wolfgang Gerlich, dass die Anrede „Schwestern und Brüder“ am Karfreitag keine bloße Floskel ist, sondern ihren Ursprung in der gemeinsamen Erfahrung unter dem Kreuz hat. In der Stille des Gottesdienstes und im bewussten Hinzutreten zum Kreuz würden alle Unterschiede relativiert:  „Wir dürfen kommen, wie wir sind, entblößt von allem, was wir uns selbst an seelischer Verkleidung und Maske zugelegt haben, aber auch mit unseren eigenen Nöten und Ängsten,  bedrückt von erfahrenem und selbst verursachtem Leid.“

Gerade in dieser gemeinsamen Haltung – schweigend, offen und verletzlich – entstehe eine tiefe Form von Gemeinschaft. Sie gründe nicht auf menschlicher Leistung, sondern auf dem gemeinsamen Ausgerichtetsein auf Christus und auf der Erfahrung, dass alle als Bedürftige vor Gott stehen. 

Kreuz-Verehrung

So ist dann auch die anschließende Kreuzverehrung als gemeinsame Erfahrung zu verstehen. Diakon Gerlich zieht mit drei Ministranten durch den Mittelgang in die Turmkapelle. Das verhüllte Kreuz wird in drei Stationen hereingetragen: unter die Empore, in das Mittelschiff und schließlich auf die Altarstufen. Bei jeder Station hebt der Diakon singend an: „ecce lignum crucis“ – „seht das Holz des Kreuzes“. Die Gemeinde antwortet. 

Das Kreuz wird aufgerichtet, flankiert von zwei Leuchtern. Die Kreuz-Verehrung beginnt mit dem Bischof, Diakon Gerlich folgt. Zwei Ministranten legen ein rotes Tuch auf die untere Stufe. Dann tritt die Gemeinde nach vorne. Jeder Einzelne – eine Kniebeuge, eine Blume, ein kurzer Augenblick der persönlichen Begegnung. 

Am Ende verlassen Bischof und Diakon schweigend die Kirche. Und wieder ist es unendlich still.

Die Predigt von Diakon Gerlich als PDF

Quelle: Bistum Magdeburg, Pressestelle, presse@bistum-magdeburg.de, 0391-5961134

Gottesdienst mit Bischof Feige
Gottesdienst mit Bischof Feige
Gottesdienst mit Bischof Feige
Gottesdienst mit Bischof Feige

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