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Zwei Kerzen und eine weiße Lilie

NachrufDomkapitular em. Günther Brozek verstorben

Gott, der barmherzige Vater, hat am Sonnabend, den 21. Februar 2026, seinen treuen Diener, Herrn Domkapitular em. Günther Brozek im Alter von 84 Jahren in sein ewiges Reich gerufen.

Erscheinungsdatum: 25. Februar 2026

Günther Brozek wurde am 20. November 1941 in Schneidemühl als zweites Kind seiner Eltern geboren. Sein Vater ist im Jahr 1944 in Russland gefallen. Seine Mutter wurde 1945 beim Einmarsch der Roten Armee erschossen. Mit seinen Großeltern und seinem Bruder wurde er aus der Heimat vertrieben und lebte zunächst in einem Flüchtlingslager in Polen. Im Jahr 1947 gelangte er mit seinen Großeltern mütterlicherseits nach Stendal. Sein Bruder wurde bei den Großeltern väterlicherseits in Berlin groß. In Stendal besuchte Günther Brozek die Grundschule und absolvierte anschließend eine Berufsausbildung als Lokomotivschlosser im Reichsbahn-Ausbesserungswerk (RAW) Stendal, um seinen Traumberuf, Lokomotivführer, zu ergreifen. Von sich selbst schrieb er später „Schule war eine Last; Handwerk eine Lust.“

Während der Lehrausbildung wuchs in ihm der Wunsch, Priester zu werden. So trat er 1959 in das Norbertus-Werk in Magdeburg ein und legte dort vier Jahre später ein kirchliches Abitur ab. Von 1963 bis 1967 studierte er am Priesterseminar und am Philosophisch-theologischen Studium in Erfurt. Seine pastoral-praktische Ausbildung absolvierte er anschließend im Pastoralseminar auf der Huysburg und das Diakonatspraktikum in der Pfarrei St. Marien, Magdeburg-Sudenburg.

Am 1. Juli 1969 wurde er gemeinsam mit sechs Mitbrüdern in der Propsteikirche St. Sebastian von Weihbischof Dr. Friedrich Maria Rintelen zum Priester geweiht. Seinen priesterlichen Dienst nahm Günther Brozek als Vikar in Delitzsch auf. Dort pflegte er intensive Kontakte zu den Bewohnern und Mitarbeitern des katholischen Alten- und Pflegeheims sowie des Kinderheims. Es schlossen sich acht Jahre als Vikar in der Pfarrei Herz-Jesu in Bitterfeld an. In dieser Zeit war er auch Dekanatsjugendseelsorger. In Bitterfeld erlebte er mehrere schwere Unglücksfälle im Chemischen Kombinat mit deren Folgen sowie ein verheerendes Lokomotivunglück.

1982 wurde er von Bischof Johannes Braun zum Pfarrer der Pfarrei St. Andreas in Magdeburg-Cracau ernannt. Zusätzlich zur Leitung und Seelsorge in der Pfarrei übernahm er viele andere Aufgaben. So wurde er Beauftragter für Pfarrbüchereien im Bischöflichen Amt Magdeburg. Von 1982 bis 1988 gab er jungen Frauen, die sich in der Aspirantur in der Magdeburger Porsestraße auf eine kirchliche Berufsausbildung vorbereiteten, Religionsunterricht. In den Jahren 1983 bis 1987 war er gleichzeitig als Studentenpfarrer in Magdeburg tätig und pflegte schwerpunktmäßig die Partnerschaften mit den Katholischen Studentengemeinden zu Hamburg, Paderborn, Gießen und Nürnberg.

Schon im Norbertus-Werk wurde Günther Brozek ein tief ausgeprägter sozialer Sinn bescheinigt, der sich in seinem seelsorglichen Dienst von Anfang an zeigte. Im Jahr 1987 begann ein über zwei Jahrzehnte währendes intensives Engagement im Caritasverband unseres Bistums. Zunächst als Diözesanbeauftragter für den Bereich des Caritasverbandes Magdeburg, ab 1988 als Caritasdirektor und zugleich als Rektor des Seminars für den kirchlich-caritativen Dienst in Magdeburg. Von 1998 bis 2006 war er Geistlicher Direktor und Vorsitzender des Diözesancaritasverbandes Magdeburg.

Caritas-Diakonie war für ihn neben Verkündigung und Liturgie immer ein wesentlicher Lebensvollzug der Kirche. So widmete er sich mit viel Energie und Kraft dem Um- und Ausbau des Caritasverbandes unter den neuen Bedingungen der Bundesrepublik Deutschland und gestaltete ihn zum Spitzenverband der Freien Wohlfahrtspflege um, der auch im sozial-politischen Bereich tätig ist. Zur Bewältigung der besonderen Herausforderungen für den Caritasverband als sozial-wirtschaftliches Unternehmen gründete er erstmalig eine gemeinnützige Trägergesellschaft für die Einrichtungen der stationären Alten- und Behindertenhilfe – die Caritas-Trägergesellschaft St. Mauritius.

Bei der Gründung der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege im Land Sachsen-Anhalt übernahm er Aufbauverantwortung als deren erster Vorsitzender. Er war beteiligt am Aufbau des Malteser-Hilfsdienstes im Bistum Magdeburg und viele Jahre dessen Diözesanleiter. Weiterhin wirkte er am Aufbau der Katholischen Fachhochschule Berlin sowie in dessen Kuratorium mit. Als Arbeitgebervertreter arbeitete er im Widerspruchsausschuss der Berufsgenossenschaften für Wohlfahrtspflege mit und wurde später auch Mitglied des Vorstands im Raphaelswerk – Dienst am Menschen unterwegs e.V.

Günther Brozek, so formulierte es Bischof Dr. Gerhard Feige in seiner Dankesrede zu seiner Verabschiedung als Vorsitzender des Caritasverbandes im Jahr 2006, war immer für die anderen da. Menschliche Nöte, unabhängig davon, ob sie geistiger, körperlicher, seelischer oder materieller Art waren, hat er im Einzelfall als Herausforderung betrachtet. Er ist nicht müde geworden, die Liebe Gottes zu allen Menschen zu bezeugen.

Günther Brozek verstand den Caritasverband immer als integralen Teil des Bistums Magdeburg, so war es für ihn selbstverständlich, dass dieser sich bei der Bistumsgründung 1994 aktiv beteiligte. Bereits 1990 wurde er zum Geistlichen Rat ernannt, fünf Jahre später zum Ordinariatsrat und zugleich zum residierenden Domkapitular.

Bei allem Engagement für Caritas und Bistum blieb er Seelsorger. So übernahm er 1998 zusätzlich zu allen Diensten, die er schon wahrnahm, die Aufgabe als Subsidiar in der Pfarrei St. Josef, Magdeburg-Olvenstedt. Ein Jahr später wurde er von Bischof Leo Nowak unter Beibehaltung seiner Aufgaben im Caritasverband für das Bistum Magdeburg zum Pfarrer der Pfarrei St. Marien in Magdeburg-Sudenburg ernannt und mit der Administration der Pfarrei St. Maria Hilfe der Christenheit in Magdeburg-Ottersleben beauftragt. In dieser Aufgabe unterstützte er die Gründung des Gemeindeverbundes Magdeburg-Süd. Er verzichtete 2007 auf die Pfarrei St. Marien und arbeitete unter der Leitung von Pfarrer Christian Grubert im neuerrichteten Gemeindeverbund als Kooperator mit.

Innerlich blieb Günther Brozek auch mit der Heimat seiner frühen Kindheit verbunden. Ausdruck dafür war im Jahr 1993 seine Ernennung zum Konsistorialrat des Apostolischen Visitators für Priester und Gläubige aus der freien Prälatur Schneidemühl.

Nach einer schweren Herzerkrankung sah er sich im Jahr 2011 gezwungen, den Bischof um die Entpflichtung all seiner Aufgaben zu bitten und in den Ruhestand zu gehen. Soweit das seine Kräfte zuließen, hat er in den Gemeinden der Stadt Magdeburg weiterhin priesterliche Dienste übernommen. Im April 2025 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand dramatisch, so dass er zu Haus nicht mehr betreut werden konnte und in das Caritas-Altenpflegeheim Bischof-Weskamm-Haus umziehen musste.

Am 21. Februar 2026 endete das engagierte Wirken unseres Mitbruders für die Menschen in unserem Bistum und darüber hinaus. Der barmherzige Gott erfülle nun seine Sehnsucht nach vollendetem Leben in seinem Reich.

Das Requiem für Domkapitular em. Günther Brozek feiern wir am Mittwoch, den 4. März 2026, um 10:00 Uhr in der Kathedralkirche St. Sebastian. Die Beerdigung findet anschließend auf dem Kathedralfriedhof statt. Priester und Diakone sind eingeladen, das Requiem und die Beerdigung in Chorkleidung mitzufeiern.

Wir wollen unseres verstorbenen Mitbruders im Gebet und bei der Eucharistiefeier gedenken.

Magdeburg, den 25. Februar 2026

Thomas Kriesel
Ordinariatsrat

Quelle: Bistum Magdeburg, Pressestelle, presse@bistum-magdeburg.de, 0391-5961134


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