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Ein Gruppenfoto
Bischof Gerhard Feige im Kreis der Besucherinnen und Besucher
Bildrechte / Quelle: Annette Krumpholz/KEB Limburg

Was uns verbindetÖkumenische Studienreise nach Magdeburg stärkt Verbundenheit

Erscheinungsdatum: 4. November 2026

von Anette Krumpholz, KEB Limburg und Wetzlar-LDE

Mit Mauritius fing es an, mit neuer Verbundenheit ging es nach Hause. In Magdeburg entdeckten 20 koptische und katholische Christen, wie viel gemeinsame Geschichte in ihrem Glauben steckt.

Unter dem Titel „Mauritius - ein koptischer und katholischer Heiliger“ führte die Studienreise am 24. und 25. Oktober 2026 nach Magdeburg. Veranstalter waren die Katholische Erwachsenenbildung Limburg und Wetzlar, Lahn-Dill-Eder (KEB), die Koptisch-Orthodoxe Diözese Süddeutschland und die KEB Sachsen-Anhalt. Zur Gruppe gehörten zahlreiche koptische, einige katholische Christen und ein evangelischer Pfarrer. Damit setzten die Reisegruppe eine Tradition koptisch-katholischer Begegnung fort, die bereits seit rund fünf Jahren besteht.

Junge Menschen machen Geschichte lebendig

Die Studieneinheiten gestalteten Diakon Dr. Nader Naguib, Diakon Mina Ghattas und Dr. Frank van der Velden, Studienleiter für interreligiöse Bildung. Junge Menschen aus der koptischen Kirche hatten dafür Vorträge vorbereitet, die lebendig und anschaulich die gemeinsamen christlichen Wurzeln vor Augen führten. Sie machten neugierig auf die Glaubenstraditionen der anderen und gaben den Gesprächen persönliche Impulse.

Menschen sitzen an einem Versammlungstisch und unterhalten sich
Bildrechte / Quelle: Annette Krumpholz/KEB Limburg

„Diese Zusammenarbeit, die seit fünf Jahren so gut klappt, ist ein wichtiger Meilenstein für die ökumenische Arbeit der Kirchen“, betonte Diakon Mina Ghattas. Mauritius beeindruckte die Teilnehmenden besonders durch seine Standhaftigkeit. „Er war weit weg von daheim und ist dennoch ganz bei sich geblieben“, sagte ein koptischer Teilnehmer über den Heiligen. Dass Mauritius auch fern seiner Heimat seinem Glauben und seinen Überzeugungen treu blieb, mache ihn bis heute zum Vorbild.

Im Mittelpunkt stand Mauritius als ein Mensch, der seinem Glauben unter äußerstem Druck treu geblieben war. Ein Teilnehmer brachte dessen Bedeutung für das eigene Leben auf den Punkt: „Er war weit weg von daheim und ist dennoch ganz bei sich geblieben.“ Auch andere Heiligengestalten eröffneten Zugänge zum Alltag. So gab die Beschäftigung mit Verena Anlass, darüber nachzudenken, wie Nächstenliebe konkret wird und Menschen in Not stärker in den Blick kommen.

Gemeinsame Wurzeln, persönliche Entdeckungen

Ein koptischer Teilnehmer beschrieb, wie wichtig Mauritius für sein Gefühl der Zugehörigkeit sei: Mit einem Heiligen, der wie er ägyptische Wurzeln hat und im Magdeburger Dom verehrt wird, könne er sich identifizieren. Seine christliche koptische Kirche bietet ihm ein Zuhause.

Immer wieder führten die Gespräche zur Frage nach Heimat. Mehrere koptische Teilnehmende erzählten, sie seien gewissermaßen im Kloster Kröffelbach aufgewachsen. Gemeint ist damit der Ort der Gemeinschaft in der Nähe von Wetzlar, an dem man seinen Glauben in der Liturgie feiern kann. Die Kinder und Jugendlichen besuchen die Sonntagsschule, man spielt, lacht und isst mit anderen koptischen Familien.

Ein Bischof, der sich Zeit nimmt

Ein besonderer Höhepunkt war das Gespräch mit Bischof Dr. Gerhard Feige am Samstagabend im Roncalli-Haus. Trotz einer starken Erkältung nahm er sich Zeit für die Gruppe. Seine Zugewandtheit und die Selbstverständlichkeit, mit der er persönliche Erfahrungen teilte, hinterließen tiefen Eindruck. Die Teilnehmenden erlebten diesen Abend als besondere Wertschätzung.

Bischof Feige lacht
Bildrechte / Quelle: Annette Krumpholz/KEB Limburg

Im Gespräch, das Annette Krumpholz (KEB) moderierte, zeichnete der langjährige Vorsitzende der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz seinen eigenen Weg zur Ökumene nach. Dazu gehörten die Erfahrungen katholischer und evangelischer Christen in der DDR, die unter den Bedingungen eines religionsfeindlichen Staates zusammenfanden. Später weiteten Begegnungen mit den Kirchen des Ostens seinen Blick. Auch an einen Besuch im koptischen Kloster Kröffelbach nach der Wende in den 1990er-Jahren erinnerte er sich.

Für das koptisch-katholische Verhältnis sah der Bischof eine gewachsene Nähe, zugleich aber auch die Aufgabe, einander besser kennenzulernen. Neben Glaubensfragen spielten dabei kulturelle Prägungen eine erhebliche Rolle. Die eigene christliche Identität zu kennen und anderen offen zu begegnen, gehöre zusammen.

Gemeinsam Verantwortung übernehmen

Besonders nachdrücklich stellte Feige die Frage nach dem Umgang von Mehrheiten mit Minderheiten. Gemeinsames christliches Zeugnis müsse sich auch darin zeigen, wie Kirchen in der Gesellschaft handeln: für die Würde des Menschen, in Nächstenliebe und Solidarität und mit Verantwortung für das Gemeinwohl. In einer Zeit tiefgreifender Veränderungen könnten sie Räume eröffnen, in denen Menschen Gehör, Halt und Gemeinschaft finden.

Was solche Räume bewirken können, hatte die Reisegruppe selbst erlebt. Es wurde viel miteinander gesprochen und gelacht. Die Teilnehmenden lernten voneinander, entdeckten vertraute Gedanken in anderen Traditionen und fanden Gemeinsamkeiten, die über die beiden Tage hinausreichen.

Mauritius – ein Heiliger, der verbindet

Mauritius gilt der Überlieferung nach als Anführer der Thebäischen Legion, einer römischen Soldaten-Einheit aus Ägypten. Weil er und seine Gefährten Befehle verweigerten, die ihrem christlichen Glauben widersprachen, sollen sie um das Jahr 300 bei Agaunum, dem heutigen Saint-Maurice in der Schweiz, getötet worden sein. Dazu gehörte die Weigerung, andere Christen zu verfolgen.

In der koptischen und der katholischen Kirche wird Mauritius als Märtyrer verehrt. Seine Geschichte steht für Glaubenstreue und Standhaftigkeit.

Otto der Große förderte seine Verehrung. Mauritius wurde zum Schutzheiligen des ottonischen Reiches und Magdeburgs. Der Magdeburger Dom trägt die Namen St. Mauritius und St. Katharina. Die dortige, um 1240 geschaffene Mauritiusfigur zeigt ihn als Schwarzen Mann und gilt als herausragende Darstellung in der mittelalterlichen europäischen Kunst.

Ägyptens christliches Erbe in Europa

Das Christentum verbindet Europa seit seinen frühen Jahrhunderten mit Ägypten. Bereits im ersten Jahrhundert entstanden christliche Gemeinden auf europäischem Boden. Die Christianisierung Europas war ein langer Prozess, zu dem Menschen aus unterschiedlichen Regionen beitrugen.

Wichtige Impulse aus Ägypten kamen durch das frühe Mönchtum. Die Lebensweise der ägyptischen Wüstenmönche wurde weit über ihre Heimat hinaus zum Vorbild. Athanasius, Bischof von Alexandrien, lebte im vierten Jahrhundert zeitweise im Exil in Trier und Rom. Besonders seine Lebensbeschreibung des heiligen Antonius machte das ägyptische Mönchtum im Westen bekannt. Sie verbreitete sich in lateinischer Übersetzung und prägte das klösterliche Leben im Westen.

Die heutige koptische Kirche bewahrt dieses alte ägyptische Erbe. Auch die Überlieferungen um Mauritius und seine Gefährten verbinden Ägypten mit Europa.

Quelle: Anette Krumpholz, KEB Limburg und Wetzlar-LDE; Bistum Magdeburg, Pressestelle, presse@bistum-magdeburg.de, 0391-5961134


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