map_simpleBistumskarte
Mann mit Buch
Dr. Mathias Bethke, Leiter des Katholischen Büros Sachsen-Anhalt
Bildrechte / Quelle: Mathias Bethke

Katholisches BüroBethke veröffentlicht Buch zu Religionspolitik

Warum spielt Religionspolitik in Sachsen-Anhalt überhaupt eine Rolle? In seinem Buch „Das kann man als Atheist gelassen sehen“ untersucht Mathias Bethke, Leiter des Katholischen Büros Sachsen-Anhalt, erstmals systematisch die religionspolitischen Entscheidungen des Landtags seit der Wiedervereinigung.

Erscheinungsdatum: 20. Januar 2026

Der Leiter des Katholischen Büros Sachsen-Anhalt, Mathias Bethke, hat seine politikwissenschaftliche Dissertation zur Religionspolitik in Sachsen-Anhalt unter dem Titel „Das kann man als Atheist gelassen sehen“ veröffentlicht. Die Studie untersucht erstmals systematisch, wie und warum seit der Wiedervereinigung religionspolitische Entscheidungen im Landtag getroffen wurden – und warum Kirchen in einem der säkularsten Bundesländer Deutschlands politisch bis heute eine besondere Rolle spielen. Ausgangspunkt der Arbeit ist ein offensichtliches Spannungsverhältnis:

Während nur rund 14 Prozent der Bevölkerung Sachsen-Anhalts Mitglied einer christlichen Kirche sind, hat das Land seit 1990 wiederholt recht kirchenfreundliche politische Entscheidungen getroffen – von Staatsleistungen über Feiertagsregelungen bis hin zu Staatsverträgen und einem Gottesbezug in der Landesverfassung. Zudem zeigen Wahlanalysen, dass Kirchenbindung in Sachsen-Anhalt als Hemmschwelle für die Wahl rechtsextremer und rechtspopulistischer Parteien wirkt.

Bethke hat Landtagsdebatten, Gesetzentwürfe und Beschlüsse aus mehr als drei Jahrzehnten analysiert. Im Zentrum steht die Frage, mit welchen Argumenten religionspolitische Entscheidungen begründet und getroffen wurden – unabhängig davon, welche Parteien gerade regierten.

AfD und Kirche  

Besondere Aufmerksamkeit widmet die Dissertation auch den Konflikten zwischen der AfD und den Kirchen seit dem Einzug der Partei in den Landtag 2016. Die AfD greife die Kirchen scharf an, obwohl sie sich gleichzeitig auf eine „abendländisch-christliche Leitkultur“ berufe. Diese Auseinandersetzungen rüttelten, so Bethke, an einem bislang weitgehend stabilen und konsensorientierten Verhältnis von Landespolitik und Kirchen.

Ein zentrales Ergebnis der Studie: Über Legislaturperioden hinweg lässt sich ein parteienübergreifender religionspolitischer Konsens erkennen, der sich bewusst vom Staatsatheismus der DDR abgrenzt, gesellschaftliches Wirken der Kirchen ermöglichen will und um ein partnerschaftliches Verhältnis zu den Kirchen ebenso bestrebt ist wie um konfessionelle Parität und religiös-säkulare Gleichberechtigung.

Mit seiner Arbeit schließt Bethke eine Forschungslücke: Religionspolitik wird in Deutschland meist auf Bundesebene untersucht, obwohl sie überwiegend Ländersache ist. Die Dissertation leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Debatte über die Zukunft des Verhältnisses von Staat, Kirchen und Religion in Ostdeutschland.

"Das kann man als Atheist gelassen sehen"
Religionspolitik in Sachsen-Anhalt 1990–2021

wbg Academic in der Verlag Herder GmbH
1. Auflage 2025
Open Access
584 Seiten
ISBN: 978-3-534-64311-0
Bestellnummer: P3643111

Hier geht es zum Download des Buches

Quelle: Bistum Magdeburg, Pressestelle, presse@bistum-magdeburg.de, 0391-5961134


Themen und Partnerportale