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Porträt von Bischof Leo Nowak
Bischof Leo im Jahr 2025
Bildrechte / Quelle: Bistum Magdeburg

Nachruf auf Bischof Leo„Alles in Christus vereinen“

In den Morgenstunden des 12. April 2026, am 2. Ostersonntag, hat Gott, der Herr über Leben und Tod, Bischof emeritus Leo Nowak im Alter von 97 Jahren aus diesem irdischen Leben abberufen.

Erscheinungsdatum: 13. April 2026

Leo Nowak wurde am 17. März 1929 in Magdeburg geboren. Er absolvierte eine kaufmännische Lehre und besuchte von 1948 bis 1950 eine Fachschule für Industrie und Handel. Nach der Ausbildung verließ er jedoch den kaufmännischen Berufsweg. Denn schon als Jugendlicher hatte er sich intensiv mit der Frage nach Gott auseinandergesetzt. Um dieser Frage noch tiefer auf den Grund zu gehen, entschloss er sich, in Paderborn und Erfurt Theologie zu studieren.

Nach seiner Priesterweihe durch Weihbischof Friedrich Maria Rintelen am 10. Mai 1956 war er sechzehn Jahre lang als Vikar, Kuratus oder Pfarrvikar in verschiedenen Gemeinden der Magdeburger Kirche tätig, zum Teil mit regionalen Zusatzaufgaben. Orte seines Wirkens waren Seehausen, Großkorbetha, Lützen, Merseburg, Ziesar und Stendal. Es folgten drei Jahre als Referent für die Erwachsenenseelsorge und fünfzehn Jahre als Leiter des Magdeburger Seelsorgeamtes.

1990 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Bischof und Apostolischen Administrator in Magdeburg. Seine Bischofsweihe fand am 24. März 1990 in Magdeburg statt. Der Hauptkon-sekrator war sein Vorgänger Bischof Johannes Braun. Als schließlich am 8. Juli 1994 aus dem Bischöflichen Amt Magdeburg ein eigenständiges Bistum wurde, wurde Leo Nowak von Papst Johannes Paul II. zu dessen erstem Bischof ernannt und am 9. Oktober 1994 in dieses Amt eingeführt.

Diesen seinen Dienst trat er in einer Zeit großer gesellschaftspolitischer Veränderungen an. Es galt, das Verhältnis der Kirche zur Gesellschaft ganz neu zu bestimmen. Viele Christen übernahmen politische Verantwortung auf kommunaler und auf Landesebene. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit mussten aufgebaut werden. Neue seelsorgerliche Aufgaben suchten nach Lösungen, Verbände wurden ins Leben gerufen. Bereits im Jahr 1991 gab es 22 Sozial-stationen in katholischer Trägerschaft. Auf Wunsch vieler Eltern hat Bischof Leo Nowak im gleichen Jahr drei katholische Gymnasien errichtet, später kamen vier Grundschulen hinzu und dann auch noch eine Sekundarschule.

Solchen Herausforderungen stellte sich Leo Nowak mit gläubiger Zuversicht und mit dem ihm eigenen weiten geistigen Horizont. Dafür steht auch sein bischöflicher Wahlspruch „Alles in Christus vereinen“, in dem er seinen Auftrag als Bischof erkannte: „Zu sammeln und nicht zu zerstreuen, Leben zu wecken und nicht zu zerstören. Alle in Christus zu vereinen. Wohlgemerkt alle, Christen und Nichtchristen, Evangelische und Katholische, Glaubende und Nichtglaubende, ihnen allen wollte ich verkünden, dass es einzig und allein darauf ankommt, in der Liebe zu wachsen, die uns in Jesus Christus so wunderbar geschenkt ist“ (Fastenhirtenbrief 2004).

Nach der friedlichen Revolution und der gesellschaftspolitischen Wende von 1989 und 1990 war es deshalb sein Anliegen und seine Sorge, sich auch für eine „innere und geistige Wende“ einzusetzen. Sie erschien ihm als eine notwendige Voraussetzung für eine neue Gesellschaft. Darin sah er auch die Aufgabe der Kirche, mag ihre äußere Gestalt auch noch so klein und armselig erscheinen. Immer wieder hat er darauf hingewiesen, dass die Situation einer extremen Minderheit nicht nur eine besondere Herausforderung darstellt, sondern dass sie auch ihre ganz eigenen Chancen in sich birgt. „Ich habe die Vorstellung“ – so schrieb er einmal – „dass wir unsere Situation nicht nur andauernd beklagen und uns auf diese Weise ständig selbst blockieren und frustrieren, sondern diese Armut als eine Art Arm-Seligkeit verstehen und begreifen lernen, weil diese Armut dem Geist des Evangeliums entspricht.“

Diese Überzeugung hat dann im „Pastoralen Zukunftsgespräch“ von 2000 bis 2004 Gestalt angenommen und zu wichtigen Impulsen geführt. „Um Gottes und der Menschen willen – den Aufbruch wagen“: in diesem Motto leuchtet auf, worum es Leo Nowak immer wieder ging: den christlichen Glauben im Hier und Heute zu leben und verständlich zu machen, Christen wie Nichtchristen den Sinn des Lebens zu erschließen und so eine missionarische Kirche zu sein. Denn „nur durch Gott“ – so Leo Nowak – „kann der Mensch letztlich von der Angst befreit werden, vom Tod und der Knechtschaft der Sünde mit ihren vielen Gesichtern. Nur Gott schenkt dem Menschen ewiges Leben, das ihm nicht mehr genommen werden kann.“ Zu dieser Sicht des christlichen Glaubens hat er immer wieder eingeladen. Bezeichnend dafür sind auch die Titel seiner Publikationen: „Begegnung und Dialog“, „Gib die Hoffnung nicht auf“, „Un-glaublich“, „Un-möglich“ und „Un-verzagt“, letzteres mit dem Untertitel „Ermutigungen nicht nur für Christen“.

In alldem verdankt das Bistum Magdeburg seinem ersten Bischof Leo Nowak wesentliche Impulse und Weichenstellungen. Dazu gehörte auch die Gründung der „Partnerschaftsaktion Ost“ 1992, einem diözesanen Hilfswerk zur Unterstützung von Menschen in Ost- und Südost-europa, und die Gründung der Stiftung „Netzwerk Leben“, die sich – als Reaktion auf den Ausstieg der katholischen Kirche aus der staatlichen Schwangerschaftskonfliktberatung 1999 – ganzheitlich darum müht, „dem Leben auf die Beine zu helfen“. Beide Initiativen werden auch von nichtchristlichen Mitbürgerinnen und Mitbürgern vielfältig unterstützt. Seinem Engagement ist auch die Errichtung des Instituts für katholische Theologie und ihre Didaktik an der Martin-Luther-Universität Halle 2003 zu verdanken.

In einer Zeit tiefgreifender Veränderungen hat er der Kirche als Mann des Ausgleichs und des Dialogs, beherzter Seelsorger und eifriger Hirte mit missionarischem Profil ein zutiefst hoffnungsvolles und liebenswürdiges Gesicht gegeben. Immer war ihm bewusst, auf wen er seine Hoffnung setzt: auf Jesus Christus, den Weg, die Wahrheit und das Leben. Im Vertrauen auf ihn hat er das Bischofsamt übernommen, im Vertrauen auf ihn stellte er sich den immer neuen Herausforderungen, die auf ihn zukamen, mit der nötigen Gelassenheit, einem schöpferischen Mut und einer unbändigen Zuversicht. Zeit seines Lebens verstand er sich als Wegbereiter und nicht als Nachlassverwalter. So war er auch noch mit 62 Jahren bereit, für fünf Jahre den Vorsitz der Jugendkommission der gesamtdeutschen Bischofskonferenz wahrzunehmen.

Auch nach seiner Emeritierung am 17. März 2004 hat er weiterhin engagiert am gesellschaftlichen und kirchlichen Leben teilgenommen. Soweit es seine Kräfte zuließen, hat er bis zuletzt – wenn erwünscht – geholfen und sich eingebracht. An seinem 97. Geburtstag hat er sogar noch selbst der Eucharistiefeier vorgestanden und dabei – wie zudem bei einem Gottesdienst am Ostersonntag – auf lebendige und sehr ansprechende Weise gepredigt. Nicht mehr möglich ist ihm aber nun, am 10. Mai 2026 den 70. Jahrestag seiner Priesterweihe feiern zu können.

Als sein Nachfolger im Bischofsamt schaue ich mit großer Dankbarkeit auf sein segensreiches Wirken, seine mitbrüderliche Begleitung meines Dienstes und seine herzliche Verbundenheit zurück. Möge der, auf den er zeitlebens seine Hoffnung gesetzt hat, ihm nun alles, was er bewirkt hat, in reichem Maße vergelten. Möge er die Fülle des Lebens erfahren, die er so vielen Menschen unermüdlich bezeugt hat.

Magdeburg, den 13. April 2026

für das Bistum Magdeburg    für das Kathedralkapitel    für die Angehörigen
Bischof Dr. Gerhard Feige    Dompropst Daniel Rudloff    Familie Nowak

Die Kapitelvesper für den Verstorben beten wir am Freitag, dem 24. April 2026, um 18:00 Uhr in der Kathedralkirche St. Sebastian, Magdeburg.
    
Das Requiem feiern wir am Samstag, dem 25. April 2026, um 10:30 Uhr in der Kathedralkirche St. Sebastian, Magdeburg. Anschließend erfolgt die Beisetzung auf dem Kapitelsfriedhof.

Persönlich Abschiednehmen am Sarg von Bischof Leo ist am 24. April 2026 von 16:00 bis 22:00 Uhr in St. Sebastian möglich.

Weiterführende Links:

Porträt von Bischof em. Leo Nowak

https://www.bistum-magdeburg.de/aktuelles-termine/nachrichten/bischof-em-leo-nowak-verstorben 

Quelle: Bistum Magdeburg, Pressestelle, presse@bistum-magdeburg.de, 0391-5961134


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