
OsternachtEin neuer Anfang
Jedes Jahr in der Osternacht verwandelt sich die Kathedrale Sankt Sebastian – wie viele andere Kirchen weltweit - in einen Ort des symbolischen Neubeginns. Die Gemeinde versammelt sich am Osterfeuer. Nach der Fastenzeit verkündet das Evangelium die Auferstehung Jesu.
Erscheinungsdatum: 4. April 2026
Die Gemeinde ist vor der Kathedrale St. Sebastian in Magdeburg versammelt, rund um das Osterfeuer. Männer, Frauen und Kinder. Andere warten in der dunklen Kirche nebenan. Es ist Karsamstag, der 4. April 2026. Bischof Gerhard Feige schreitet mit Ministranten und anderen Geistlichen auf eine Feuerschale zu. Er hebt seine Hände und segnet das Feuer. Dann entzündet Diakon Wolfgang Gerlich daran die Osterkerze und hält die große Kerze, die das Licht der Auferstehung symbolisiert.
Begleitet von Weihrauchduft und dem rhythmischen Ruf „Lumen Christi“ (Licht Christi) zieht die Prozession in die dunkle Kathedrale ein. Jede Kerze wird nun an der Osterkerze entzündet. Die ersten Lesungen erfolgen im Dunkeln. Kaum zu entziffern sind die Texte im Liedheft, nur von einigen Kerzen erhellt. Dann endlich erklingt das Gloria, und die Kirche wird hell. Ein magischer Moment.
Licht und Dunkelheit
In seiner Predigt stellt Dompropst Daniel Rudloff die Dunkelheit als zentrale Lebenserfahrung in den Mittelpunkt und deutet sie im Licht der Auferstehung. Zu Beginn sei der Gottesdienst bewusst im Dunkeln begonnen worden – als Symbol für die Grenzerfahrung zwischen Tod und Leben, Angst und Hoffnung. Dunkelheit stehe für Situationen, in denen Menschen „im Dunkeln tappten“: bei Trauer, Sorgen, gesellschaftlicher Unsicherheit oder angesichts von Konflikten.
Auch die Frauen in Jerusalem am Ostermorgen hätten diese Dunkelheit erlebt, als sie verunsichert zum Grab gingen. Erst die Botschaft der Auferstehung bringe Licht in ihre Situation: Aus der Dunkelheit des Todes werde das Zeugnis des Lebens.
Sehnsucht nach Antworten
Diese Erfahrung überträgt Dompropst Rudloff auf die Tauf- und Firmbewerberinnen und -bewerber. Ihr bisheriger Weg beschreibt er zwar nicht als vollständiges Tappen im Dunkeln, „aber sie waren eben doch auch Suchende. Offensichtlich hat in ihrem Leben etwas gefehlt. Und ich denke, dass sie dies gar nicht gleich hätten beschreiben können. Wir nennen das auch Sehnsucht. Da ist etwas in uns Menschen, dass nach Erfüllung sucht. Eine Leerstelle könnten wir sagen.“, so Rudloff.
Mit der Taufe werde diese Suche nicht beendet, sondern verwandelt. Christen erlebten weiterhin Zeiten der Dunkelheit, in denen Gott fern scheine. Doch diese Dunkelheit sei nicht mehr hoffnungslos, weil das Licht des Glaubens bereits entzündet sei – sichtbar in der Osterkerze und den Taufkerzen. Das bedeute: Die Sehnsucht bleibt, aber sie wird getragen von Hoffnung.
Die Predigt endet mit einer Einladung an alle: Wie die Frauen am Grab sollen die Gläubigen immer wieder aufbrechen und Gott im Alltag suchen. Gerade in einer von Unsicherheit geprägten Welt werde diese Suche zur Quelle der Hoffnung. Der Leitgedanke fasse alles zusammen: „Sucht den Herrn, er lässt sich finden!“ – auch mitten in der Dunkelheit.
Taufe und Taufversprechen
Damit beginnen die Taufen und Firmungen. In einer feierlichen Prozession schreiten alle Bewerberinnen und Bewerber zum Taufbecken. Die Taufpaten legen ihre Hände auf die Schultern der Täuflinge, Taufkleider werden angelegt, Taufkerzen entzündet – Symbole des Lichts, der Gemeinschaft und des Neubeginns. Mit Weihwasser und Chrisam-Öl werden sie gesegnet, auch die Gemeinde erneuert ihr Taufversprechen.
Die Osternachts-Feier erreicht ihren Abschluss im Abendmahl, der Eucharistie mit Gabenbereitung, Gebeten und Liedern. Der Moment, in dem das Danklied „Das Grab ist leer“ erklingt, spiegelt die zentrale Botschaft von Ostern wider: die Überwindung der Dunkelheit, die Auferstehung und das Leben.
Quelle: Bistum Magdeburg, Pressestelle, presse@bistum-magdeburg.de, 0391-5961134


























